Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe April'25 - Hochrhein-Bodensee
53 4 | 2025 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten SERVICE Im Elsass werden künftig auf den bisher kostenlosen linksrheinischen Autobahnen Maut-Gebühren für Lkw fällig. Der so genannte R-Pass zielt vor allem auf Mautflüchtlinge aus Deutschland. Neue Lkw-Maut im Elsass Kein Entkommen mehr Bild: Adobe Stock/ehrenberg-bilder V erstopfte Zubringerstraßen, lauter Durchgangs- verkehr und zu viele Abgase: Rund 12000 Lkw rollen täglich über die linksrheinischen Autobahnen zwischen Lauterburg bei Karlsruhe und der Schweizer Grenze. Seit der Erhöhung der deutschen Lkw-Maut ist die Zahl nochmals drastisch angestiegen. Davon hat die französische Grenzregion nun die Nase voll. Mit der Einführung der Lkw-Maut „R-Pass“ will die Gebiets- körperschaft Collectivité Europeénne d‘Alsace (CEA) deutsche Mautflüchtlinge vertreiben. Voraussichtlich ab 2027 werden für Lkw ab 3,5 Tonnen auf den bisher kostenlosen Strecken A35 und A36 sowie angrenzen- den Landstraßen nach jetzigem Stand 15 Cent pro gefahrenem Kilometer fällig. Damit bleibt der „R-Pass“ in den meisten Fällen unter den Sätzen für die deutsche Lkw-Maut, deren Berech- nung allerdings sehr komplex ist: Seit dem 1. Juli 2024 beträgt die Gebühr laut Toll Collect zwischen 11,4 und 51,6 Cent pro Kilometer. Ermittelt wird der jeweilige Wert aber nicht nur anhand der zurückgelegten maut- pflichtigen Strecke, auch die verursachten CO 2 -Emissi- ons-, Luftverschmutzungs-, Lärmbelastungs- und Infra- strukturkosten werden mit einbezogen. Emissionsfreie Fahrzeuge sind dagegen noch bis zum 31. Dezember 2025 von der Mautpflicht befreit. Dass mit der neuen Maut tatsächlich Lkw von elsässi- schen Straßen verschwinden, wird auf französischer Seite angezweifelt. Fabrice Urban, der Präsident des Verbands der Metallindustrie UIMM, ist sich sicher: „Mit 15 Cent pro Kilometer wird die Maut keine ab- schreckende Wirkung haben.“ Und noch mehr: Er sieht in der Maut eine Bestrafung der lokalen Unternehmen, die keine andere Wahl hätten als ihre Waren wie bisher auch schon über elsässische Straßen zu transportie- ren. Diese Meinung teilt Michel Chalot, Präsident des elsässischen Speditionsverbands Fédération Nationale des Transports Routiers d‘Alsace. Er sieht nur eine Möglichkeit: die schrittweise Anhebung der Gebühr, um mit den deutschen Tarifen mitzuhalten. Und wie wird „R-Pass“ auf deutscher Seite bewer- tet? „Grundsätzlich ist eine zusätzliche Belastung der Verkehrswirtschaft natürlich immer eher kritisch zu sehen“, sagt Norbert Uphues, Referent für Verkehr, Konjunktur und Statistik bei der IHK Südlicher Ober- rhein. Für deutsche Spediteure bedeute die Maut im Elsass ein weiteres bürokratisches Hindernis im grenz- überschreitenden Verkehr. Die Kosten für die Maut trage letztendlich aber der Kunde – egal, ob der Lkw auf rechts- oder linksrheinischen Autobahnen unter- wegs sei. Daniela Santo/Mélanie Jehl Um die Mautgebühren auf deutschen Autobahnen zu sparen, weichen Lkw auf die bisher kostenlosen Autobahnen im Elsass aus.
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