Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Oktober'25 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
Die SKT produziert Laufrollen und Kugellager für die Möbelin- dustrie. Etwa 30 Prozent ihrer benötigten Teile erhält sie von Zu- lieferern. Zu diesen zählen seit sechs Jahren dieWerkstätten für Menschen mit Behinderung (WfbM) der Stiftung St. Franziskus in Heiligenbronn. Warum der Spezialist für Kugel- und Rollen- technik aus Tennenbronn die Zusammenarbeit mit den WfbM schätzt, erläutert Geschäftsführer Andreas Schwarzwälder. Herr Schwarzwälder: Wie ging das damals los? Wir haben 2019 aufgrund von Kapazitätsengpässen nach einer externen Montagemöglichkeit gesucht. Da uns die Leistungen und das Angebot derWfbM bekannt waren, habe ich mich direkt an sie gewandt. Danach ging es ganz schnell. Wie begann die Zusammenarbeit? Der erste Auftrag bestand aus einer einfachen Montagetätig- keit: Es ging um das Verpressen von Bolzen mit Rollen an einem montierten Laufwagen. Seitdem hat sich das Aufgabenspektrum erweitert: Heute gehören die Montage von Kugellagern und Schrauben samt Taumelnieten, das Sortieren und Kommissio- nieren sowie das Verpacken zum Leistungsumfang. Wie bewerten Sie das bisherige Miteinander? Die Zusammenarbeit ist zielführend, unkompliziert, partner- schaftlich und geprägt von technischem Verständnis sowie überdurchschnittlichen Standards in der Fertigung wie der Or- ganisation. Die geografische Nähe macht auch vieles einfacher. Spielt das „gute Gefühl“ eine Rolle, wenn man so einen Zu- lieferer hat? Das „gute Gefühl“ spielt generell eine wichtige Rolle bei all mei- nen Entscheidungen. Ich bin mir als Unternehmer meiner so- zialen Verpflichtung bewusst und fördere daher Menschen, die nicht so viel Glück hatten wie ich, gern gezielt. Ist ein Ausbau der Beziehungen denkbar? Wenn Bedarf besteht: natürlich und gern. „Das gute Gefühl spielt eine Rolle“ Andreas Schwarzwälder Zur Person Andreas Schwarzwälder ist Geschäftsführer der SKT Schwarzwälder Kugel- und Rollentechnik aus Tennenbronn. Kontaktadresse: info@skt-gmbh.de 07729/8870 ergänzt Mario Kunz. Er leitet die Montage-Arbeitsgruppen, ist Taub- blindenbeauftragter und kommuniziert bei Bedarf über das soge- nannte Lormen – eine taktile Kommunikationsform für Menschen mit Taubblindheit. Dabei werden bestimmte Punkte auf der Handfläche des Gegenübers gedrückt, die Buchstaben entsprechen. Inklusion ist ein großes Wort. Doch viele Unternehmen tun sich schwer damit, Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung zu schaf- fen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts liegt die Erwerbs- quote bei Menschen mit Behinderung bei lediglich 51,4 Prozent – im Vergleich zu 77 Prozent bei Menschen ohne Beeinträchtigung. Da- bei können Menschen mit Handicap einen echten Beitrag zum wirt- schaftlichen Erfolg leisten oder überhaupt spezielle Einrichtungen zurück ins Leben finden – wie in der WfbMder Seewerke in Konstanz, einem von drei Werkstatt-Standorten des Caritasverbands. Beschäf- tigt sind hier vor allemMenschen, die aufgrund von psychischen Er- krankungen wie Persönlichkeitsstörungen, Burnout oder Depression eine maßgebliche Behinderung entwickelt haben. Im ersten Stock betreiben die Seewerke eine Wäscherei, im zweiten ist die eigentliche Werkstätte mit verschiedenen Arbeitsbereichen. Hier werden Versandkartons für Stoßwellen-Therapiesysteme der MTS Medical AG gefaltet und beklebt. Das Medizintechnikunter- nehmen hat seinen Sitz gleich gegenüber. Diese Nähe habe dazu geführt, dass man sich kennengelernt habe, erinnert sich MTS-Vor- stand Benjamin Schullcke und lächelt. „Daraus entstand ein Auftrag.“ Ein Anfang muss gemacht werden Weil die Zusammenarbeit verlässlich und reibungslos funktioniert, kann sich Schullcke vorstellen, mehr Arbeiten an die WfbM abzuge- ben. „Das ist aufgrund der Komplexität unserer Produkte aber nicht so einfach“, sagt der Unternehmensleiter. Zusammen mit Standort- leiter Ludger Ferber-Thiel aber fand man dann doch Tätigkeiten, die Schrumpfmontage zum Beispiel. MTS stellt dafür das passende Werkzeug, die Einarbeitung übernehmen die Arbeitserzieher der Seewerke wie Katharina Riester. In aller Ruhe erläutert sie etwa Ro- Wirtschaft im Südwesten 10/2025 28
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