Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Oktober'25 -Südlicher Oberrhein
Nina Hartmann, Verband der Unternehmerinnen „Frauen sollten aus der ‚Petitesse-Falle‘ ausbrechen und ihre wahre Stärke in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft entfalten.“ Studie: Die Rollen der Frau Unter anderem zehn Dinge, die jede Füh- rungskraft und jedes Unternehmen sofort verändern kann und mehr gibt es bei der Bertelsmann-Studie „Die Rollen der Frau – Rollenvorstellungen und Karriereentscheidungen“: Starke Frauen bedeuten eine starkeWirtschaft. Gerade in Zeiten, in denen viele Unternehmen Nachfolgerinnen suchen, können Netzwer- ke helfen, Frauen in diese Rollen zu bringen.“ Auch Women* for Impact setzt sich für Gleich- stellung von Frauen sowie von nicht-binä- ren Personen in Führungspositionen ein. Das Feminist-Leadership-Programm wurde 2020 von Futur F ins Leben gerufen, einem Social Start-up, das seit 2019 für Zukunftsfähigkeit und Chancengerechtigkeit in der Arbeitswelt eintritt. Förderprogramme für Frauen seien ein notwendiger Hebel, um Bewusstsein zu stärken, strukturelle Benachteiligungen auszugleichen und nachhaltige Veränderungen anzustoßen. Insbesondere in der aktuellen politischen Si- tuation, erklärt Anja Keller. „Ebenso wichtig: Sie ermöglichen den Aufbau starker Netzwerke und gegenseitiger Unterstützung – etwas, das Männern in Führungsrollen traditionell seit Jahrzehnten selbstverständlich zur Verfügung steht.“ Auch Mentorship imUnternehmen kann laut Bertelsmann-Studie Frauen dabei helfen, Aufstieg und berufliche Entwicklung in die ge- wünschten Bahnen zu lenken. Und was ist mit der Frauenquote, hilft die? 30 Prozent Frauen in Aufsichtsräten börsen- notierter Unternehmen sind seit 2016 Pflicht. Aber eben nur in Aufsichtsräten. Ernst und Young zufolge gab es Anfang 2025 zwar so viele weibliche Vorstandsmitglieder wie noch nie in Deutschlands Top-Konzernen – ihr Anteil ist mit knapp 20 Prozent aber immer noch klein. Die Quote ist daher auch umstritten. Sie verändert, indem sie Fakten und dadurch neue Perspek- tiven schafft, sagen die einen – sie führt dazu, dass Frauen das Gefühl haben, nur aufgrund der Quote befördert zu werden, und belasten die Unternehmen, sagen andere. Größere Auswahl - höhere Qualität Doch es gibt noch andereMöglichkeiten, Frau- en den Weg an die Spitze zu erleichtern. Denn von Frauen mit Karriereambitionen profitie- ren auch Unternehmen. „Ein größerer Pool an Leuten bedeutet höhere Qualität, weil größere Auswahl“, sagt Hochschul-Professor Trost. Die Kompetenzen der Frauen nicht zu nutzen sei „verschenktes Potenzial.“ Um etwas zu verän- dern, ist die Politik gefragt – und wir alle. „Die Politik muss Rahmenbedingungen schaffen, die Vereinbarkeit ermöglichen: etwa durch flä- chendeckende Kinderbetreuung, steuerliche Reformen und die Anerkennung von Care- Arbeit“, sagt Nina Hartmann. Die Gesellschaft wiederum solle Rollenbilder verändern und weiterentwickeln. „Es reicht nicht, dass Frauen ‚dürfen‘ – es muss selbstverständlich werden, dass Männer Verantwortung für Familie und Pflege übernehmen.“ Auch Arbeitgeber können ganz konkret etwas tun. Helfen würden flexible Führungsmodelle wie beispielsweise Führung in Teilzeit oder ge- teilte Führung sowie die konsequente Einbin- dung des gesamten Arbeits- und Führungs- kräftepotenzials, zählt Tanja Krase auf. Und es sollten sich Maßstäbe verändern, nach denen Führung bewertet wird, sagt sie. Die Arbeitswelt befindet sich im Wandel. Und es gibt „große Überschneidungen zwischen den Forderungen und Vorstellungen der Frauen und den zukunftsorientierten Arbeits- formen, die im Rahmen von New Work und agiler Arbeitswelt diskutiert werden“, so die Bertelsmann-Studie. Unternehmen hätten be- griffen, dass Soft Skills, wie man sie landläufig Frauen stärker als Männern zuschreibe – Em- pathie, echtes Interesse für andere Menschen und Teamgeist –, wichtige Schmierstoffe im Getriebe einer Firma seien. IHK-Vize Brigit- ta Schrempp gibt dann noch einen Tipp mit auf den Weg: Frauen, seid selbstbewusst und glaubt an eure Stärken. Das öffnet Türen. Das übrigens hat sie selbst vorgemacht. S. Ehmann STAHLTEC TREPPEN STAHLBAU BALKONE BELLE AG Limbergstraße 2 79369 Wyhl info@BELLEAG.de BELLEAG.de Anz_IHK_Image_196x66.indd 1 04.09.25 11:52 Wirtschaft im Südwesten 10/2025 15
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