Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juni'25 - Hochrhein-Bodensee

59 6 | 2025 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten E s geht ums eigene Lebenswerk und na- türlich geht’s auch ums Geld: Die Unter- nehmensnachfolge zu regeln, ist nicht leicht. Doch es gibt Möglichkeiten, den Prozess zu erleichtern, wissen Ursula und Tino Schulz. Das Ehepaar begleitet beim Steinbeis-Bera- tungszentrum in Engen-Welschingen sowohl Unternehmensübergeber als auch interes- sierte Übernehmer auf dem Weg zum perfect Match. Zu ihnen kommen die Frühplaner und die, die bis auf den letzten Drücker gewartet haben, vielleicht in der Hoffnung, dass die Kinder die Firma doch noch übernehmen. Warum Letzteres nicht die allerbeste Stra- tegie ist, haben uns die Nachfolgeexperten erklärt – und die beiden teilen ihre Erfah- rungen überdies im Juli beim Nachfolgetag in Titisee-Neustadt, einer kostenfreien Info- veranstaltung der IHKs aus dem Südwesten. Ein strukturelles Problem Wie groß der Handlungsbedarf ist, zeigt eine aktuelle Studie: 28 Prozent der Senior-Chefs überlegen, ihr Unternehmen zu schließen, weil die Nachfolge nicht gelingt. Das Ergebnis einer Umfrage der DIHK 2024. Hochgerech- net stehen demnach in den nächsten Jahren mehr als 250000 Unternehmen vor dem Aus. Und das zerstört nicht nur Lebenswerke, es hängen schlicht auch Gewerbesteuern und Arbeitsplätze daran. Damit es also klappt mit der Nachfolge, müssen bestimmte Rahmen- bedingungen stimmen. Was die beiden Nachfolgeexperten zu aller- erst raten: früh anzufangen. Schon beim ers- ten Impuls sich rausziehen zu wollen aus dem Geschäft, sagt Ursula Schulz. Denn sich auf die Unternehmensübergabe vorzubereiten, heiße nicht, schon gleich zu übergeben, son- dern vielmehr, die Übergabe in die richtigen Bahnen zu lenken. Ist der erste Entschluss gefasst, gelte es, nichts schleifen zu lassen. Denn sonst wer- den Investitionen nicht mehr getätigt, Stra- tegien nicht mehr durchdacht, leidet das Unternehmen – und damit sinkt die Über- gabewahrscheinlichkeit. Ganz zu schweigen vom Kaufpreis. „Im Idealfall führt man dieses Unternehmen wirklich so fort, als würde man es ewig weiterführen und übergibt dann“, empfiehlt die Beraterin. Dazu gehören auch gewisse frühzeitige „Aufräumarbeiten“. Die gesellschaftsrechtliche Form zu ändern, bei- spielsweise, damit steuerlich alles glatt läuft, wenn’s ernst wird. Was will ich haben? Und apropos Preis: Wie wichtig einem der maximale Kaufpreis ist, ob vielleicht statt- dessen die Standortsicherung Priorität hat oder man vielleicht an die Mitarbeiter über- geben will, auch wenn das mit einem kleinen Discount einhergeht – auch darüber sollten Übergeber sich frühzeitig klar werden. Doch auch diejenigen, die gerne ein Unter- nehmen übernehmen möchten, sind gefor- dert, einige Details für sich zu klären: Welche Branche soll es sein, beispielsweise, in wel- Wie kriege ich mein Unternehmen fit für die Übergabe? Wann fange ich an? Und an wen wende ich mich, wenn ich eine Firma übernehmen möchte? Beim Nachfolgetag in Titisee gibt’s Tipps! Der Weg zum perfect Match Unternehmensnachfolge Bild: Anna Glad Ursula und Tino Schulz begleiten Übergeber und Übernehmer auf dem Weg zur Nachfolge.

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