Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Oktober'25 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
Mit dem neuen Stadtteil Dietenbach entsteht in Freiburg eines der größten Bauprojekte Deutschlands. Auf rund 110 Hektar Fläche sol- len bis zu 16000 Menschen ein neues Zuhau- se finden. Der Stadtteil wird als klimaneutrales Quartier geplant, mit Schulen, Kitas, Grünflä- chen und einer eigenen Infrastruktur. Damit will Freiburg nicht nur dringend benötigten Wohn- raum schaffen, sondern auch ein Modellprojekt für nachhaltige Stadtentwicklung umsetzen. Im Interview erklärt Baubürgermeister Mar- tin Haag, wie Dietenbach Kosten beim Bauen senken kann, warum Bebauungspläne trotz Kritik unverzichtbar sind und wie die Stadt die Balance zwischenWohn- und Gewerbeflächen wahrt. Überall fehlt es an Wohnraum, Bauen wird immer teurer. Mit Dietenbach sind Sie in der glücklichen Lage, sehr viel Wohnraum schaffen zu können. Wie gelingt es dort, trotz hoher Baukosten, bezahlbaren Wohn- raum zu ermöglichen? Ihr Ansprechpartner für Printwerbung, Satz und Gestaltung! ©Adobe Stock/olly mail@wolfsystem.de www.wolfsystem.de PRODUKTION MONTAGE PLANUNG Industrie|Gewerbe|Stahlbau Wolf System GmbH 94486 Osterhofen 09932 37-0 Unbenannt-1 1 08.09.2025 12:02:57 schriften bedeuten weniger Bauzeit und damit auch günstigere Bauprojekte. Ähnlich sieht es Philipp Merz, Prokurist bei Bernhard Merz Im- mobilien in Rottweil. Neben den strengen Bau- vorschriften sieht er überzogen hohe (Umwelt-) Auflagen, die das Bauen verteuern. Immerhin aber habe die Politik erste Weichen gestellt. „Es muss auch mal gelobt werden“, sagt Gabriele Renz, Pressesprecherin der Architektenkammer Baden-Württemberg. Mit dem Klimaschutzgesetz von 2023 sowie der Novelle der Landesbauordnung, gültig seit dem 29. Juni 2025, sind wichtige Erleichterun- gen geschaffen worden. Besonders hervorzu- heben sei der neue Bestandsschutz in Paragraf 76 (1) LBO: Eine bauliche Anlage genießt seither Bestandsschutz, wenn sie legal errichtet und genehmigungskonform genutzt wird. „Das ist bedeutsam, weil viele Kommunen bislang den leichteren Weg gegangen sind – Abriss und Neubau statt Sanierung. Dieser Weg wird nun erschwert“, so Renz. Auch bei Brandschutzvor- schriften gibt es Anpassungen, zumindest für Umbauten im Bestand. Erleichterungen gelten für Dachgeschossausbauten und Aufstockun- gen zu Wohnzwecken. Wenn sich dabei eine höhere Gebäudeklasse ergibt, griffen nicht mehr automatisch die strengeren Vorgaben dieser höheren Klasse. „Auch bleiben Aufsto- ckungen um bis zu zwei Geschosse sowie der Einbau von Dachgauben und Zwerchgiebeln abstandsrechtlich unberücksichtigt – wenn Wohnraum geschaffen wird“, erläutert Renz. Wohnraum durch Aufstockung Gerade die Aufstockung von Bestandsgebäu- den ist auch für Ulrich Moosmann eine wich- tige Stellschraube, um neuen Wohnraum zu schaffen. Ein Blick nach Wien zeigt, wie erfolg- reich dieses Modell sein kann: Dort haben sich ganze Baugesellschaften auf Dachgeschosse und Aufstockungen spezialisiert. AuchWacker- bau setzt seit Jahren mit Holzbaupartnern auf dieses Modell. „Wir sehen hier ein riesiges Potenzial, um im Bestand hochwertige Wohn- qualität zu schaffen.“ Auch der Umbau und die Umnutzung bestehender Gebäude sind für Moosmann zentrale Bausteine. Die bereits vorhandene Infrastruktur kann genutzt wer- den, Bauzeiten verkürzen sich, die Kosten sind häufig niedriger als beim kompletten Neubau. Außerdem werden Ressourcen geschont, weil wertvolle Bausubstanz erhalten bleibt. Die Zahlen im Ländle zeigen laut Architek- tenkammer, dass sich dieser Trend verstärkt: Aktuell entfallen mehr als 70 Prozent der Bau- tätigkeit auf den Bestand, nur 30 Prozent auf Neubauten. In 15 Jahren könnte der Anteil von Neubauten sogar nur noch bei acht Prozent liegen. Investoren würden sich zunehmend Be- Gabriele Renz ist Pressesprecherin der Architektenkam- mer Baden-Würt- temberg in Stuttgart. Sie lobt die jüngste Novelle der Landes- bauordnung, mit der wichtige Erleichte- rungen geschaffen wurden. Foto: Architektenkammer Baden-Württemberg Bezahlbar bauen Wie schafft Freiburg trotz steigender Baukosten bezahlbaren Wohnraum? In Dietenbach setzt die Stadt auf clevere Konzepte – von Quartiersga- ragen bis zu kompakten Bauweisen. Neuer Freiburger Stadtteil Wirtschaft im Südwesten 10/2025 54
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