Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Mai'25 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
30 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 5 | 2025 REGIO REPORT IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg A ls Andreas Schmidke den Job eines Zerspanungs- mechanikers in einem regionalen Unternehmen annahm, war ihm wohl nicht klar, dass er Jahre spä- ter den Betrieb übernehmen und im Chefsessel Platz nehmen würde. Genau das ist aber der Fall. Der heu- te 29-jährige Vater zweier Söhne leitet seit 2022 mit Unterstützung seiner Frau Jessica Schmidke (28) das 1994 gegründete Unternehmen Rometsch Drehteile in Trossingen. Es war 2014, als der junge Andreas Schmidke in die neue Firma wechselte. Er war Mechaniker, aber machte bald durch Fleiß, seine Fähigkeiten und ein gerüttelt Maß an Beharrlichkeit auf sich aufmerksam. Seine menschlichen und fachlichen Qualitäten blieben nicht unbemerkt. Nur vier Monate später wurde er zum Fer- tigungsmeister ernannt: „Mein Chef hat mir gesagt, du bist jetzt meine rechte Hand“, erinnert sich Andreas Schmidke, der fortan „in allen Bereichen – auch bei der Drecksarbeit“ vollen Einsatz zeigte. Traum von der Selbstständigkeit Sein Engagement trug Früchte. Eines Tages sagte der damalige Firmeninhaber Ralf Rometsch den entschei- denden Satz: „Ich will auch nicht ewig weitermachen.“ Die Botschaft verstand Andreas Schmidke natürlich. Und lange musste er nicht überlegen. Denn: „Die Selbstständigkeit war schon immer mein Traum“, so der 29-Jährige. Dann begannen alsbald Verhandlungen mit Banken, die Schmidke teilweise als „ernüchternd“ in Erinnerung hat: „Ein Geldinstitut hat an meiner Kom- petenz gezweifelt.“ Die finanziellen Fragen der Über- nahme wurden schließlich geklärt. Die Teilnahme an der IHK-Gründergarage war für Andreas Schmidke, der dort unter anderem seine kaufmännischen Kenntnisse auffrischen konnte, „sehr hilfreich“. Die Hürden von damals sind genommen. Heute steht Rometsch Drehteile für die Produktion qualitativ hoch- wertiger Präzisionsdrehteile. Neun Mitarbeiter be- schäftigt Andreas Schmidke in der 2002 errichteten 1000 Quadratmeter großen Produktionshalle – dar- unter auch seinen Vater. Andreas Schmidke ist mit seinen Auftraggebern wirtschaftlich breit aufgestellt. Zu ihnen zählen Vertreter des Maschinenbaus, der Uhrenindustrie, der Optik oder des Bereichs Automo- tive. Und wenn es eines Beweises bedarf, dass interne Unternehmensübergaben nachhaltig funktionieren können, dann ist es der Umstand, wie Firmenchef Andreas Schmidke und der ehemalige Inhaber Ralf Rometsch miteinander umgehen: „Ralf besucht uns regelmäßig und ich frage ihn immer gerne.“ Und ganz besonders freut das die IHK-Nachfolgebera- terin Marlene Roming, welche die Gründergarage mit entwickelt hat und schon seit vielen Jahren die Unter- nehmen in der Region auf ihrem Weg in die nächste Generation begleitet: „Es muss nämlich nicht immer die Nachfolge innerhalb der Familie sein. Das Beispiel der Rometsch Drehteile zeigt einmal mehr, dass auch Unternehmensübergaben außerhalb der Familie gut funktionieren können. Wichtig ist ein offener und ehr- licher Austausch und vor allem, das Thema Nachfolge möglichst frühzeitig anzugehen und dabei auch Ange- bote und Unterstützung zu nutzen, wie wir sie etwa als IHK den Unternehmen bieten. Darum freuen wir uns sehr, dass ein weiteres Unternehmen erfolgreich in die nächste Generation geführt wurde.“ MR Marlene Roming Existenzgründung | Unternehmensförderung und Nachfolge roming@vs.ihk.de IHK-Nachfolgeberaterin Marlene Roming und Andreas Schmidke Bild: Larissa Kratt In einer kleinen Serie stellen wir erfolgreiche Unternehmensnachfolgen vor. Dieses Mal die Übergabe von Rometsch Drehteile in Trossingen an Andreas Schmidke. Andreas Schmidkes Aufstieg zum Unternehmer Von der Werkbank in den Chefsessel
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