Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juni'25 - Hochrhein-Bodensee
24 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 6 | 2025 D as Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, kurz Lieferkettengesetz oder LkSG, ist zum 1. Januar 2023 in Kraft getreten. Es soll unter anderem Menschenrechtsverlet- zungen in globalen Lieferketten verhindern. Viele Unternehmen haben schon vor der Einführung des Lieferkettengesetzes (LkSG) strenge Sorgfaltspflichten implementiert und in der Unternehmenskultur verankert – wie beispielsweise A. Raymond in Lörrach. Das hat bei der Umsetzung des LkSG geholfen, berichtet Lukas Schlenk. Er leitet den Einkauf des international aktiven Automobilzuliefe- rers: „Es musste nichts komplett neu er- funden werden, aber es musste in entspre- chende Formate gepackt werden.“ Auch bei Sedus Stoll in Dogern und Eto Magnetic in Stockach konnte auf bestehende Prozesse zurückgegriffen werden. Als großen Vorteil habe sich der intensive Austausch über die Gesamtorganisation erwiesen. Schließlich betreffe das Thema nicht allein den Einkauf, sagt Eike Messow, Leiter Nachhaltigkeit der Sto Gruppe mit Sitz in Stühlingen. Neben dem Einkauf sollten auch die Bereiche Nachhaltigkeit, Recht und Compliance sowie die Kommunikati- onsabteilung einbezogen werden. „Der ab- teilungsübergreifenden Zusammenarbeit ist für die erfolgreiche Umsetzung des LkSG ein hoher Stellenwert einzuräumen“, empfiehlt Messow. Diesen Weg haben auch der Kon- stanzer Pharmahersteller Takeda, die Fon- dium Group in Mettmann sowie A. Raymond eingeschlagen. Dass die meisten strategischen Lieferanten der befragten Unternehmen ihren Sitz innerhalb der Europäischen Union haben, ist ebenfalls von Vorteil. Schließlich gelten dort ebenfalls hohe Standards in Sachen Arbeitsschutz und -sicherheit. Dadurch können entsprechende Risiken als geringer eingestuft werden als bei globalen Lieferketten, die sich möglicherweise auf Hochrisikoländer verteilen. Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz Es gibt bereits viele praktische Ansätze Mit dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz sind viele Herausforderungen verbunden. Doch die Unternehmen im Kammergebiet der IHK Hochrhein-Bodensee sind nicht unvorbereitet. Das zeigt eine Analyse, an der sich 14 Unternehmen beteiligt haben. Praxisorientierte Konzepte Umsetzbare und praktische Lösungsansät- ze spielen für die befragten Unternehmen eine wichtige Rolle, um gesetzlichen Her- ausforderungen zu begegnen. Mehr noch: Sie liefern damit zusätzlich einen Beitrag zur resilienten Lieferkette. Zertifizierungen und Audits: Vor-Ort-Audits bei Lieferanten helfen, Risiken besser ein- zuschätzen und präventive Maßnahmen umzusetzen. Branchensoftware fürs Risikomanagement: Digitale Tools erleichtern die Dokumenta- tion und Bewertung von Risiken, erfordern aber erhebliche Investitionen. Interne Zusammenarbeit: Das LkSG ist ein Thema für das Gesamtunternehmen und sollte als solches kommuniziert werden. Vertrauensverhältnis zu Partnern: Eine langfristige Zusammenarbeit mit zuver- lässigen Lieferanten reduziert Risiken und vereinfacht das Compliance-Management. Darüber hinaus profitierten Unternehmen davon, wenn sie ihre Lieferketten und alle Beteiligten kennen. Einkaufsabteilungen soll- ten sensibilisiert sein und ihre Lieferanten aktiv im Auge behalten. Gleiches gelte für die Produkte. Es müssen Antworten auf die Frage gefunden werden: Welche Rohstoffe und Komponenten werden gebraucht und geliefert – und welche Risiken können sich daraus ergeben? Für die Analyse wurden 25 Unternehmen al- ler Branchen angesprochen, von denen mit zehn im ersten Quartal 2025 intensivere Ge- spräche geführt wurden. Die Ergebnisse der Analyse in Form eines Leitfadens liegen zur Einsicht auf der Website der IHK Hochrhein- Bodensee vor. mrk/jz
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