Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe September'25 - Hochrhein-Bodensee
52 Wie die Citys Zukunft haben Raue Zeiten für Innenstädte, doch der Handel gibt nicht auf. Überall stemmen sich engagierte Gewerbevereine, kreative Händler und mutige Kommunen gegen Leerstand und Rückgang. Mit Events, starken Gemeinschaften und frischen Ideen zeigen sie: Die City hat Zukunft – man muss sie nur gestalten. Handel im Wandel A m Sonntag ist die Welt noch in Ord- nung. Zumindest hier in Elzach beim Schwarzwald-Heimat-Markt. Fashion- begeisterte und Schwarzwaldfans tummeln sich in der Altstadt. Zeitweise gibt es kaum ein Durchkommen, auch in den Geschäften nicht. Am Montag sieht es schon wieder anders. Die Straßen sind deutlich leerer. Wie in anderen Städten, wo die Lage – ganz im Gegensatz zu Elzach – teils erschreckend ist. Denn wo früher Schaufenster zum Bummeln eingeladen ha- ben, hängen heute immer öfter „Zu vermieten“- Schilder. Die Fußgängerzone hat an Flair ver- loren, der klassische Einkaufsbummel scheint aus der Mode zu kommen. Hat die Innenstadt als lebendiger Mittelpunkt ausgedient? Eine berechtigte Frage, sagt Sabine Hagmann, Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands Baden-Württemberg in Stuttgart. Der Struktur- wandel im Handel, beschleunigt durch die Co- rona-Pandemie, hat tiefe Spuren hinterlassen. Viele Einzelhandelsunternehmen kämpfen mit sinkenden Umsätzen und Frequenzen in den Stadtzentren. „2020 ist die Kundenfrequenz gegenüber dem Vorkrisenniveau um mehr als 30 Prozent gesunken – und sie hat sich bis heu- te nicht vollständig erholt.“ Die Ursache sieht Hagmann aber nicht nur im Onlinehandel. In vielen kleineren Städten fehle es an stimmigen Konzepten, umdemStrukturwandel aktiv zu be- gegnen. Stattdessen: hohe Mieten und starre Nutzungskonzepte für Immobilien, viel Bürokra- tie und (kommunale) Regelungswut; schlechte Erreichbarkeiten der Geschäfte sowie man- gelnde Aufenthaltsqualität tragen ebenfalls dazu bei, dass Innenstädte an Lebendigkeit verlieren. „Wer einfach abwartet, der verliert“ Doch die Lage ist nicht hoffnungslos – im Ge- genteil. „Innenstadtsterben muss nicht sein. Doch wer einfach nur abwartet, verliert“, sagt Wolfgang Koch, der zusammen mit MarcoMey- er die Agentur Meyer und Koch in Endingen führt. Ihr Fachgebiet: Strategieentwicklung, insbesondere bei der Neuausrichtung von klei- neren Städten und der Professionalisierung von Gewerbevereinen. Ihrer Erfahrung nach muss die Devise lauten: Aktivität entwickeln! Gemeinderat, Bürgermeis- ter, Gewerbetreibende – nur wenn alle mitzie- hen und Geld in die Hand nehmen, kann sich etwas bewegen. Dass nicht allein der Online- handel der Hauptfeind des Einzelhandels ist, sondern die Probleme oft hausgemacht sind, zeigt auch ihre Erfahrung: „Wir stellen immer wieder fest, dass es den Händlern wie den Kom- munen schlicht an Fantasie fehlt, um attraktiv für Besucher und Kunden zu sein“, sagt Koch, der selbst aus dem Einzelhandel stammt. Heute reiche es einfach nicht mehr, morgens die Tür aufzuschließen und abends den Schlüssel wie- der umzudrehen. Der Einzelhandel müsse sich als Teil der Freizeitwirtschaft begreifen und sich klar positionieren - als Marktstadt beispielswei- se. Koch: „Das muss in der ganzen Stadt und in Foto: Meyer und Koch
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