Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe März'25 -Südlicher Oberrhein
31 3 | 2025 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten IHK Südlicher Oberrhein REGIO REPORT www.schauenberg.de Stahlbau Schauenberg GmbH 79199 Kirchzarten Telefon +49 7661 397-0 Industriebau mit Vertrauen » » Planen schlau – schlüssig – schlüsselfertig ANZEIGE spreche Englisch.“ Dass sie jetzt den Integrations-Förderpreis der Volksbank Freiburg erhalten hat, hat vor allem damit zu tun, dass sie Integration lebt – und dies nicht nur beim Sprechen. Insgesamt betrachtet, tut sie dies übrigens auch noch ausge- sprochen erfolgreich. Weil Sara Dzida gerne lernt, hat sie auf ihre erste Ausbildung als Friseurin, die sie mit 16 Jahren begonnen hat, noch eine weitere als Kauffrau im Einzelhandel draufgepackt. „Meine erste Ausbildung war die Verwirklichung eines Kindheitstraums, nach der ich aber rasch feststellte, dass man damit einfach nicht ausreichend Geld verdienen kann“, blickt sie zurück. Sie googelte, welche Ausbildung noch passen könnte, und ging in zwei Unternehmen probearbeiten. Eines davon war die Müller Handels GmbH & Co. KG. Heute ist sie eine von deren 35.000 Mitarbeitern. Nicht nur wegen ihres Ausbil- dungsabschlusses mit der Note 1,4, sondern vor allen Dingen wohl aufgrund ihrer Zielstrebigkeit ist sie bereits Abteilungsleiterin im Be- reich Kosmetik. Im Januar steckt sie gerade in der Prüfungsphase zur Handelsfachwirtin. „Danach will ich die Ausbildereignungsprüfung ablegen und dann geht es in die Weiterbildung zur Betriebswirtin“, umreißt Sara Dzida ihre Zukunftspläne. Sowohl Polen als auch Deutschland ist Heimat Wie kommt es, dass sie, eine Vertreterin der Generation Z, der man oftmals mit Vorurteilen begegnet, dermaßen strebsam, ehrgeizig und leistungsorientiert ist – und dies auch noch als ein Mensch, der zum Beginn der Pubertät seine Heimat hinter sich lassen musste? „Ich kenne das nicht anders! Bevor wir nach Deutschland zogen, war mein Vater hier immer wieder zur Spargel- und Erdbeerernte, in Polen war er als Handwerker selbstständig. Meine Mutter ist gelernte Kfz-Mechatronikerin und hatte noch eine Lehre als Schnei- derin begonnen, bevor dann meine große Schwester zur Welt kam. Sie arbeitet unglaublich viel als Mama von sechs Kindern, was sie für mich zu einem großen Vorbild werden ließ.“ 2010 schließlich verbrachten die Eltern den Sommer zum Arbeiten in Deutschland – und nahmen kurzerhand ihre Kinder mit. „Deshalb war mir das Land auch gar nicht fremd. Irgendwie empfinde ich sowohl Polen wie auch Deutschland als meine Heimat“, erklärt sie. Mittlerweile ist Sara Dzida von Schliengen, wo ihre Familie wohnt, in ihre eigene Wohnung in Buchenbach gezogen, „einfach, weil ich Freiburg mag und weil ich der Stadt näher sein wollte“. Deutsch lernen mit Kinderfilmen Den mit insgesamt 5.000 Euro dotierten Integrations-Förderpreis teilt sich Sara Dzida mit einer weiteren jungen Frau. Das Geld wird in die Weiterbildung zur Betriebswirtin fließen, denn Sprachkurse braucht Dzida natürlich keine mehr. Allerdings war es auch nicht allein das Vokabelheft, das ihr zum akzentfreien Deutsch verholfen hat: „Wir haben damals auf dem Sperrmüll jede Menge VHS-Videos mit Kinderfilmen gefunden. Die haben wir uns reingezogen“, lacht sie. Sara Dzida ist aufgrund ihres persönlichen Engagements eine Bilderbuchkandidatin für den Integrations-Förderpreis, der auch die Persönlichkeit der Bewerber berücksichtigen soll. Aber das ist es nicht allein. Wie Jens Hupperich, Personalleiter der Volksbank Freiburg, erklärt, will man mit dem Integrations-Förderpreis auch die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung der Region fördern: „Für uns als Partner vieler mittelständischer Unternehmen hier im Südwesten ist klar, dass eine wirtschaftliche Entwicklung ohne gut ausgebildete Fachkräfte unmöglich ist. Wir unterstützen gerne Menschen mit Migrationshintergrund, die sich mit Engage- ment in unserer Region einbringen und Herausragendes leisten. Ihre erfolgreiche Integration ist ein Gewinn für uns alle, und wir freuen uns, sie mit unserem Integrations-Förderpreis seit vielen Jahren zu unterstützen.“ Doris Geiger
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