Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe September'25 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
„Aber um welchen Preis?“ Die Zolleinigung zwischen den USA und der EU kommt bei Unternehmen der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg nicht gut an. Ein Zwischenbericht aus dem Hegau und dem Neckartal. Mittelstand im Zoll-Wirr-Warr E U-Präsidentin Ursula von der Leyen und US-Präsident Donald Trump haben sich bei ihren Verhandlungen darauf ver- ständigt, auf die meisten Industrieprodukte in Zukunft einen pauschalen Zollsatz von 15 Pro- zent zu erheben. Ein Kompromiss, der den Han- delsstreit zwischen der EU und den USA zwar vorläufig beendet, aber neue Belastungen für die Unternehmen mit sich bringt. Klare Worte findet deshalb Bernd Seemann, Vorsitzender des Außenwirtschaftsausschus- ses der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg, zum Verhandlungsergebnis: „Ich wundere mich, wie die EU diesen Deal als Erfolg feiern kann. Man hat für europäische Unternehmen einen Han- delskrieg abgewendet, man hat Planungssi- cherheit und Zollfreiheit für wenige IT-Produk- te, für Chemikalien und Rohstoffe geschaffen – aber umwelchen Preis?“ Zollpolitik trifft Industrieregion Allein in der Region Schwarzwald-Baar-Heu- berg haben mehr als 440 Unternehmen Wirt- schaftsbeziehungen zum US-Markt. Das sind rund 30 Prozent aller regionalen Unternehmen, die Auslandsgeschäfte betreiben. Zu ihnen ge- hört Zeiser in Emmingen-Liptingen. Das Unter- nehmen ist Spezialist für den Banknoten- und Sicherheitsdruck und liefert als weltweit füh- render Anbieter auf diesem Gebiet auch in die USA. „Ich finde es unglaublich, was Amerika da macht, wie es der Welt seinen Willen aufzwingt. Und ich finde, dass die EU-Kommission nicht so gut verhandelt hat, denn der EU-Markt ist ge- nauso groß oder sogar größer als der US-Markt. Das Ergebnis ist keine partnerschaftliche Ver- einbarung“, so Geschäftsführer Thorsten Trit- schler. Wenn man die Dienstleistungen mit einbezie- he, sei das Handelsdefizit der USA gar nicht so groß: „Es ist für mich unverständlich, warum man das nicht offensiver kommuniziert in Rich- tung US-Regierung.“ Direkte Auswirkungen auf sein Geschäft erwartet Tritschler nicht, aber in- direkte: „Wir sind in einer glücklichen Lage, weil wir in einer speziellen Nische unterwegs sind, in der wir eine relativ kleine Konkurrenzsituation haben.“ Wenn diese Zölle kommen, leide der Kunde in den USA, denn er müsse sie bezahlen. „Unser Problem ist, dass es zu Verzögerungen kommt. Wir hatten klare Projekte für dieses Jahr, die jetzt erst einmal on hold sind.“ Ebenso pro- blematisch: Die Unsicherheit, dass man länger als sechs Monaten nicht planen könne. Dreher und die verunsicherten Kunden Ein vergleichbares Lagebild liefert Automatic- Sicher in der Nische Zeiser-Chef Thorsten Tritschler sieht Europas Zoll-Deal kritisch – auch wenn sein Business wenig tangiert ist. Schwarzwald-Baar-Heuberg 40
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