Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juni'25 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

David gegen Goliath Denn neben dem sinkenden Bierabsatz, zu viel Bürokratie, anhaltendem Arbeitskräfte- mangel, hohen Energiepreisen und schwie- rigen Bedingungen für die Gastronomie, die sich ebenfalls negativ auf den Bierkonsum auswirken, stellt auch der Preisdruck viele kleine und mittelständische Brauereien vor große Herausforderungen. Vor allem durch große Brau-Konzerne wie AB Inbev (31 Prozent der Welt-Bierproduktion) und Fern- sehbiere wie Krombacher oder Warsteiner. Ganter-Chef Frankenberger: „Große Braue- reien profitieren von effizienteren Produkti- onsstrukturen und starken Vertriebsnetzen, wodurch sie ihre Biere deutlich günstiger anbieten können.“ Doch die Kleinen und Mittelständischen ha- ben dem einiges entgegenzusetzen. Nicht nur moderne, effiziente Brauanlagen und optimierte betriebliche Prozesse, regionale Wertschöpfung und Arbeitsplätze, wie Hubert Hepfer aufzählt; sondern drüber hinaus auch Qualität, handwerkliche Braukunst und Re- gionalität. Philipp Ketterer zufolge schätzen die Kunden genau diese lokale Verwurzelung: „Viele Biergenießer, denen unsere Heimat am Herzen liegt, entscheiden sich neben der Qualität auch deshalb für unsere Biere, da wir ein bodenständiger, konzernunabhängiger Familienbetrieb sind.“ Und das soll so bleiben. Findet man auch bei Ganter: „Wir konzentrie- ren uns ganz bewusst auf den lokalen Markt und planen aktuell keine Expansion in andere Regionen oder den Exportmarkt – das wäre nicht mit unserer Nachhaltigkeitsstrategie vereinbar.“ Oder sich den Großen anschließen Andere haben sich dagegen für einen alter- nativen Weg entschieden. 2005 wurde die Fürstenberg-Brauerei an die Brauholding International verkauft, die heutige Paulaner Brauerei Gruppe. Die Gruppe gehört zu 70 Prozent der Münchner Schörghuber Gruppe und zu 30 Prozent dem niederländischen Brauriesen Heineken, der Nummer zwei der Welt mit 231 Millionen Hektoliter Absatz. Die Brauerei Ganter ist Mitglied der Freien Brauer, einem Zusammenschluss von aktuell 46 mittelstän- dischen, konzernunabhängigen Familienbrauereien. Durch den Verbund lassen sich Kosten sparen. 9 6 | 2025 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten Dass der Umsatz der Paulaner Gruppe 2023 wuchs und die 900-Millionen-Euro-Marke knackte, liegt aber nicht allein am Bier – ei- nen großen Anteil daran hat: Spezi. Ein Mix aus Orangenlimonade und Cola. Dessen Ab- satz habe sich seit 2019 vervierfacht, heißt es im Unternehmensbericht der Schörghuber Gruppe – dem deutschlandweiten Marktfüh- rer im Cola-Mix-Segment. Liegt in den alkoholfreien Getränken die Zu- kunft der Brauereien? Verschiedene alkohol- freie Sorten haben die meisten Brauereien längst im Sortiment und verzeichnen eine stei- gende Nachfrage. Die Hirsch-Brauerei schafft sich aus diesem Grund extra eine eigene Ental- koholisierungsanlage an und setzt zusätzlich auf Obst-Schorlen und Cola-Mix unter der Marke Kitz. Die Brauerei Waldhaus serviert den Cola-Mix „Waldi“. Ob dieser Zuwachs die Rückgänge im klassischen Biersegment aus- gleichen kann, bleibt abzuwarten. Eins aber ist klar: Die Brauer bleiben dran. Susanne Ehmann Bilder: Fürstenberg, Ganter, Hirsch Brauerei

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