Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe März'25 -Südlicher Oberrhein
46 UNTERNEHMEN GRÜNDER J obanbieter und Unruheständler – auf der Plattform Sentaris finden sie ihr Perfect Match. Dabei geht es weniger um eine Fest- anstellung, sondern vielmehr um projekt- bezogene Zusammenarbeit. Das Haus streichen, endlich die große Rei- se starten, mit den Enkeln spielen – eine schöne Vorstellung vom Ruhestand, oder? Oliver Schubotz: Natürlich! Im Schnitt hört die Begeisterung über derartige Tätigkeiten aber nach sechs Monaten auf. Und danach bleibt noch viel Leben übrig. Wer aktiv blei- ben möchte, findet bei uns daher immer häufiger eine schöne Aufgabe. Jobbörsen gibt es wie Sand am Meer. Was ist das Besondere an Sentaris? Schubotz: Wichtig ist: Wir sind keine Job- vermittlung, wir begleiten Prozesse. Ru- heständler, die auf unserer Plattform ihre Skills und Verfügbarkeiten darstellen, haben die Chance, punktuell und flexibel zu arbei- ten. Es geht nicht darum, am Ende eines lan- gen Arbeitslebens die Strecke noch weiter zu verlängern. Das will auch kaum jemand. Wie entstand die Idee, Sentaris zu grün- den? Michael Käßberger: Ich habe früher für einen Konzern projektbezogen einen erfah- renen Mitarbeiter gesucht und niemanden gefunden. Ich war also sozusagen ein Leid- tragender. Über ein Mittelstandsnetworking kannte ich Oliver. Der trug die Idee einer Plattform wie Sentaris schon seit zehn Jah- ren mit sich. Wen sprechen Sie mit Ihrem Angebot an? Schubotz: Es gibt keine Grenzen. Schwer- punkt sind aber nicht die früheren CEOs, sondern Leute, die als Angestellte oder Sentaris in Singen Tinder für Unruheständler Oliver Schubotz und Michael Käßberger haben eine Online-Plattform entwickelt, die Unternehmen hilft, Fachwissen und Berufserfahrung von Ruheständlern nutzbar zu machen. Handwerker tätig waren. Um den gängigen Einwand direkt zu entkräften: Der Dach- decker soll nicht mit 70 Jahren oder mehr noch auf dem Dach herkumklettern. Aber er kann anleiten, überprüfen oder Aufträge schreiben. Und was ist der Benefit für Personalabtei- lungen? Käßberger: Unternehmen tun sich mitunter schwer, ältere Menschen fest anzustellen. Wir nehmen ihnen den Großteil dieses Auf- wands ab. Jobanbieter und Ruheständler melden sich kostenlos in unserer Commu- nity an. Bei einem Match rechnen wir dann über zwei Verträge ab. Einen für den Anbie- ter, einen für den Mitarbeiter. Die Firmen müssen auf diese Weise weder Personal- marketing, noch aufwändiges Onboarding betreiben. Unser Geschäftsmodell funkti- oniert über die Marge, die bei Vertragsab- schluss entsteht. Welche Ziele haben Sie sich für 2025 ge- setzt? Käßberger: Bislang liegt der Fokus auf der Region Bodensee. Hier sind die aktuell 350 Ruheständler in unserem Pool auch ansäs- sig. 2025 ist der bundesweite Rollout ge- plant. Wichtig ist, kontrolliert zu wachsen, sprich: Arbeitgeber-Angebote und die Auf- nahme von arbeitswilligen Ruheständlern parallel hochzufahren. Ende 2025 wollen wir 16 Mitarbeiter beschäftigen und den Jahresumsatz auf 700.000 Euro steigern. Benedikt Brüne Sorgen dafür, dass Wissensträger und Wissensuchende zusammenfinden: Mi- chael Käßberger (l.) und Oliver Schubotz. SENTARIS Gründer: Oliver Schubotz und Michael Käßberger Ort: Singen | Gründung: 2022 Branche: Personalvermittlung, Social- Networking Website: www.sentaris.works Bild: Benedikt Brüne
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