Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juni'25 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

46 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 6 | 2025 UNTERNEHMEN S ind wir hier richtig? Der Mais steht mannshoch, die Straße wird immer schmaler, es riecht nach Landluft und hier soll sich ein Marktführer verstecken? Das muss ja wirklich ein Hidden Champion sein, diese Firma Paradiso, die am Orts- rand von Neuried-Altenheim schienenlos fahrende Poolüberdachungen produzieren soll. Nicht karo einfach, sondern richtig mit Anspruch. Österreichische Hoteliers, Schweizer Privatkunden, Familien aus Frankreich und deutsche Unternehmer: Sie alle pilgern hier her, wenn es um die neue Poolsaison geht – aber ob sie wirklich diesen Weg nehmen? So richtig made in Germany… Um es vorweg zu nehmen: Der Weg lohnt sich. Denn was Familie Fels hier auf die Beine stellt, das ist schon außergewöhn- lich. Das Produkt an sich ist exotisch, kei- ne Frage, wichtiger aber: Das Mindset der Macher ist geradezu ein Manifest. Und das zeigt sich in den kleinsten Details: An den Edelstahlachsen und dem Bronzegetriebe der selbst entwickelten Elektromotoren für Solarantriebe, an den aus großen Blöcken gefrästen Laufrädern, die einfach runder laufen als (billigere) Spritzgussteile und an den Biegemaschinen und Langbettfräsen, mit denen man die selbst entwickelten Alu- profile maßfertigt. Hintergrund: Nichts darf rosten. Egal, ob der Pool gechlort wird oder mit Salzwasser läuft. Die hagelsicheren und trittfesten, dabei aber sehr dünnen Glasscheiben sind extra mit Pa- radiso entwickelt worden, die Platinen für die Steuerung ebenso, nicht einmal eine nor- male Pulverbeschichtung ist gut genug und wenn man Carsten Fels machen ließe – er würde auch noch das Silizium für die Solar- zellen selber schürfen, mit denen die Akkus der Pooldächer ausgestattet sind. „100 Prozent chinafrei“, bestätigt Seniorchef Karlheinz und das ist ein Statement in einer Welt, in der Gartenmöbel und Co. auch im Luxussegment längst containerweise aus Fernost kommen. Paradiso dagegen setzt konsequent auf made in Germany. Ganz klas- sisch. „Das kommt bei unseren Kunden gut an. Gerade bei den Elsässern, die fragen da sehr nach“, sagt Karlheinz, der mit seinen 76 Jahren auch schon hauptberuflich am Pool liegen könnte. Aber: Es macht halt so Spaß, dem Sohn noch zu helfen. Ob Pool oder Porsche: Finanziell nimmt sich das nichts. Für eine richtig schöne Wellness- anlage mit allem Drum und Dran werden im Elsass, im Schwarzwald und in der Schweiz schnell mal 100000 oder auch 200000 Euro investiert. Und dann eine Plastikhau- be drüberstülpen? Mit Acrylglas, dass schon nach Monaten anfängt, trüb zu werden? Das widerstrebt den beiden Chefs, die vom Branchenverband mit einer ganzen Vitrine an Preisen und Auszeichnungen bedacht wor- den sind. Man weiß in der Branche, dass Paradiso nie vom Weg abgekommen ist. Poolüberdachungen – sonst nichts. Für die Branche wie ein Fels in der Brandung. Beim Gang durch die Fertigungshallen auf mehr als zwei Hektar Fläche wird deutlich: Bei Paradiso geht es wirklich noch um Vor- sprung durch Technik, um Wertschöpfungs- tiefe und Nachhaltigkeit durch Langlebigkeit. Manche Wettbewerbsprodukte kosten viel- leicht nicht einmal die Hälfte – aber dann sind die Dichtungen zwischen Glas (bezie- hungsweise Polycarbonat) und Profil eben aus rußgeschwärztem EPDM und nicht aus langlebigem Silikon. Selbst die Profile der Dichtungen sind selbst entwickelt, palettenweise steht das Material im Lager und wartet auf die Monteure. Die bauen die Pooldächer in Neuried komplett zusammen, fahren die Teile ineinander und laden sie mit Palette auf einen Lastwagen. Dann geht’s runter nach Mallorca, rüber nach Tirol, manchmal hoch nach Skandinavi- en oder an die Côte d’Azur. „Bei uns sind die Leute immer eine Woche lang auf Montage und dann wieder im Werk. So gelingt der Wis- senstransfer am besten“, sagt Carsten Fels. „Wenn uns bei der Montage etwas auffällt, Mit Mittelständlern ist die Ortenau reich gesegnet - aber diese Firma ist besonders. Denn Paradiso exportiert nicht in aller Herren Länder und setzt konsequent auf Wertschöpfungstiefe. Paradiso Systeme Die Poolboys Bild: Jigal Fichtner

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