Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe September'25 - Hochrhein-Bodensee
E in künstliches Knie aus dem Drucker? Eine passgenaue Knochenplatte fürs gebrochene Bein? Ein Bauteil für Luxus- autos auf Knopfdruck? Science-Fiction ist das längst nicht mehr. Im Gegenteil. In der Medi- zintechnik, im Maschinenbau, in der Luft- und Raumfahrt oder bei Autoherstellern wie Bugatti oder BMW entstehen heute hochpräzise und sehr leichte Bauteile, die mit klassischen Ver- fahren kaum oder gar nicht herstellbar wären. Und trotzdem: In vielen mittelständischen Unternehmen hierzulande ist die Technologie noch kaum angekommen. „Dabei steckt im 3D- Metalldruck so viel Potenzial, vor allem, wenn es um die Produktion von Kleinserien geht“, sagt Thomas Viebrans. Er war über 30 Jahre selbst- ständiger Unternehmer und arbeitete bereits mit 3D-Druck, bevor die Technologie den meis- ten Menschen überhaupt ein Begri war. In seinem Unternehmen, VMR in Mönchweiler, fertigte er alles von der klassischen Zerspa- nung über den Werkzeugbau bis hin zur Kunst- sto verarbeitung. 2014 hat VMR das Produkt- programm um den Bereich Metall-3D-Druck erweitert. „Wir waren einer der ersten Dienst- leister im Südwesten, der dieses Verfahren an- bieten konnte.“ In den vergangenen acht Jah- ren in seinemUnternehmen (danach verkaufte er VMR) investierte er mehr als fünf Millionen Euro in Metall-3D-Drucker – mit Erfolg. Wenig später gründete Viebrans, der sich mit 58 noch nicht ganz aus dem Berufsleben zurückziehen wollte, mit V-Concepts ein Schulungszent- rum in Villingen, um sein Know-how in Sachen 3D-Metalldruck weiterzugeben. Denn genau daran mangele es in Deutsch- land: „Die Technologie ist hochkomplex. Viele Unternehmen wissen gar nicht, was technisch möglich ist – oder was sie dafür brauchen“, so Viebrans. CNC-Fräsen kennt jeder, doch der Metall-3D-Druck sei eine ganz andere Liga. Fehlendes Wissen gepaart mit typisch deut- scher Skepsis bremse die Entwicklung. „Die USA und China sind uns da um hunderte Pro- zent voraus.“ An seinem 3D-Drucker aus dem Hause Trumpf bringt er Unternehmern, Ingeni- euren, Entwicklern, Konstrukteuren und Fach- arbeitern nicht nur die Technologie nahe, son- dern auch deren Wertschöpfung und Nutzen. Wie funktioniert Metall-3D-Druck? Beim Metall-3D-Druck, also der additiven Metallfertigung, wird Material nicht wie beim Fräsen weggenommen, sondern Schicht für Schicht aufgebaut. „Man stellt sich das am besten vor wie ein Laserdrucker, der statt Tinte Metallpulver verwendet“, erklärt Viebrans. Das Pulver wird auf einer Substratplatte verteilt und mittels Laser gemäß den Konstruktionsdaten verschweißt. Nach jedem Schweißvorgang wird die Substratplatte ein Stück nach unten gesetzt, die neue Schicht aufgetragen und ver- schmolzen – und das in Formen, die mit kon- ventionellen Verfahren teils unmöglich wären. Ein Riesenvorteil: Die Bauteile können innen Gedruckte Präzision: Das Flügelrad ist innen hohl und damit kühlbar – per herkömmlicher Her- stellung kaum möglich. Drucken statt fräsen Der 3D-Metalldruck erö net auch dem Mittelstand im Südwesten neue Möglichkeiten, sagt Thomas Viebrans. Man muss sich nur trauen, diese neue Welt erkunden zu wollen… Additive Metallfertigung Fotos: V-Concepts Wirtschaft im Südwesten 9/2025 76
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