Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Oktober'25 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

„Letztlich mag es jeder Mensch, wenn sich sein Arbeit- geber um seine Gesundheit sorgt. Blaumacher aber werden diese Gesundheitsfördergespräche nie mögen.“ Personalexperte Manuel Fink über seine Methode zur Reduzierung ungeplanter Fehlzeiten Fehlzeiten aktiv managen Manuel Finks Methode und Strategie zur Reduzierung ungeplanter Fehlzeiten und zur Steigerung der Mitarbei- termotivation ist bei Haufe als Buch erschienen. 244 Seiten kosten 49,99 Euro Im Schwarzwald trinkt man preisbewusst. eine hohe Identifikation mit dem Unterneh- men, dem Chef und der Arbeitsaufgabe exis- tiert, werden das weniger sein. Als Regel gilt: Je größer das Unternehmen, desto weniger Bin- dung und desto mehr Blaumacher. Und diese Fälle gilt es, unbedingt zu identifizieren. Häufig spricht sich im Unternehmen herum, wenn je- mand lieber blau macht als für ein Event, die Fastnacht oder ein Sportereignis Urlaub zu nehmen. Wenn der Vorgesetzte das nicht ahn- den und es keine Konsequenzen gibt, frustriert das alle loyalen leistungstragenden und team- orientierten Kollegen. Was muss geschehen, um eine Trendumkehr einzuleiten? Wäre es ein Ansatz, die Lohn- fortzahlung einzuschränken und Karenztage einzuführen? Die Einführung eines Karenztages wäre ein schneller gesetzlicher Schritt, um die Unter- nehmensseite zu entlasten, ist jedoch zu kurz gedacht. DieGewerkschaften werden das nicht mitgehen. Sie werden die Lohnfortzahlung ab dem ersten Tag in Tarifverträge hineinverhan- deln. Das wäre ein nachhaltig kommunizierba- rer Verhandlungserfolg und der Markt wird im Kampf um Talente mitziehen „müssen“. Bei einer generellen Regelung werden außer- dem stets die bestraft, diewirklich erkrankt sind und Hilfe benötigen. Und Blaumacher, die trotz Arbeitsfähigkeit zu Hause bleiben, werden das zum Anlass nehmen, gleich die ganze Woche zu Hause zu bleiben, wenn sie den ersten Tag nicht bezahlt bekommen. Im Niedriglohnsektor, wo man sich einen Tag Entgeltausfall nicht leis- ten kann, kommt der Präsentismus hinzu: Wer trotz Arbeitsunfähigkeit zur Arbeit erscheint, ris- kiert Verschleppungen und gefährdet andere Mitarbeiter durch Ansteckungsgefahren. Was können Arbeitgeber dann tun? Sie können Fehlzeiten aktiv managen, und das mit größerem Erfolg als die meisten denken. Also die Mitarbeiter ansprechen, fragen, nachhaken. Ich fürchte: Das will nicht jeder… Richtig. Wir Menschen sind von Natur aus kon- fliktscheu. Jedoch geht es hier ja um konstruk- tive Konfliktlösungen. Es geht darum, betriebli- che oder persönliche Missstände aufzudecken und eine positive Veränderung herbeizuführen. Wie machen Sie das? Eher informell an der Kaffeemaschine, ganz offiziell im Konferenz- raum oder einfach mit einer Mail? Nicht per Mail. Dafür ist das Thema zu emotio- nal. Im persönlichen Gespräch gibt es viel wert- volleres Feedback und weniger Missverständ- nisse. Ob das Gespräch an der Kaffeemaschine, am Parkplatz oder als offizielles Gesundheits- fördergespräch im Konferenzraum stattfindet, liegt daran, ob die Fehlzeiten der Mitarbeiter Auffälligkeiten aufweisen. Wer zum ersten Mal krank ist, wird eine informelle Atmosphäre mit wenig Aufwand zu schätzen wissen, wenn man ihn am Kaffeeautomaten anspricht und sagt: Mir ist aufgefallen, dass du gefehlt hast. Schön, dass du wieder da bist. Hatte die Abwesenheit etwas mit dem Betrieb oder der Arbeitsaufgabe zu tun? Gibt es andere Gründe? Kann ich dich unterstützen oder brauchst du etwas? Wer Mitarbeiter laufend nach demGrund für eine Krankschreibung fragt – der gilt schnell als toxischer Chef. Als einer, der nicht ver- traut. Wie gehen Sie damit um? Zum einen ist es rechtlich unzulässig nach dem Grund zu fragen. Aber man kann fragen: „Hatte die Abwesenheit etwas mit dem Unternehmen oder der Arbeit zu tun?“ und: „Kann ich etwas tun und unterstützen?“ Denn es geht immer um das Aufdecken von Missständen und um eine Win-win Lösung. Wenn die Fragen und das Ge- spräch authentisch geführt werden, werden dies vor allem die Leistungsträger schätzen und sich gehört fühlen. Letztlich mag es jeder Mensch, wenn sein Arbeitgeber sich um seine Gesundheit sorgt. Blaumacher dagegen wer- den diese Gespräche nie mögen und immer etwas Negatives unterstellen. Das muss man akzeptieren. Wirtschaft im Südwesten 10/2025 20

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