Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'25 - Hochrhein-Bodensee
Wirtschaft im Südwesten 11/2025 56 Andreas Mayr weiß, wie man Menschen und Material sicher in luftige Höhen bringt – und wie man selbst nach oben kommt. Der 41-Jähri- ge aus dem beschaulichen Seelbach imOrten- aukreis hat sich mitten in der Corona-Pandemie mit der Vermietung von Arbeitsbühnen, Teles- kopstaplern und Co. selbstständig gemacht. Ein Schritt, der viele überraschte: „Im Umfeld gab es zwei Lager – die einen sagten ‚bist du wahnsinnig, es gibt schon so viele, die erfolg- reich am Markt sind‘, die anderen ‚wenn du es jetzt schaffst, dann wird es von Dauer sein‘“, er- innert sich Mayr. Seine Leidenschaft für die Branche und für echte Kundenorientierung begann schon 2009. Damals war er bei einem anderen Ver- mieter von Arbeitsbühnen entlang der Rhein- schiene in Baden tätig und lernte: „Je mehr wir uns auf den Kunden spezialisieren, desto erfolgreicher sind wir.“ Weil das Unternehmen verkauft wurde, musste er sich einige Jahre später neu orientieren, blieb aber in der Bran- che, stieg in die Geschäftsleitung auf und wur- de schließlich zum bundesweiten Bereichslei- ter für Arbeitsbühnen. Kurz vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie 2020 war Mayr kurzzeitig im Vertrieb von Flur- förderfahrzeugen tätig. „Das war mir zu weit weg von dem, was ich über zehn Jahre gemacht hatte und somit verließ ich noch in der Probe- zeit das Unternehmen.“ Mit der Pandemie kam die Unsicherheit – aber auch Mut. Denn für ihn war klar: Noch ein Angestelltenverhältnis kam nicht in Frage: „Wenn ich in der Branche bleibe, dann mache ich etwas Eigenes.“ Seine heuti- ge Ehefrau und Freunde bestärkten ihn darin, denn selbst, nachdemer nicht mehr imArbeits- bühnen-Verleih war, riefen langjährige Kunden bei ihm an, die er dann weiter vermittelte, und sogar Wettbewerber fragten ihn um Rat bei Personalentscheidungen. Im Juni 2020 startete er – ohne Fördergelder, allein mit eigenen Rücklagen. Sechs Mona- te hatte er sich als Testphase gegeben. Doch schon im September kam der Durchbruch: ein großer fünfstelliger Auftrag. Die Stahlkrise 2021, verbunden mit den Lieferengpässen aus Fern- ost und steigenden Anschaffungskosten, stell- ten ihn allerdings vor größere Herausforderun- gen: „75 Prozent unseres Fuhrparks stammen von asiatischen Herstellern, die sehr innovativ unterwegs sind.“ Der schwächelnden Wirtschaft zum Trotz wächst Mayr Arbeitsbühnen seither stetig – und unerwartet schnell. Zwei, drei Jahre hatte Andreas Mayr ursprünglich einkalkuliert, um wirtschaftlich in der Lage zu sein, die erste ei- gene Maschine anzuschaffen. Letztendlich hat er dafür nur ein Jahr gebraucht. Heute liegt der Maschinenbestand im hohen zweistelligen Be- reich. Genauer will Mayr nicht werden, ebenso wenig wie beim Umsatz, der im siebenstelligen Bereich liege und den er zusammen mit fünf Mitarbeitern erwirtschafte. Und die Zukunft? In wenigen Wochen bezieht die Firma das neue, eigene Stockwerk im Fa- milienheim in Seelbach: Ein Großraumbüro mit Schulungsraumund Sozialbereich, das Platz für neue Mitarbeiter und in einigen Jahren auch für Auszubildende bietet. Denn eines weiß Mayr schon jetzt: Er will weiter wachsen, regional und überregional und vielleicht sogar bis ins be- nachbarte Ausland. Daniela Santo Hoch hinaus: Ganz klein, im heimischen Esszimmer und noch ohne eigene Maschinen, machte sich Andreas Mayr selbstständig. Heute versorgt er mit seinem Mietpark Kunden bundesweit. Hoch hinaus Mitten in der Corona-Krise wagt Andreas Mayr aus Seelbach den Sprung in die Selbstständigkeit – und hebt mit Arbeitsbühnen und einem siebenstelligen Umsatz richtig ab. Mayr Arbeitsbühnen in Seelbach Mayr Arbeitsbühnen Gründer: Andreas Mayr Ort: Seelbach Gründung: 2020 Branche: Dienstleistung Webseite: www.mayr-arbeitsbuehnen.de Fotos: Mayr Arbeitsbühnen; Jana Kaiser; Josko Health Solutions
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