Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Mai'25 - Hochrhein-Bodensee

49 5 | 2025 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten Abwanderungen und Insolvenzen noch da. Auf diese Betriebe muss die Politik setzen, wenn unsere Wirtschaft wieder wachsen soll. Und das wollen wir alle. Das braucht der Wirtschaftsstandort Deutschland. Nun kommt es darauf an, schnell eine stabile und handlungsfähige Regierung zu bilden, die Wirtschaft zur Priorität macht, Wachstum ermöglicht und unternehmerische Freiheit stärkt. Unternehmen sehen sich mit hohen Energiekosten, Fachkräftemangel und geopolitischen Unsicherheiten konfron- tiert – verstärkt durch neue US-Zölle. Wel- che dieser Herausforderungen gefährden die Wettbewerbsfähigkeit am meisten? Wie können kurzfristige und langfristige Lösungsansätze aussehen? Gerade die Vielzahl der Baustellen macht die aktuelle Situation so herausfordernd. Es gibt so viel zu tun, dass die neue Bundes- regierung viele Herausforderungen gleich- zeitig angehen muss – und das so schnell wie möglich. Dazu gehören Entlastungen der Unternehmen bei Steuern und Energie- kosten, Bürokratieabbau, Maßnahmen ge- gen den Fachkräftemangel und schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren. Regulierung sollte unternehmerisches En- gagement ermöglichen und ermutigen, darf es aber keinesfalls ersticken. So empfinden aber viele Unternehmer inzwischen unser Regelungsdickicht. Deshalb müssen sich Politiker jetzt auf ei- nen Perspektivwechsel einlassen: Unsere Wirtschaft wird blockiert durch den Ver- such, alles durch detaillierte Regulierungen in vermeintlich richtige Bahnen lenken zu wollen. Das Gegenteil ist aber richtig: Die Politik muss Vorschriften abbauen – also mu- tig ganz viel streichen und weglassen. Denn nur so bekommen die Unternehmerinnen und Unternehmer den Freiraum zurück, den sie für Fortschritt, Wachstum und Innovation so dringend brauchen. Sind alle Branchen gleichermaßen betroffen oder gibt es Industriezweige, die trotz der genannten Probleme wachsen? Nur wenige Branchen können mit positiven Zahlen aufwarten, dazu gehört unter an- derem die Pharmaindustrie. Der Breite der Industrie und auch der Gesamtwirtschaft da- gegen geht es schlecht. Das bestätigt auch unsere aktuelle DIHK-Konjunkturumfrage, an der sich Unternehmen aus allen Branchen und Regionen beteiligt haben. Sie zeigt ein sehr negatives Stimmungsbild: Fast jedes dritte Unternehmen blickt negativ in die Zu- kunft. Nur 14 Prozent erwarten eine Verbes- serung in den kommenden zwölf Monaten. Fast die Hälfte der Unternehmen schätzt ihre Finanzlage als problematisch ein, ein Drittel muss Investitionen verringern. Als größte Geschäftsrisiken nannten die meis- ten Unternehmen nicht mehr Arbeits- oder Energiekosten, sondern die wirtschaftspoliti- schen Rahmenbedingungen an erster Stelle. Christina Rothe Zur Person Wirtschaftsrechts-Juristin Helena Melnikov , 43, ist seit dem 1. Januar die Nachfolgerin von Martin Wansleben und damit neue Hauptgeschäftsführerin der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK). Zuvor war sie bis Ende 2024 als Hauptgeschäftsführerin beim Bundesverband Mate- rialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) tätig. Zwi- schen 2014 und 2021 arbei- tete sie als Hauptgeschäfts- führerin des Waren-Vereins der Hamburger Börse.

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