Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe September'25 -Südlicher Oberrhein

Großer Energiebedarf Die Bodenseetherme mit ihren Schwimmbecken, Saunabereichen und Ruheräumen: einer der Pionier- kunden für die Seethermie Wirtschaft im Südwesten 9/2025 22 Fotos: Bädergesellschaft Konstanz; Stadtwerke Konstanz entwickler Solarcomplex. Alle wesentlichen rechtlichen und faktischen Hürden seien ge- nommen, Wärmelieferverträge für 373 Haus- anschlüsse unter Dach und Fach. Man warte „nur noch“ auf den Förderbescheid durch das Bundesförderprogramm effiziente Wärmenet- ze (BEW). „Sobald der vorliegt, setzen wir einen Termin für den Spatenstich fest“, erklärt Müller. „Ich hoffe: noch diesen Herbst.“ 25 Millionen Euro für 373 Hausanschlüsse Für das 25-Millionen-Euro-Vorhaben ist er ei- nen weiten Weg gegangen: Mit der Konstanzer Stadtverwaltung wurde eineWegenutzung ver- einbart (um die Leitungen verlegen zu dürfen), Anwohner (zugleich mögliche Kunden) wurden per Infoveranstaltung unterrichtet, Geneh- migungsanträge gestellt („sage und schreibe sechs“, so Müller), dazu das Bebauungsplan- verfahren der Stadt für einen Solarpark, der Strom für die Heizzentrale liefern wird. Derartige Projekte zu stemmen, ist für Müllers 85-Mann-Firma kein Neuland. In rund 20 Ge- meinden hat Solarcomplex schon Wärmenet- ze geplant und installiert. Die Energie stammt dabei meist aus Biogas und Solarthermie. Nun also der Bodensee als Wärmepuffer – ein wei- terer Baustein im kleinteiligen Mosaik der Ener- giewende. Nötig ist all das, weil es in der Rallye um das Er- reichen der Klimaziele in Deutschland im Ver- kehrssektor wie bei der Wärme hapert. Lag der Anteil der erneuerbaren Energien im Strom- sektor 2024 laut Umweltbundesamt bei rund 55 Prozent, so hinken der Verkehr mit sieben Prozent, aber auch der Verbrauch bei Wärme- und Kälteenergie mit 18 Prozent stark hinterher. Seethermie statt Erdgas: ein langer Weg In Konstanz, der mit 87000 Einwohnern größ- ten Stadt am See, wird der 820 Gigawattstun- den große Wärmebedarf noch zu fast zwei Dritteln aus Erdgas gedeckt. Mit einem Mix aus alternativen Quellen wollen das die Stadtwerke Konstanz mit ihren 983 Mitarbeitern und zuletzt 234 Millionen Euro Umsatz ändern. Dazu zählt neben der Abwärme aus der städtischen Klär- anlage und aus einer elf Kilometer entfernten Müllverwertungsanlage im schweizerischen Weinfelden auch Energie aus demSee. Studien haben gezeigt, in welchen Stadtteilen das Po- tenzial besonders gut zum Bedarf passt – dem von Privathaushalten, aber auch von Großab- nehmern wie der Bodensee-Therme, einer Kli- nik und einer Seniorenresidenz. Das alles bedeutet viel Arbeit. Um Wärmelei- tungen zu verlegen, buddelt man Straßen auf, verlegt mannsdick gedämmte Rohre und teert wieder zu. Ohne Ingenieurskunst und Know- how in Sachen Finanzierung und Vermarktung kommt man nicht weit. Während in Dingelsdorf und Wallhausen mit Solarcomplex ein erfahre- ner Projektentwickler (Jahresumsatz: rund 30 Millionen Euro) am Werk ist, haben die Stadt- werke für den Wärmeverbund rund um die Bodensee-Therme Iqony Energies aus Saar- brücken als Partner im Boot. Ende Mai gab der Konstanzer Gemeinderat hierfür grünes Licht. „Wärmeversorgung Bodensee-Therme GmbH“ soll das gemeinsame Baby heißen. Gordon Appel, Stadtwerke Konstanz „Bei positivem Projektverlauf kann der Bau unseres Wärmeverbunds 2028 beginnen.“

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