Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'25 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

Wirtschaft im Südwesten 11/2025 13 schließen. „Wir befinden uns auf jeden Fall in einer konjunkturellen, vermutlich aber auch in einer strukturellen Rezession“, sagt der Vorstandsvorsit- zende dazu. „Denn Deutschland ist im internatio- nalen Vergleich leider nicht mehr konkurrenzfähig.“ Und das aus vielerlei Gründen: In Mexiko arbeiten die Kollegen 48 Wochenstunden bei einem Kran- kenstand von 1,3 Prozent. In Deutschland sind es 37,5 Stunden (dank eines Haustarifvertrags, sonst wären es nur 35 Stunden) und mit fünf bis sechs Prozent Krankenstand. Lazzarini: „Das ist nur system- bedingt erklärbar“, vielleicht aber auch ein Mentali- tätsthema. Hinzu kommen die politisch geschaffe- nen Rahmenbedingungen: „Für Strom zahlen wir in Oberkirch zwei Millionen Euro, in Serbien würden wir für die gleiche Energie nur ein Drittel bezahlen.“ Ähnlich die Lage bei den Steuern: 30 Prozent in Oberkirch, andernorts 20 bis 25 Prozent. Lazzarini bilanziert: „Wir waren als Industrienation in Sachen Wettbewerbsfähigkeit mal unter den Spitzenreitern der Welt – inzwischen aber werden wir kontinuier- lich nach unten durchgereicht. Politik und Gewerk- V on Oberkirch nach Bühl sind es 18 Kilo- meter Luftlinie – und doch liegen aktuell Welten zwischen der gefühlten Wirklich- keit bei Bosch in Bühl und bei PWO im Renchtal. Für die Zwetschgenstadt sieht es düster aus. 1550 Stel- len sollen in Bühl und im benachbarten Bühlertal wegfallen. Eine Katastrophe für die Stadt mit ihren 26000 Einwohnern. Und Bosch ist ja kein Einzelfall. Bei ZF (Friedrichshafen) sollen nach einer Milliarde Euro Verlust 14000 Stellen wegfallen, bei Continen- tal 12000, bei Siemens 6000. Porsche macht seine Batteriefabrik dicht, Audi streicht 7500 Stellen. Viele Zulieferer arbeiten kurz oder haben sogar Insolvenz anmelden müssen. KeinWunder, dass sich auch ein Carlo Lazzarini, der CEO bei PWO, die Frage stellen lassen muss, wann es denn bei ihm so weit ist. Sind die Jobs bei PWO (noch) sicher? Trotz Mini-EBIT: „Wir halten amMutterwerk fest“ „Ja“, sagt Lazzarini, der seit fünf Jahren bei PWO den Vorstandsvorsitz innehat. „Denn wir haben unseren Turnaround schon geschafft.“ 2022 bis 2024 hat PWO aus Gruppensicht gleich drei Re- kordjahre nacheinander erlebt – bei Umsatz, EBIT und Neugeschäft. 2025 läuft es nicht ganz so gut, aus Gruppensicht werde man aber alle gesteckten Ziele erreichen – auch wenn in Mexiko die Abrufe nicht so gut seien und der Stammsitz Oberkirch nach wie vor allen anderen Standorten hinterher- hinke. Lazzarini drückt das diplomatischer aus. „Un- ser deutsches Werk ist der einzige Standort, an dem wir nicht wachsen und an dem wir kaum Gewinne erwirtschaften.“ Die EBIT-Marge, also der Vorsteuer- gewinn in 2024: 1,8 Prozent. Davon kann man viel- leicht nicht leben, damit aber sehr wohl. Erst recht mit der Kultur eines Familienunternehmens, als das sich PWO trotz seiner Börsennotierung sieht. „Wir halten am Mutterwerk fest“, sagt Lazzarini. „Auch wenn unsere Kunden ihr Geschäft derzeit in einer atemberaubenden Geschwindigkeit nach Osteuro- pa verlegen: Wir versuchen, die Arbeitsplätze hier so gut es geht zu erhalten.“ Dass der Standort Oberkirch vorübergehend in die roten Zahlen rutscht, sei aktuell nicht auszu- PWO: der Turnaround in Zahlen 2020 0,00 -3,73 4,72 1,50 2021 4,87 1,65 2022 5,19 1,75 2023 4,01 1,75 2024 Dividende pro Aktie (EUR) Ergebnis pro Aktie (EUR) Genügsame Gesellschafter: Bei PWO geht nur etwa ein Drittel der Gewinne als Dividende an die Gesellschafter – das macht resilient. Foto: PWO

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ2MDE5