Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Oktober'25 - Hochrhein-Bodensee

Vorteile und Herausforderungen Menschen unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer einfach. „Je früher damit begonnen wird, desto besser“, sagt Alexandra Thoß. Sie leitet das Geschäftsfeld Ausbildung bei der IHK Hochrhein-Bodensee: „Gerade wenn es um verschiedene Kulturen oder Backgrounds geht, kann das viele Vorteile mit sich bringen – man muss sich auf andere einstellen und ler- nen, Rücksicht zu nehmen. Da geht es in erster Linie um gegenseitigen Respekt.“ Für die Aus- bildungsexpertin ist das persönlichkeitsbildend und fördert das Demokratieverständnis: „Diver- sität führt auch oft zu einem besseren Betriebs- klima!“ Doch wo Sonne ist, gibt es auch Schatten. Gerade, wenn es sich um internationale Viel- falt dreht: „Die sprachlichen Hürden sind oft und gerade in der Berufstheorie – also in der Berufsschule und bei den Prüfungen – ein Pro- blem.“ Das belaste sowohl die Auszubildenden als auch das Lehrpersonal, weiß Alexandra Thoß: Denn die jungen Menschen starten mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen in die Ausbildung. „Da kann es vorkommen, dass Azubis mit Abitur neben solchen sitzen, die erst hier in Deutschland alphabetisiert wurden.“ Diese Gruppe unter einen Hut zu bringen, sei manchmal eine Herkulesaufgabe. Umso wichtiger sei es, die Gemeinsamkeiten in den Mittelpunkt zu rücken – oder eine Basis zu finden. Von McDonald‘s lernen Um das Rössle zukunftssicher zu machen, set- zen Alexander Maier, seine Frau Narnia und das Leitungsteam unter anderem auf Elemente der Systemgastronomie, wenn es um das Anlernen oder die Ausbildung geht. Den Gedanken dazu hatte Maiers Vater. „Er war immer begeistert von McDonald‘s und Burger King.“ Nicht von den Speisen oder demAmbiente, sondern vom Systemdahinter. „Die haben uns etwas voraus!“ Der Grundgedanke beim Personal: Nach drei Wochen Schulung und Zuschauen bringt eine Kraft schon etwas ein, weil sie erste Arbeiten allein übernehmen kann. Aus der Idee wurde ein Konzept: „Dann haben wir das System in der Küche vor acht Jahren komplett auf links ge- dreht.“ Für die Mitarbeiter heißt das: Sie über- nehmen rasch Verantwortung und werden Teil des Teams. Das Grundgerüst für das Arbeiten im Rössle bildet ein kleines Handbuch. Alle, die im Todt- mooser Wellness-Hotel als Arbeitskraft begin- nen, erhalten es. Neben Informationen zum Hotel, dem Gelände und allen Ansprechpart- nern, werden hier auch Regeln kommuniziert. Im Rössle-Knigge heißt es an erster Stelle: „Wir sagen ‚Bitte‘ und ‚Danke‘.“ Ebenfalls festgehal- ten wird, dass die Umgangssprache sowohl im Gastbereich als auch in der Küche oder den Aufenthaltsräumen Deutsch ist. „Ich verlange von keinem, dass er Grammatikexperte ist, denn das bin ich vom Dialekt her selber nicht. Aber man muss sich so weit auf Deutsch verstän- digen können, dass man vermitteln kann, was man möchte beziehungsweise versteht, was andere möchten.“ Das funktioniert und scheint positiv zu fruchten. Younes El Harch hat mitt- lerweile begonnen, Alemannisch zu lernen, um noch näher an den Gästen zu sein. Vielfalt hat Vorteile: „Diversität führt auch oft zu einem besseren Betriebsklima“, sagt IHK-Ausbildungs- expertin Alexandra Thoß. Doch es sei wichtig, eine Basis zu finden. Zum Beispiel Sprache. Mit Vielfalt nach vorne: Alec Klett ist Fleischereifachverkäufer bei Hieber (oben), Joie Anne Findrama (unten links) macht ihre Ausbildung im Rössle, wo Younes El Harch inzwischen Chef de Rang ist. Fotos: Patrick Merck; Anna Glad; Hochschwarzwald Tourismus GmbH_Dell; Adobe Stock/contrastwekstatt; Patrick Merck „Man braucht als Unternehmen einen eigenen Wertekanon. In ihm müssen sich alle wiederfinden.“ Karsten Pabst, Hieber Hochrhein-Bodensee 10/2025 38

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