Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe September'25 - Hochrhein-Bodensee
Wirtschaft im Südwesten 9/2025 13 bessert, erklärt Fischer weiter, das sei zukünftig ein entscheidender Faktor bei der Auftragsver- gabe, gerade in der Automobilindustrie. Nicht nur dort. „Bemühungen, die Klimaziele zu errei- chen, werden künftig noch mehr in den Fokus der Unternehmen rücken“, sagt Dirk Gärtner, Energiefachmann der IHK Südlicher Oberrhein. „Banken und Investoren werden sehr genau prüfen, inwieweit Unternehmen messbare Bei- träge zur CO 2 -Einsparung und der Erreichung der unternehmensinternen Klimaziele leisten – als Voraussetzung für Finanzierungen und In- vestitionen.“ Und dann ist da ja auch noch der Klimaschutz selbst. Durch den Einsatz erneuer- barer Energien leiste man einen aktiven Beitrag für die Zukunft, betont Patrick Lochbaum von Aesculap. Nicht zu unterschätzen sei auch der Imagegewinn der Unternehmen durch ihr En- gagement für den Klimaschutz, ergänzt Marcel Trogisch, Energieexperte der IHK Schwarzwald- Baar-Heuberg. Vorsicht vor Schnellschüssen und neuen Rahmenbedingungen Doch bei all diesen Vorteilen: Ein Allheilmittel ist die Stromversorgung auf eigene Faust nicht. Die Genehmigungsverfahren sind oft langwie- rig, die Investitionskosten hoch, hinzu kommen Wartungs- und Unterhaltskosten. Zudem ist die Technik komplex. Es bleiben rechtliche Risiken, etwa bei Umlagen oder Netzentgelten, und das Risiko einer veränderten Marktsituation. Die Firma En-Concept aus Offenburg hat sich auf Energieberatung für Unternehmen speziali- siert. Die Kunden des Unternehmens zählen im Wesentlichen zur energieintensiven Industrie in Deutschland. Geschäftsführer Marc Müller- Stoffels sagt: Eine Teilversorgung mit Eigen- erzeugung könne für fast jedes Unternehmen ökonomisch sinnvoll gestaltet werden. Aber: „Die hundertprozentige Eigenerzeugung des Energiebedarfes ist im Vergleich zu einem sinnvoll genutzten Netzanschluss nie wirt- schaftlich.“ Was zähle, sei der Gesamtkontext aus externer Energieversorgung, Eigenversor- gung, Flexibilisierung des Bedarfes und dem Wind sehen und Sturm ernten Der Papierhersteller Koehler, ein Global Player mit 2500 Mitarbeitern und 1,1 Mil- liarden Euro Umsatz, macht ernst mit der Energiewende. „2030 wollen wir mit unseren eigenen Anlagen bilanziell mehr erneuerbare Energie erzeugen, als wir für unsere Papierproduktion benöti- gen“, sagte Koehler-Vorstand Kai Furler in einem frühe- ren Gespräch mit der WiS. Zuletzt musste das Unter- nehmen aus Oberkirch (der größte Arbeitgeber im Ort) bei seinen Plänen aber einen Rückschlag hinnehmen: Ein Bürgerentscheid verhinder- te Ende Juli mehrheitlich den geplanten Bau von zwei Windkraftanlagen auf einem Bergrücken nahe dem Firmensitz. Stefan Karrer, Vorstand Technik der Koeh- ler-Gruppe, kommentierte das in mehreren Medien so: „Mit dem Windpark auf der Schwend hätten wir einen wichtigen Beitrag leisten können, die Kosten für unse- ren Energiebedarf langfristig kalkulierbar zu machen. Ob und welche genauen Kon- sequenzen das für unseren Standort in Oberkirch in 20, 30 oder 40 Jahren hat, kann an dieser Stelle noch nicht prognostiziert werden.“ Größter Arbeitgeber in Oberkirch: Koehler Paper, Teil der Koehler-Gruppe, zählt heute zu den wenigen unabhängigen deutschen Familienunternehmen in der Papierindustrie. Marc Müller-Stoffels, Geschäftsführer En-Concept „Nur wer sich einen Blick auf das Gesamt- bild verschafft, kann im Bereich Eigenerzeu- gung Vorteile erwarten.“ Fotos: Koehler/Jigal Fichtner; En-Concept
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