Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'25 - Hochrhein-Bodensee
Hochrhein-Bodensee 11/2025 38 Steuerberater und Rechtsanwälte sind hier, vie- le Ingenieurbüros, die Deutsche Umwelthilfe, der Global Nature Fund, die Bodenseestiftung sowie die Energieagentur des Landkreises Konstanz. Für Bihler sind das keine Mieter. „Es sind unsere Kunden“, sagt er. Damit verbindet er einen anderen Ansatz imMiteinander. „Wenn ich mich manchmal vorstelle, sage ich: ‚Ich bin hier der Hausmeister.‘ Das ist ja nicht verkehrt.“ Er lächelt. Bunter Mix in Bahnhofsnähe Auch Thilo Fessmann kann wieder lächeln. Er ist Geschäftsführer von Fessmann & Hecker in Zell im Wiesental – und er war es bei der Zell- aerosol. Doch der Dienstleister für die Kos- metik- und Haushaltschemiebranche musste 2022 Insolvenz anmelden und stellte 2023 seinen Betrieb ein. 12000 Quadratmeter Flä- che lagen damals plötzlich brach. „Es hat ein bisschen gedauert, auch weil die technischen Anlagen zurückgebaut werden mussten“, sagt der 56-Jährige rückblickend. Mit der Hilfe eines Immobilienmaklers kehrte sukzessive Leben ins Areal zurück. Zu den größten der heute 28 Mie- ter zählen dieMarchese Speditions- und Trans- portgesellschaft sowie DHL mit zusammen rund 3800 Quadratmetern. Daneben haben sich unter anderem ein Crossfit-Studio, mehre- re Handwerksbetriebe, Dienstleister, Freiberuf- ler und Kreative hier einen Standort geschaffen. Zu den Pluspunkten des Geländes zählen unter anderem „die Lage direkt am Bahnhof sowie viele kostenlose Parkmöglichkeiten“, weiß Thilo Fessmann. Noch nicht in der Vermarktung ist das markan- teste Gebäude des Areals: die dreistöckigen Werkshallen der ehemaligen Textilspinnerei Fessmann & Hecker. Das dauert noch, sagt der Unternehmer: „Bevor es damit losgeht, müssen erst noch umfangreiche Sanierungsarbeiten abgeschlossen werden.“ Patrick Merck 24 Jahren mit drei weiteren Investoren, einen großen Teil der früheren Heinrich-Koeppen- Kaserne in Radolfzell zu erwerben: 15000Qua- dratmeter Geschossfläche. 44 Millionen Mark ließ er sich das kosten. Einen konkreten Plan hatte er nicht, nur eine vage Idee. „Ich bin schon ins Blaue gesprun- gen“, sagt er. Er investierte in die Infrastruktur der Gebäude, baute eine Kantine sowie ein eigenes Rechenzentrum ein, verlegte Glasfa- serkabel und hat so schon kurz nach der Jahr- tausendwende mehr Internet als manche Kom- mune im Hochschwarzwald heute. Das Innovationszentrum (RIZ) bietet Büroräu- me ab 12,5 Quadratmetern, dazu Arbeitsräume, Lager und Labore. Allerdings sind schon lange alle Räume vergeben. „Veränderungen gibt es aber immer“, sagt er. Das Besondere: „Wir ver- mieten nur warm, unbegrenzt mit dreimonatiger Kündigungsfrist und komplett ausgestattet.“ Bihler weiß, was Unternehmer oder Freiberufler in Büros benötigen. Er will den Raum schaffen, damit sie sich um ihr Geschäft kümmern kön- nen. „Um alles andere kümmern wir uns.“ Wer im RIZ einzieht, hat alles: einen frisch re- novierten Raummit Beleuchtung, Teppich und Internetanschluss mit mindestens 120Gigabyte Bandbreite. Wer mag, mietet sich einen höhen- verstellbaren Schreibtisch plus Container und Bürostuhl dazu. „18 Euro kostet das pro Monat.“ Entsprechend bunt ist der Branchenmix im RIZ. „Es zahlt sich langfristig aus, wenn man nicht beim ersten Investor oder Angebot anbeißt.“ Peter Krause, Wirtschaftsförderer Weil am Rhein Fotos: mrk; RIZ Gelungene Konversion: Das RIZ in Radolfzell in der früheren Heinrich-Koeppen-Kaserne, die Bernhard Bihler umgebaut hat. Einen ähnlichen Weg geht jetzt Thilo Fessmann (unten rechts) in Zell im Wiesental.
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