Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Mai'25 -Südlicher Oberrhein
19 REGIO REPORT IHK Südlicher Oberrhein 5 | 2025 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten B ezahlbarer Wohnraum ist in vielen Regionen Mangelware. Da macht der südliche Oberrhein keine Ausnahme. Was für Privatpersonen schon seit Jahren ein belastendes Alltagsproblem ist, entwi- ckelt sich auch für Unternehmen zu einer ernstzunehmenden Herausforderung: Immer häufiger scheitern Rekrutierungen von neuen Mitarbeitern oder verlängern sich Probezei- ten, weil neue Fachkräfte keine passende Wohnung finden. Besonders betroffen sind Branchen mit mittleren und niedrigeren Ein- kommen – etwa im Gesundheitswesen, in der Industrie, der Logistik oder dem Gast- gewerbe. Das Ausmaß dieser „Wohnungskrise“ nimmt immer dramatischer Formen an. Laut einer Studie des Pestel-Instituts im Auftrag des Bündnisses Soziales Wohnen fehlen derzeit deutlich mehr als eine halbe Million Woh- nungen in Deutschland. Zwar hatte die alte Bundesregierung sich zum Ziel gesetzt, in jedem Jahr rund 400000 Wohnungen in Deutschland zu bauen, diese Marke wurde aber nie erreicht. Laut Statistischem Bun- desamt wurde im vergangenen Jahr lediglich etwas mehr als die Hälfte dieser Zahl über- haupt genehmigt, knapp 17 Prozent weniger als 2023. Damit sank die Zahl der Baugeneh- migungen im dritten Jahr in Folge. Die Auswertung für den Südwesten ist eben- falls wenig ermutigend. 2024 wurden ledig- lich 27000 Wohnungen (in Alt- und Neubau) genehmigt, ein Minus von 24 Prozent gegen- über 2023. Drei Jahre zuvor lag die Zahl noch doppelt so hoch. Den Berechnungen des Statistischen Lan- desamts Baden-Württemberg zufolge waren es 2024 in Freiburg 600 (2023: 737) Bau- genehmigungen von Wohnungen im Woh- nungsneubau, im Landkreis Emmendingen 381 (440), im Breisgau-Hochschwarzwald 468 (649) und im Ortenaukreis 1049 (1296). Wie belastend die angespannte Situation am Wohnungsmarkt für die Unternehmen ist, zeigt auch eine gemeinsame Umfrage von IHK Südlicher Oberrhein und Freiburger Stadtbau (FSB) aus dem vergangenen Herbst. In Freiburg gaben mit 55 Prozent besonders viele Betriebe an, für ihre Mitarbeiter keine Wohnung zu finden. Aber auch im ländlichen Gute Bezahlung, ein attraktives Aufgabengebiet, außertarifliche Leistungen – Unternehmen müssen sich immer mehr um ihre Beschäftigten bemühen. Ein neues altes Betätigungsfeld dabei: Wohnungen. Standortsicherung Wie Wohnraum zum Wettbewerbsvorteil wird Bauen ist das Gebot der Stunde. Denn am südlichen Oberrhein fehlen in vielen Gemeinden bezahlbare Wohnungen. Bild: iStock/Michael Derrer Fuchs
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