Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe September'25 -Südlicher Oberrhein
Die neue Strom- und Drangzeit Viele Unternehmen setzen auf eigene Stromerzeugung für günstigen und sauberen Strom. Die Pläne reichen von PV-Anlagen bis zu eigenen Windrädern. Aber lohnt sich das? Energiewende Foto: E-Werk Mittelbaden/Dimitri Dell Photography Wirtschaft im Südwesten 9/2025 07 D ie Energiewende in Deutschland ist am Horizont sichtbar. Windräder ragen vie- lerorts in den Himmel, drehen sich mit sanftem Flupp, Flupp im Luftstrom. Immer mehr Dach- und Freiflächen werden für Solarstrom genutzt. Dennoch ist die Stimmung getrübt – denn Strom ist in Deutschland im internatio- nalen Vergleich teuer. In den USA, Indien oder China liegt der Strompreis um die acht Cent pro Kilowattstunde. Hierzulande müssen Unter- nehmen mit etwa 18 Cent deutlich mehr zah- len. Auch im europäischen Vergleich sind die deutschen Stromkosten zu hoch. „Dieses Geld fehlt an anderer Stelle, nicht zuletzt bei den In- vestitionen in die Transformation der Industrie“, sagte Achim Dercks, stellvertretender Haupt- geschäftsführer der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), bei der Vorstellung des bundesweiten IHK-Energiewende-Barometers. 3600Unternehmen über Branchen und Regio- nen hinweg beteiligten sich 2025 an der Um- frage. Ergebnis: 41 Prozent aller Unternehmen und 63 Prozent der Industriebetriebe sehen sich durch Deutschlands hohe Energiepreise gegenüber ihren internationalen Konkurrenten benachteiligt. Viele schränken (auch deshalb) ihre Produktion im Inland ein. Dass die Bun- desregierung kürzlich Stromsteuersenkungen für Industriebetriebe und Landwirtschaft be- schlossen hat – ein zu schwaches Signal? Skepsis und Verunsicherung gegenüber der Energiewende Das Energiewende-Barometer macht deut- lich: Viele Betriebe in Deutschland stehen der Energiewende in ihrer jetzigen Ausgestaltung skeptisch gegenüber. 36 Prozent beurteilen die Auswirkungen auf die eigene Wettbewerbsfä- higkeit negativ, nur jeder vierte positiv. Achim Dercks: „Hohe Kosten, untragbare Bürokratie und die insgesamt herausforderndewirtschaft- liche Situation führen dazu, dass weniger Kapa- zitäten und finanzielleMittel für Klimaschutz zur Verfügung stehen.“ Viele Industrieunterneh- men verließen schrittweise den Standort, große Industriebetriebe sogar immer schneller. Doch das Energiewende-Barometer zeigt auch: DieMehrheit der Betriebe steht hinter dem Ziel der Klimaneutralität. VieleUnternehmen setzen sich eigene Ziele: Die Allermeisten möchten bis Windkraft im Schwarzwald Die Windkraftnutzung in Baden-Württemberg nimmt zu: 2010 waren es 353 Anlagen mit 462 Megawatt (MW) Leistung, aktuell sind es 788 Anlagen mit 1875 MWGesamtleistung. Weitere 147 Windenergieanlagen sind genehmigt.
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