Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe September'25 -Südlicher Oberrhein

TAGEN Aurelia.indd 1 14.08.2025 12:41:10 urelia 45 x 264.indd 1 18.08.2025 10:12:56 Aber ein Geheimrezept für eine funktionierende Innenstadt? Das gibt es nicht. Nur einige Zutaten sind gesetzt: Omnichannel-Konzepte, nachhalti- ge und lokale Waren, individuelle Beratung und ein Einkaufserlebnis, das über die bloße Produkt- präsentation hinausgeht. „Inszenierungen, Events, spannende Kooperationen, individuelle Beratung und exzellenter Servicewerden künftig noch wich- tiger“, betont Sabine Hagmann. Gleichzeitig rät sie Händlern, digitale Werkzeuge und KI aktiv zu nut- zen – mit eigener Webpräsenz, Social-Media-Akti- vitäten oder Click-&-Collect-Angeboten. Outlets und Online-Shop Das Modehaus Zinser macht vor, wie es geht. Das seit 147 Jahren in der Region verwurzelte Familien- unternehmen betreibt acht Standorte: am Firmen- stammsitz in Tübingen, in Herrenberg, Reutlingen und Bad Mergentheim sowie in Offenburg, Lahr, Singen und Villingen-Schwenningen. Alles zusam- men: 46000 Quadratmeter. Dazu kommen zwei Outlets und ein Online-Shop. 2024 verzeichnete das Modeunternehmen rund 95 Millionen Euro Umsatz, erst kürzlich wurde es mit dem Handels- preis der Sparkassen-Finanzgruppe ausgezeich- net. „Bei unseren Kunden ist der Wunsch nach mehr Erlebnis, Qualität, persönlicher Beratung und Begegnung deutlich gestiegen“, bestätigt Chris- tian Klemp, Sprecher der Geschäftsführung. In den Häusern gibt es Ruhezonen, WLAN, Getränke – und Wohlfühlatmosphäre. Events und private Shop- pingtermine sorgen für Kundenbindung. Gleich- zeitig sind laut Klemp die Kunden deutlich digitaler geworden: „Weil wir alle weniger Zeit haben, wollen wir uns online informieren und gezielt einkaufen. Deswegen betrachten wir unseren Online-Shop als Service am Kunden.“ Ein Newsletter und bald auchWhatsapp als Kommunikationsmittel gehören dazu. Klemp: „Ich glaube fest an die Innenstädte. Sie sind Orte der Begegnung und des Handels, das war schon immer so und wird auch so bleiben. Aber wir müssen etwas dafür tun!“ Doch nicht nur Händler sind gefordert, wenn es um den Erhalt der Innenstädte geht. Auch die Politik muss handeln – auf Landes- und kommunaler Ebe- ne, fordert der Handelsverband. Somüssten Innen- städte auch weiterhin mit demAuto erreichbar sein – gerade im Flächenland Baden-Württemberg von großer Bedeutung. Dazu kommen Forderungen nach mehr Aufenthaltsqualität, Sicherheit und Sau- berkeit. Mehr Flexibilität bei den Ladenöffnungs- zeiten auch mit Blick auf verkaufsoffene Sonntage, verbesserte finanzielle Rahmenbedingungen für Investitionen und Nachfolgelösungen im Handel sowie eine klare Unterstützung von Initiativen zur Belebung der Stadtzentren nennt Sabine Hagmann ebenfalls. „Denn nur wenn alle Beteiligten – Politik, Verwaltung, Händler und Bürger – gemeinsam an einem Strang ziehen, bleibt die Innenstadt ein le- bendiger und attraktiver Ort.“ Daniela Santo Starkes Plus: Persönliche Beratung wie hier bei Mode Zinser gibt es nur vor Ort. Auf der anderen Seite ist der Einkauf mit dem Handy vom Sofa aus verlockend bequem und retournieren oft sehr einfach. Zukunft des Einzelhandels Stillstand kann sich der Handel nicht leisten. Wer erfolgreich sein will, muss sowohl physisch als auch digital erreichbar sein. Zu die- sem Ergebnis kommen mehrere Studien, mehr dazu auf unserer Homepage: Foto: Modehaus Zinser Wirtschaft im Südwesten 9/20 5 56

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