Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe April'25 -Schwarzwald-Baar-Heuberg
21 4 | 2025 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten ANZEIGE IHK-Konjunkturgespräch Wirtschaft erwartet Aufbruch am Standort Deutschland D ie Lage ist zu ernst für Klein-Klein“, so das Fazit von IHK-Vizepräsident Harald Marquardt im Hinblick auf Deutschlands At- traktivität als Wirtschaftsstandort. Anlass für diese Aussage gab das jüngste Konjunkturge- spräch der IHK. Darin skizzierte Marquardt mit dem Chefvolkswirt der LBBW Landes- bank Baden-Württemberg, Moritz Kraemer, Handlungsaufträge an die Standortpolitik. „Mit den richtigen Reformen kann die neue Bundesregierung einen Aufbruch initiieren“, bekräftigte Harald Marquardt im Rahmen des Formates. Sinkende Standortkosten seien zentral, beispielsweise über eine Reform der Steuern und Abgaben für den Mittelstand. Gleichzeitig gelte es Verwaltungsverfahren zu beschleunigen, damit Investitionsvorhaben schneller realisiert werden. Marquardt: „Von weniger Papierkram würden Mittelstand und Staat gleichermaßen profitieren. Denn beide sind auf leistungsfähige Brücken, Straßen, Schienen, Energie- und Mobilfunknetze an- gewiesen. Deren Bau dauert einfach viel zu lange“, so der IHK-Vizepräsident. LBBW-Chefvolkswirt Moritz Kraemer verwies in diesem Kontext auf den internationalen Wettbewerb: „In Deutschland wird im Schnitt zu wenig gearbeitet und zu wenig investiert. Andere Länder sind deshalb produktiver und können dynamischer auf die De-Globalisie- rung reagieren.“ Zu den weltweiten Heraus- forderungen käme in Deutschland noch ein zweiter Faktor hinzu. „Deutschland ist zu alt und bekommt zu wenig Kinder“, sagt der Volkswirt. Der Verlust an werktätiger Bevöl- kerung sei ein Handlungsauftrag für eine bes- sere Integration von Zugewanderten, einem umfassenden Gewinnen von internationalen Fachkräften und mehr Ausgaben in Schulen und frühkindliche Bildung. Kraemer und Marquardt betonten unisono, dass der Staat deshalb Prioritäten setzen müsse. „Wirtschaft ist nicht alles. Aber ohne Wirtschaft ist alles nichts“, so Harald Marquardt. Das erfordere ein beherztes Mit- einander zwischen Politik und Unternehmer- schaft. Es bedarf einer Agenda „Wirtschaft First“. He Philipp Hilsenbek Fachbereich Standortpolitik 07721 922-126 hilsenbek@vs.ihk.de „ Die Lage ist zu ernst für Klein-Klein, war sich die Runde einig. Von links: Moderator Stefan Kühlein, IHK-Vizepräsident Harald Marquardt und LBBW-Chefvolkswirt Moritz Kraemer Bild: Agentur Pixl, Hüfingen Hintergrund Das Konjunkturgespräch der IHK findet jährlich als Online-Format statt. Darin informiert die IHK über die aktuelleWirtschaftslage. Zur jüngstenAusgabe hatten sich knapp 130 Entscheider ausWirtschaft undVerwaltung zugeschaltet. Der Mitschnitt zum Format ist im Youtube-Kanal der IHK hinterlegt unter: https://lmy.de/LRTvT. Der Chefvolkswirt der LBBW, Moritz Kraemer, war zu Gast beim IHK-Konjunkturgespräch. Im Mittelpunkt: die Attraktivität des Wirtschaftstandorts Deutschland.
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