Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juni'25 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

Kinderbetreuung als Standortfaktor: In Waldmössingen haben sechs Mittelständler für eine Kita zusammengelegt (oben), in Schwen- ningen hat Waldmann für seine Glühwürmchen gebaut (unten links) und in Oberwolfach investiert Bürgermeister Matthias Bauern- feind fast ein Sechstel seines Etat in die kommunale Kita mit wirtschaftsfreundlichen Öffnungszeiten. 56 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 6 | 2025 Zu den Baukosten kommen die Kosten für den laufenden Be- trieb, bei dem vor allem die Personalkosten zu Buche schlagen. Die 50000-Einwohner-Stadt Lahr etwa wird dieses Jahr rund 32 Millionen Euro für Betreuung ausgeben, 2020 waren es noch 21,6 Millionen. Die Zahl der Plätze (1856 Ü3 und 558 U3) hat sich aber nur marginal erhöht. In Achern liegt das Defizit aus dem Kita- Betrieb bei „mindestens sieben Millionen Euro jährlich“. Vor allem durch die Tarifabschlüsse stiegen die Kosten „ungebremst weiter“. In Emmendingen geht man davon aus, dass im U3-Segment künftig 70 Prozent der Eltern die Betreuung in Anspruch nehmen werden. „Das fordert die Kommunen sehr“, heißt es aus dem Rathaus. Vor allem beim Ganztagsangebot mit bis zu 50 Wochenstunden gerate man an Grenzen. Oberwolfach: Die Kita als Standortargument Einer, der das Ganze besser machen will, ist Matthias Bauernfeind. „Kindergärten sind mein Steckenpferd“, sagt der Bürgermeister der kleinen Schwarzwaldgemeinde Oberwolfach. Für genau diese war er zuvor bei der Erzdiözese Freiburg zuständig. Im 2500-Einwohner-Örtchen, dem der dreifache Familienvater seit 2015 vorsteht, hat Bauernfeind den Kindergarten aus kirchlicher Trägerschaft in die Hand der Gemeinde übernommen – und die Be- treuungszeiten auf 6 bis 18 Uhr ausgeweitet, für unter Dreijährige bis 15.30 Uhr. Die Anschubfinanzierung dafür kam über ein Förder- programm, das überraschenderweise nur mäßig nachgefragt war. „Wir waren eine von nur fünf Kommunen in Baden-Württemberg, neben Mannheim und Stuttgart.“ Seither finanziert man in Oberwolfach den Betrieb selbst und leis- tet sich sogar einen Shuttlebus in die Ortsteile. Der Kindergarten steht so mit knapp einer Million im sechs Millionen Euro schweren Haushalt, sagt Bauernfeind. Ein dicker Batzen, der absehbar auch nicht kleiner werde, da mehr als 80 Prozent der Kosten Personal- kosten sind. Die Elternbeiträge seien dagegen vernachlässigbar: Sie deckten nur fünf bis acht Prozent. Bilder: Förderverein W-Ki (2), Waldmann , Gemeinde Oberwolfach

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