Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe April'25 -Südlicher Oberrhein
31 4 | 2025 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten M it 20 sein Herz an den Lebensmitteleinzelhandel zu verschenken, ist schon sehr außergewöhnlich. Alesio Nigro hat genau das getan. Seine Liebe zu dieser Handelssparte hat sich dabei kontinuierlich aufgebaut – weil er während der Mittleren Reife bei Edeka jobbte, und während er die Fachhochschulreife absolvierte, bei Aldi. Mittlerweile ist er Kaufmann im Einzelhandel. Der heute 23-Jährige schloss die Ausbildung beim Dis- counter mit der Note 1,2 ab und erhielt den Hermann- Frese-Förderpreis der IHK-Stiftung. Der nächste Schritt seiner beruflichen Karriere ist ein Studium der Wirtschaftspsychologie. Und die hat mit dem zu tun, was ihm mindestens so sehr am Herzen liegt wie der Lebensmitteleinzelhandel: der Mensch. Ohne den der Handel ja auch gar nicht denkbar wäre. „Ich habe mich schon immer für Psychologie und für Wirtschaft interessiert. Wenn ich jetzt beides mitein- ander verbinden kann, ist das wunderbar für mich.“ Wobei: „Neurosen und Schizophrenie sind nicht meine Themen, Kunden- und Mitarbeiterverhalten hingegen schon.“ Riege der IHK-Stipendiaten Möglich wird diese Ausbildung, weil Alesio Nigro nicht nur 2500 Euro Förderpreisgeld erhält, sondern auch, weil er es dank seines Engagements und seiner Fä- higkeiten zur Aufnahme in die Riege der IHK-Weiter- bildungsstipendiaten gebracht hat. Dort gelangt nur hin, wer seine duale Ausbildung in einem IHK-Beruf mit mindestens 87 Punkten abschließt (Nigro hat 94 Punkte erreicht) und wer unter 25 Jahre alt ist. Die monatliche Gebühr von rund 380 Euro fürs Wirtschafts- psychologie-Studium ist dank des Stipendiums – in seinem Fall 9135 Euro – und dank des Förderpreises für die ersten zweieinhalb Jahre des insgesamt drei Jahre dauernden Studiums abgesichert. Freiheit und Flexibilität Wenn das Studium losgeht, wird sich Nigro dennoch nicht ganz vom Lebensmitteleinzelhandel verabschie- den: „Erstens will ich das nicht, weil es mir Spaß macht, zweitens brauche ich einen Job, um für mei- nen Lebensunterhalt sorgen zu können“, erzählt der Wahl-Breisacher. Schließlich sind der dritte und vierte wichtige Punkt in seinem Leben die eigene Freiheit und Flexibilität. Das Angebot einer Trainee-Stelle stand seitens seines Arbeitgebers im Raum, hätte jedoch zunächst ein paar Jahre Erfahrung im Job benötigt. „In Zeiten wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Transfor- mation, die so viel Veränderungsbereitschaft von uns allen verlangt, sind die eigene Flexibilität und Offenheit mit das Wichtigste, um diese Herausforderungen zu bewältigen“, erläutert Nigro seine Entscheidung. Der Weg des 23-jährigen außergewöhnlich reflek- tierten jungen Mannes ist mehr als beeindruckend: Angefangen mit einem Hauptschulabschluss über die Mittlere Reife hin zu einem Jahr Jobben. Dann wieder die Schulbank drücken und die Fachhochschulreife absolvieren. Aldi lässt die Auszubildenden erst die zweijährige Ausbildung zum Verkäufer absolvieren, be- vor das dritte Lehrjahr zum Kaufmann im Einzelhandel abgeschlossen werden kann. Und nun startet bald das berufsbegleitende Studium. Es ist ein Glück, dass er bereit ist, mit diesem Werdegang auch das Engagement der IHK in der beruflichen Orientierung zu unterstützen und in Schulklassen für die duale Ausbildung Werbung zu machen. Doris Geiger Alesio Nigro will Wirt- schaft und Psychologie miteinander verbinden. Bild: Markus Schwerer/IHK SO Die Förderpreisträger der IHK sind nicht nur Auszubildende mit guten Leistungen – es sind auch junge Menschen, die mit einer ganz besonderen Haltung in ihr Berufsleben starten. In einer Serie stellen wir diese außergewöhnlichen jungen Leute vor. Förderpreisträger Alesio Nigro Jetzt macht er Business – und zwar menschlich
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