Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe September'25 -Südlicher Oberrhein
Wirtschaft im Südwesten 9/2025 54 jedem Laden spürbar sein!“ Wie das geht, zeigt Elzach. In der 7500-Einwohner-Stadt haben Koch und Meyer den Gewerbeverein umge- krempelt, aus 80 Mitgliedern binnen kürzester Zeit 130 gemacht und den Schwarzwald-Hei- mat-Markt initiiert. Kein bisschen altbacken, sondern ein modernes Event. Sehr stylish, mit vielen Ausstellern und tausenden von Besu- chern aus ganz Deutschland. Das Wahrzeichen des Marktes ist ein pinker Hirsch, der zum in- offiziellen Wappentier von Elzach geworden ist - vomMetzger, der sein Hirschgulasch in Dosen mit pinkem Hirsch drauf verkauft, bis zur Fahne am Privathaus. Identifikation pur, ob beim Jung- unternehmer oder dem alteingesessenen Gas- tronomen. Die Elzacher ziehen an einemStrang – mit großem Erfolg und Außenwirkung. Dass man gemeinsam mehr erreichen kann, davon ist man auch in Gengenbach überzeugt. In der für ihre schmucke Altstadt und den welt- größten Adventskalender bekannten Stadt im Ortenaukreis haben sich der Gewerbe- und Handwerkerverein sowie das AktionsteamGen- genbach vor wenigen Wochen zusammenge- tan. Als Gewerbe- und Handwerkerverein wird man künftig zusammen und erstarkt das Ziel verfolgen, das schon immer das gleiche war: die Belebung der Innenstadt. Wie gut das funk- tioniert, hat die Ladies Night 2024 gezeigt, die statt wie früher nur auf demMarktplatz, erstmals in der ganzen Stadt stattfand. Mehr als doppelt so viele Besucher tummelten sich laut Stadt- verwaltung in den Geschäften und Straßen. Gemeinsam geht mehr „Innenstadt geht nur gemeinsam. Das ist eine Erkenntnis aus der Zeit der Corona-Pandemie. Wo der Schulterschluss zwischen Gastgewer- be, Einzelhandel und Dienstleistungssektor stark ist, gelingt mehr: weil es mehr Akteure, mehr Ideen und mehr Vielfalt gibt“, weiß Phil- ipp Hilsenbek, Innenstadtberater bei der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg. Gewerbevereine stehen für diese Vielfalt und sorgen dafür, dass der lokale Handel eine starke Stimme hat. Wie sehr eine Stadt von einem aktiven Gewer- beverein profitieren kann, zeigt Haslach im Kinzigtal. Über 100 Markttage im Jahr machen die Stadt seit dem Mittelalter zur Handelsdreh- scheibe – und das hat sich bis heute nicht geändert. Ob Wochen-, Bauern- oder Weih- nachtsmarkt, Flohmarkt oder Kleintierbörse: Die Stadt lebt. VomAussterben kaum eine Spur: gut sortierter Einzelhandel, Bäcker, Metzger, Gast- ronomie – alle organisiert in einem sehr aktiven Gewerbeverein. 140 Mitglieder zählt der Han- dels- und Gewerbeverein Haslach (HGH), der für jede Menge Aktionen sorgt, die den Handel stärken: „Fünf Gutscheinaktionen anlässlich der großen Haslacher Jahrmärkte, zwei Late- Night-Shoppings, drei verkaufsoffene Sonnta- ge, Schnäppchentage, Schulanfänger-Aktion und vieles mehr“, zählt Geschäftsführer Martin Schwendemann auf. Neu seit 2024: der Kulina- rische Weihnachtsmarkt in der Altstadt. Veran- stalter war die Stadt Haslach, die für finanzielle Sicherheit sorgte. „Organisatorisch und per- sonell war die Veranstaltung ein echtes Joint Venture zwischen Kommune und HGH“, sagt Schwendemann. Ein leuchtendes Beispiel für eine funktionierende Standortgemeinschaft. Auch in Radolfzell wird die Innenstadt nicht sich selbst überlassen. Hier arbeitet der Ge- werbeverein eng mit Tourismus- und Stadt- marketing zusammen. „Wir zeigen, dass durch gemeinschaftliches Engagement und kreative Konzepte das Aussterben der Innenstadt ver- Wolfgang Koch ist nicht nur Buchhändler und Citymanager, er ist außerdem der krea- tive Kopf der Agentur Meyer und Koch. Er entwickelt Konzepte für Städte und Ver- eine und konzipiert Veranstaltungen. Sabine Hagmann, Handelsverband-Hauptgeschäftsführerin „Innenstädte sind mehr als nur Einkaufsorte. Sie sind soziale Treffpunkte und Identifikationsräume.“
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