Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Oktober'25 -Südlicher Oberrhein
A ntje Keller trägt Verantwortung für zwei Familienunternehmen. Für das mit Mann und vier Kindern. Und für das mit Mann und 75 Mitarbeitern. Beide Familien- unternehmen verlangen Gestaltung und ein durchdachtes Management. Schließlich sind es von zufriedenen Kindern zu Kunden auch nur zwei Buchstaben Unterschied. Wie gut, dass Antje Keller von sich selbst sagt, ein sehr empathischer Mensch zu sein. Sie empfängt zunächst im Besprechungsraum im Erdgeschoss des noch relativ neuen Firmen- gebäudes, das Keller Blechtechnik seit 2022 beheimatet. Sie hat sich nicht groß umstellen müssen, als sie, gelernte Betriebswirtin, vor 20 Jahren ins Traditionsunternehmen Kel- ler Blechtechnik einstieg, als Personalleiterin und Prokuristin. Ihr Mann Harald ist seit 2004 in vierter Generation geschäftsführender Ge- sellschafter des Unternehmens für Blech- und Rohrverarbeitung in Endingen am Kaiserstuhl. Den Gesamtkontext im Blick Seither vertritt sie Personal und Geschäfts- führung gleichzeitig: für Antje Keller nicht be- schwerlich, sondern bereichernd. Denn so hat sie den Gesamtkontext im Blick, erklärt die 48-Jährige mit den blonden, kurzen Locken und der prägnanten Brille. Und damit liegt sie voll im Trend. Die transformative Human-Re- sources-Arbeit – der Wandel hin zum strategi- schen Mitgestalter und weg vom ausschließli- chen administrativen Verwalter und operativen Ausführer – steht an erster Stelle der Trends und Themen, die aus Sicht von 314 HR-Befrag- ten in Deutschland für den zukünftigen und langfristigen Unternehmenserfolg relevant sind. So die aktuelle Studie „State of HR“ von der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP) und dem Beratungsunternehmen Gal- lup. An zweiter Stelle der Themen und Trends: Weiterbildung Next Level. Das individuelle und lebenslange Lernen sowie die technologische Integration seien essenziell, um sich für anste- hende Herausforderungen zu wappnen. Antje Keller führt durch die Fertigungshalle von Keller Blechtechnik. Es ist laut und schaf- fig. Mitarbeiter mit Hubwagen voller Kartons, beim Zusammenfügen von Metallteilen, beim Biegen von Metallplatten mittels hydraulischer und elektrischer Pressen. Dazwischen Indust- rieroboter beim Laserschweißen. Die digitale Transformation wird die Arbeitswelt verändern – Antje Keller aber bleibt gelassen. Sie sieht vor allem die Vorteile der neuen Technologien. Die Ergänzung mache es aus, denn dass Roboter dem Menschen unbeliebte Arbeiten abneh- men, ersetze keine Arbeitsplätze, sondern ver- ändere diese und mache sie attraktiver. Mensch Anders Arbeiten Digitale Transformation, New Work, gesellschaftlicher Wertewandel und mehr wälzen die Arbeitswelt um. Unternehmen müssen da mitgehen und brauchen dafür umso mehr eine Personalphilosophie, die Mitarbeiter einbindet und sie motiviert, mitzumachen. Eine, die das täglich macht, ist Antje Keller. Ein Besuch am Kaiserstuhl Erfolgsfaktor Mitarbeiterführung und Maschine – eine schöne Kombi, sagt Keller. Sinnstiftend solle eine Tätigkeit schließlich sein. Doch sie betont: Es geht nur, wenn man dieMit- arbeiter bei den Entwicklungen mitnimmt, sie einbindet und entsprechend fördert. Einfach ignorieren könne man die neuen Technologien nicht. Das gefährde die Wettbewerbsfähigkeit. „Und dann sind die Arbeitsplätze weg. Das ist dann fataler“, sagt Keller. Imgroßen Konferenzraum imdritten und obers- ten Stockwerk des Verwaltungstrakts ist es ru- hig. Draußen sind die Hänge des Kaiserstuhls zu sehen. Apropos Arbeitsplätze: Sind alle be- setzt? Momentan passt’s, sagt die Personal- leiterin. Die Bewerbungen kämen in Wellen, je Antje Keller empfindet ihre Arbeit als Personalleiterin und Prokuristin im Familien- unternehmen Keller Blechtechnik als schön und sinnstiftend. Etwas, das sie sich auch für ihre Mitarbeiter wünscht. Wirtschaft im Südwesten 10/2025 16
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