Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe September'25 -Südlicher Oberrhein
Wirtschaft im Südwesten 9/2025 25 Energiewende - alles, was Recht ist Ob Power Purchase Agreement, Lastspitzenmanagement oder Energy-Sharing: Moderne Energieversorgungskonzepte bieten gerade für Mittelständler eine ganze Reihe neuer Möglichkeiten – wenn man’s richtig anstellt, sagt unser Autor. Energieversorgung als Wettbewerbsvorteil Peter Meisenbacher Unser Autor ist Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Energie- recht in der Kanzlei Advant Beiten Freiburg. G anz egal, in welcher Rolle man sich in der Wert- schöpfungskette der Energieversorgung befin- det – bei einem Blick auf das Thema Energie- wende fängt so mancher an, sich die Haare zu raufen. Zu teuer, zu komplex, zu bürokratisch, zu schnell oder auch zu langsam, zu viel Rechtsunsicherheit, zu viele Nachteile für dieWirtschaft. Von der gefürchteten Dunkelflaute gar nicht erst zu sprechen… Und ja – die Energiewende ist ein hochkomplexes Unter- fangen, insbesondere mit Blick auf die dynamischen rechtlichen Rahmenbedingungen. Bringen diese Her- ausforderungen aber ausschließlich Risiken und Ärger mit sich oder bieten sie für Unternehmen auch Chancen? Fakt ist: Die Elektrifizierung der Sektoren Industrie, Ver- kehr und Gebäude schreitet voran und damit der Bedarf an Strom. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass die zusätzlich stattfindende Entwicklung von KI den welt- weiten Strombedarf bis 2030 verdoppeln wird. Längst denken daher immer mehr Betriebe über neue Wege ihrer Energieversorgung nach, auch wenn ihr Kerngeschäft ein ganz anderes sein mag. Themen wie die Unabhängigkeit von volatilen Energiepreisen (auch in geopolitisch unsicheren Zeiten) treten in den Fokus. Der Schlüssel dazu liegt in der strategischen Eigenversor- gung, intelligenten Strombezugsmodellen und der Nut- zung bisher ungenutzter Energiequellen wie Abwärme. Dezentrale Eigenversorgung als Chance Photovoltaik (PV) ist inzwischen ein zentraler Baustein der eigenen Energieversorgung. Im sonnenverwöhnten Oberrheingebiet sind die Bedingungen ideal. Zahlreiche Gewerbeimmobilien verfügen über große Dachflächen, manche Betriebe verfügen sogar über bislang brach lie- gende Grundstücke, auf denen Freiflächen-PV-Anlagen errichtet werden könnten – ein ungenutztes Potenzial. Die Investitionen amortisieren sich häufig bereits nach wenigen Jahren. Interessant sind auch Mieterstrommo- delle oder das mit der anstehenden Novellierung des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) geplante „Energy- Sharing“ mit benachbarten Betrieben. Die damit einher- gehenden Fördermöglichkeiten sowie steuerlichen Er- leichterungen bieten zusätzliche Anreize, sofern rechtlich alles korrekt umgesetzt wird. Speicherlösungen: flexibel und netzunabhängig Eigenerzeugung durch PV allein macht ein Unternehmen allerdings noch nicht unabhängig, insbesondere, da der Strom nicht rund um die Uhr verfügbar ist. Hier kommen Batteriespeicher ins Spiel. Sie ermöglichen es, über- schüssig verfügbaren Strom zwischenzuspeichern und dann zu nutzen, wenn er gebraucht wird. Moderne Speicherlösungen machen den Eigenver- brauch von Unternehmen planbarer, reduzieren Lastspit- zen und eröffnen sogar neue Erlösquellen, etwa durch Teilnahme am Regelenergiemarkt. Für produzierende Unternehmen mit hohem Strombedarf kann das ein ech- ter Wettbewerbsvorteil sein. Die rechtlichen Rahmen- bedingungen für BESS-Lösungen entwickeln sich für Unternehmen aktuell zum Positiven, nicht zuletzt durch entsprechende Vorgaben der EU-Kommission. Strom clever einkaufen: PPA und Beteiligungen Nicht jedes Unternehmen kann oder will in eigene Ener- gieversorgungsanlagen investieren. Viele können jedoch trotzdem ihren Strombezug strategisch gestalten. Beson- ders interessant sind langfristige Stromlieferverträge aus erneuerbaren Energien, sogenannte Power Purchase Agreements (PPA). Sie bieten unabhängig von Entwick- lungen an der Strombörse Preisstabilität. PPA sind auch für mittelständische Unternehmen interessant, vor allem in Verbindung mit regionalen Projektentwicklern. Denk- bar ist auch die Beteiligung an Wind- oder Solarparks. Ein Investment, das nicht nur Rendite bringt, sondern die Versorgung langfristig absichert und die Wahrnehmung als nachhaltiges Unternehmen steigern kann. Fazit: Chancen erkennen – und nutzen Für Unternehmen bietet die Energiewende trotz aller He- rausforderungen konkrete wirtschaftliche Chancen. PV- Anlagen, Speicher, PPA und Wärmerückgewinnung sind bereits heutewirtschaftlich umsetzbareModelle. Gleich- zeitig stärken sie die regionale Wertschöpfung und ma- chen Betriebe widerstandsfähiger gegen Preisschocks oder Versorgungskrisen. Neben der technischen Um- setzung sollten rechtliche und steuerliche Aspekte sorg- fältig geprüft werden. Nur so lässt sich das volle Potenzial heben und Risiken minimieren. Diskutieren Sie mit unserem Autor auf LinkedIn weiter. Foto: Advant Beiten
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