Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe September'25 - Hochrhein-Bodensee

Wirtschaft im Südwesten 9/2025 30 Platin ist selten, von der Industrie begehrt und daher teuer. „Es macht einen erheblichen Teil der Kosten für eine Brennstoffzelle aus“, er- läutert Sven Küspert, Chemiker und einer der Gründer von Nero Materials in Freiburg. Deren Nero Spheres – auf den ersten Blick nicht mehr als ein unscheinbares schwarzes Pulver – sor- gen für eine Reduzierung des Platinanteils und damit für erhebliche Kosteneinsparung. Und noch mehr: Rechnet man die Verbesserung der Energieumwandlung in den Brennstoff- zellensystemen dazu, kommt man auf eine Ge- samtkostenreduktion von mehr als 25 Prozent. „Solche Entwicklungen sind wichtig, um Was- serstoff als Energieträger interessant zu ma- chen“, formuliert es der promovierte Chemiker: „Allein eine Effizienzsteigerung von wenigen Prozent führt im Betrieb über zehn bis 20 Jahre zu Einsparungen von mehreren 10000 Euro.“ Erst unter einem Elektronenmikroskop oder im großen 3D-Anschauungsmodell wird sichtbar, was die Nero Spheres von Nero Materials sind: ein extrem poröses, aber stabiles Kohlenstoff- material, das viel Oberfläche bei wenig Ma- terialeinsatz bietet. Diese speziellen Partikel und vor allem ihre Oberflächenstruktur auf der Nanoebene kontrolliert herzustellen, das ist die Kerninnovation von Nero Materials. Damit können unter anderem erheblich bessere Be- dingungen für die durch Platinkatalysatoren ermöglichten Reaktionen von Wasserstoff und Sauerstoff in Brennstoffzellen erzeugt werden. Nur so ist eine hocheffiziente Umwandlung von chemischer in elektrische Energie gewährleis- tet. Außerdem reduzieren die Nero Spheres den Anteil des teuren Edelmetalls in der Brenn- stoffzelle um bis zu 35 Prozent und erhöhen die Leistungsfähigkeit in Kombination mit einer er- heblich längeren Gerätelebensdauer. „Wir sprechen bei der Nutzung von Wasserstoff von einem hochkomplexen System mit vielen Parametern“, sagt Sven Küspert. Das macht die Arbeit für Nero Materials auch so spannend, findet er. In der Brennstoffzelle spielt alles eine Rolle: Beschichtungsgüte, Reaktanden- zufuhr, Temperatur, Druck oder eben auch die reaktiven Oberflächen. „Hier treffen Chemie, Maschinenbau und Materialwissenschaft auf- einander.“ Diese Vielfalt spiegelt sich im interdisziplinä- ren Team wider. Das Unternehmen hat seine Wurzeln in der Universität Freiburg und arbei- tet derzeit am Freiburger Materialforschungs- zentrum. Gegründet wurde es im Dezember 2024 von Jan Büttner, Lionel von Dobeneck, Jan Oechsler, Anna Fischer, Niklas Ortlieb und Sven Küspert. Aktuell investiert Nero Materials stark in die Entwicklung und arbeitet an Pilotprojekten bis hin zur Endanwendung im Wasserstoff-Lkw. Die Nero Spheres lassen sich allerdings auch in anderen Bereichen sinnvoll einsetzen, be- richtet Sven Küspert: Das reicht von der Meer- wasserentsalzung über Batterietechnik bis hin zu komplexen Biotech-Anwendungen. Für den nächsten Schritt setzt das Unternehmen neben demWasserstoffsektor daher auf Pilotierungen in weiteren Anwendungsgebieten. Küspert: „Da freuen wir uns über jeden neuen Kontakt.“ Patrick Merck Sven Küspert, einer der Gründer des Freiburger Start-ups Nero Materials, mit einem großen Modell der Nero Spheres: viel Oberfläche bei wenig Materialeinsatz Scheinbar unscheinbar Platin ist der entscheidende Katalysator in der Wasserstoff-Brennstoffzelle, doch er ist teuer und benötigt Kohlenstoff als Trägermaterial. Genau an diesem Dilemma setzt Nero Materials aus Freiburg an. Nero Materials in Freiburg Nero Materials Gründer: Sven Küspert, Jan Büttner, Lionel von Dobeneck, Jan Oechsler, Anna Fischer, Niklas Ortlieb Ort: Freiburg Gründung: 2024 Branche: Chemie/Forschung Webseite: neromaterials.com Fotos: Nero Materials; Sabrina Frisen; BBQ Systems

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