Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Oktober'25 -Südlicher Oberrhein

imVerborgenen und sie selbst hinter ihren Kar- riere-Möglichkeiten zurück. Hinzu kommt noch, dass viele Frauen Zweifel an den eigenen beruflichen Fähigkeiten hemmen. Auch wenn sie noch so kompetent sind: Frau- en behalten die eigenen Grenzen stets im Blick und benennen sie – und das bremst auf dem Weg nach oben. Denn die Konkurrenz der Von- sich-Überzeugten schläft nicht. Deutlicher Gender Pay Gap Noch ein Wort zum Geld: In Deutschland ver- dienen Frauen immer noch weniger als Männer. Gemessen am durchschnittlichen Bruttostun- denverdienst der Männer lag Destatis zufolge der Gender Pay Gap 2024 bei etwa 16 Pro- zent. Damit bleibt Deutschland eines der EU- Schlusslichter. Gründe laut Bertelsmann-Stu- die: Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit, unter sie schnell als ‚zu unsichtbar‘. Wenn sie klar auftreten, wird ihnen dagegen oft unterstellt, sie seien ‚zu dominant‘. Diese Dynamik ist gut erforscht“, erklärt Tanja Krase von Futur F. „Frau sein und Führung ist in unseren Köpfen häufig immer noch als Widerspruch abgespeichert. Ein unbewusstes Vorurteil, das bei Männern und Frauen gleichermaßen existiert.“ Laut Professor Trost neigen viele Frauen daher zu Härte, weil sie das Gefühl hätten, sich beim Führungsstil an Männer anpassen zu müssen. Das aber belaste nicht nur die Beziehung zu den Kollegen, sondern auch die Frauen selbst, die nicht authentisch sein könnten und das Ge- fühl hätten, sich zerreißen zu müssen. Im Ge- genzug verhalten sich laut Bertelsmann-Studie viele Frauen auch zögerlich bis zurückhaltend, gerade um nicht aggressiv oder angeberisch zu wirken. So bleiben allerdings ihre Kompetenzen ihrem Qualifikationsniveau und bekommen für die gleiche Arbeit weniger Geld als Männer. Bei der beruflichen Chancengleichheit zwi- schen Frauen und Männern ist also noch viel Luft nach oben. Doch was tun? Welche Rolle spielen beispielsweise Netzwerke oder Leader- ships speziell für Frauen? Die Meinungen dar- über gehen auseinander. Eher weniger davon hält Brigitta Schrempp, Unternehmerin und Vizepräsidentin der IHK Südlicher Oberrhein. „Gemischte Netzwerke sind das Beste“, sagt sie. Durch den Kontakt zu beiderlei Geschlechtern entsteheWertschätzung. Nina Hartmann ist da anderer Ansicht. Die VdU-Vorsitzende sagt: Frauennetzwerke wür- den Frauen Rückhalt, Sichtbarkeit und Selbst- bewusstsein in einer nach wie vor männlich dominierten Wirtschaftswelt geben. „Volks- wirtschaftlich ist das von enormer Bedeutung: Foto: Nina Hartmann; Brigitta Schrempp/ Schrempp EDV, IHK SBH Unbenannt-3 1 11.09.2025 12:39:42 Unterstützung für Unternehmerinnen: IHK-Vizepräsidentin Brigitta Schrempp (l.) sagt, Frauen sollten selbstbewusst und kommunikativ sein, ihr selbst habe das geholfen. „Es braucht flexible Teilzeitangebote und ein modernes Steuerrecht, das eine Beschäftigung in Teilzeit für Frauen besser stellt. Hier kann Politik sehr kon- kret und sehr schnell tätig werden“, fordert IHK-Präsidentin Birgit Hakenjos überdies. Dass sich etwas ändert, dabei können Frauennetzwerke helfen, sagt VdU-Vor- sitzende Nina Hartmann (rechts), sie geben Rückhalt, Sichtbarkeit und Selbstbewusstsein in einer männlich dominierten Wirtschaftswelt. Wirtschaft im Südwesten 10/2025 14

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