Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Oktober'25 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
man Buguna-Hoffmann, wie die Schläuche gehalten und im Hitzefeld miteinander verbunden werden. Zeit und Geduld sind wesentliche Faktoren bei den WfbM. „Wir wollen nicht nur einen adäquaten Ar- beitsplatz stellen, sondern auch ein sicherer Hafen sein“, sagt Kathrin Riester. Eine Einschätzung, die Berthold Schätzle teilt. Er ist Bereichs- leiter Technik bei der Lebenshilfe im Kinzig- und Elztal mit drei Werk- statt-Standorten: „Hier sind unsere Mitarbeiter jemand. ‚Draußen‘ sehen sie sich oft ausgegrenzt und benachteiligt.“ Es geht den Ver- antwortlichen daher nicht allein umArbeit, sondern umein sinnvolles Beschäftigungsverhältnis. Kritik am System der Werkstätten DieWerkstätten haben den Auftrag, Menschen mit Behinderung für den ersten Arbeitsmarkt zu befähigen, ihre Eingliederung vorzube- reiten. Dass sie als Unternehmen auftreten und weniger als den ge- setzlichen Mindestlohn bezahlen, wird nicht überall geschätzt. Eine Kritik, die Ludger Ferber-Thiel kennt. „Wir Werkstätten sind in erster Linie Reha-Einrichtungen“, stellt er klar. Zumal werde bei kritischen Anmerkungen oft übersehen, dass die Beschäftigten „neben dem gesetzlich geregelten Arbeitsentgelt auch Anspruch auf umfangrei- che Betreuungs-, Bildungs-, Förder- und Therapieleistungen haben. Zudem erhalten sie in der Regel Pflegeleistungen und Grundsiche- rung sowie staatliche Zuschüsse zur Miete.“ So unterschiedlich die verschiedenen Leistungen der Werkstätten im Südwesten sind, so unterschiedlich ist auch ihre Spezialisierung. Während das Haus Teresa in Heiligenbronn auf Menschen mit Sin- nesbeeinträchtigung fokussiert sind und die Seewerke in Konstanz auf Menschen mit psychischer Behinderung, sind es bei der Lebens- hilfe im Kinzig- und Elztal vor allem Menschen mit geistigem Handi- cap. Nicht selten kommt eine körperliche Behinderung hinzu. So wie bei Rebecca Siegmund, die auf den Rollstuhl angewiesen ist. Sie kümmert sich verantwortlich um einen Auftrag von Riha Plastic in Biederbach. Es geht um das Anbringen der Montagehilfe und das Einbauen eines Magnets imMontagesockel. „Da muss qualitativ alles stimmen“, sagt Berthold Schätzle. Die Werkstatt in Elzach verfügt – wie die der Seewerke oder die St. Franziskus – über die relevanten ISO-Zertifikate und Zulassungen. „Sonst könnten wir unsere Leistun- gen gar nicht anbieten.“ Seit mehr als 16 Jahren arbeitet die Riha Plastic mit der WfbM in El- zach zusammen. Deren Geschäftsführer Jürgen Rissler schätzt die gute Verbindung. Warum es nicht mehr Unternehmen ihm gleich- tun, kann er nicht nachvollziehen. „Vielleicht kennen nicht alle heimi- schen Unternehmen die Leistungen der Lebenshilfe“, sagt er. Neben den Arbeiten in ihren eigenen Räumlichkeiten begleiten die WfbM ihre Mitarbeiter auch in Firmen, wenn sie dort im Rahmen eines ausgelagerten Arbeitsplatzes eingesetzt werden. Wie eben Markus Falk in der Linde. Restaurantchef Reinhard Kaspar kennt den heute 46-Jährigen seit seiner eigenen Ausbildungszeit aus der Nachbarschaft. „Markus kam nachmittags oft zu uns und hat seine Hilfe angeboten“, erinnert er sich. Als das immer mehr wurde, wollte es der Gastronom offiziell machen, scheiterte aber anfangs an büro- kratischen Hürden. Mit Hilfe der Landespolitik gelang es dann doch: Markus Falk, der nur einen Katzensprung entfernt wohnt, darf seither an zwei Tagen in der Küche mithelfen. Das macht er immer noch, freut sich Reinhard Kaspar: „Mit großem Eifer, Hingabe und Freude an der Arbeit.“ Markus Falk schält und schnippelt Gemüse klein, spült Töpfe und Pfannen, kümmert sich umdie Spülmaschine und achtet auf dieMülltrennung. „Da verstehe ich keinen Spaß“, sagt er ernst, doch dann zieht ein fei- nes Lächeln über seine Lippen. „Ohne Markus würde in der Linde etwas fehlen“, bringt es Inhaber Reinhard Kaspar auf einen einfachen Nenner. Patrick Merck Mehr Inklusion wagen? Miriam Kammerer von der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg hilft gern weiter: kammerer@vs.ihk.de 07221/922-512 Fotos: Jigal Fichtner (4); MTS Medical; SKT Setzen auf Inklusion: Bereichsleiter Bertold Schätzle von der Lebenshilfe im Kinzig- und Elztal, Mitarbeiterin Rebecca Siegmund, Linde-Küchenchef Reinhard Kaspar, Küchenhelfer Markus Falk und Frank Weinmann, Pädagogischer Leiter der Lebenshilfe in Haslach (von links) Wirtschaft im Südwesten 10/2025 29
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