Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe März'25 -Südlicher Oberrhein
20 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 3 | 2025 19 IHK-Kojunkturumfrage Katerstimmung in Industrie und Bauwirtschaft 21 Neuauflage Zweites Käpsele Innovation Festival 23 Fortbildung Beratungsstelle ist umgezogen 24 Verpackungssteuer „Ein Bürokratiemonster“ 25 Fachkonferenz Schaffen von Wohnraum 26 Webinar-Reihe Neue Staffel „Digitale Impulse“ 27 NIS-2 Neue Cybersicherheitspflichten für Unternehmen 30 Förderpreisträgerin Sara Dzida „Ich lerne sehr gerne!“ 34 IHK-Lehrgänge im Porträt Geprüfter Meister vernetzte Industrie INHALT vergangenen sechs Jahren herrschte in der Wirtschaft insgesamt Stagnation. Liebherr: „Sollte die Wirtschaft wie prognostiziert erst 2026 wieder anspringen, wären es sogar sie- ben verlorene Jahre.“ Der Index der Geschäftslage verharrt am südlichen Oberrhein im Vergleich zum Herbst unverändert bei sieben Punkten und damit weit unter seinem zehnjährigen Mittelwert von 33 Punkten. 29 Prozent der Unterneh- men geben noch eine gute Geschäftslage an, bei 21 Prozent ist diese schlecht. Während die Lageeinschätzung in den verschiedenen Branchen des Dienstleistungssektor noch überwiegend positiv ist und sich sogar leicht verbessert hat, herrscht in Industrie und Bau- wirtschaft wie zuletzt Katerstimmung. „Wir können Stand heute nicht sagen, dass sich die Situation in den kommenden Monaten zum Positiven verändern wird“, sagte Wagner. Denn der Index der Geschäftserwartungen bleibt mit minus 15 Punkten tief im negati- ven Bereich, auch wenn er im Vergleich zum Herbst immerhin zwei Punkte gutgemacht hat. Gerade einmal elf Prozent der Unternehmen am südlichen Oberrhein schauen optimistisch in die Zukunft. 26 Prozent rechnen mit einer weiteren Verschlechterung der Geschäfte in den kommenden zwölf Monaten. Thema Arbeitslosigkeit wieder im Fokus Die Angaben zur aktuellen Geschäftslage und den zukünftigen Geschäftserwartun- gen werden zum IHK-Konjunkturklimaindex kombiniert. Dieser kann Werte zwischen 0 und 200 annehmen, wobei Werte über 100 Wirtschaftswachstum anzeigen und Werte unter 100 auf eine Rezession hindeuten. Zum Jahresbeginn bewegt sich der Index im Ver- gleich zum Herbst kaum. In Folge der etwas weniger negativen Geschäftserwartungen macht er zwei Punkte gut, bleibt aber mit 96 Punkten in rezessiven Gefilden. Nach Jahren der wirtschaftlichen Stagnation zeigt der Blick auf den Arbeitsmarkt eine ver- änderte Bewegung. Lange war der allgemeine Fachkräftemangel das wichtigste Thema in den Personalabteilungen und Führungsetagen. Dieser bleibt angesichts des demografischen Wandels auch relevant – immerhin für 46 Prozent der befragten Unternehmen ist er ein Risiko der eigenen wirtschaftlichen Entwick- lung. Doch das Thema Arbeitslosigkeit rückt gleichzeitig wieder stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. So hat sich die Zahl der Arbeits- losen im Kammerbezirk in den vergangenen vier Jahren um fast 6.000 Menschen und damit um rund 27 Prozent erhöht. Es steht zu befürchten, dass dies noch nicht das Ende dieser unerfreulichen Entwicklung ist. Befragt nach ihren Beschäftigungsplä- nen können sich nur noch acht Prozent der Unternehmen einen Stellenzuwachs vorstel- len, jedes vierte Unternehmen plant, Stellen abzubauen. Der Index der erwarteten Be- schäftigung verliert vier Punkte und steht mit minus 17 Punkten nun so tief wie seit dem ersten Jahr der Covid-19-Pandemie nicht mehr. „Wir dürfen uns nichts vorma- chen. Wenn Industrie-Arbeitsplätze hier am Heimatstandort verloren gehen, weil in Pro- duktionsstätten im Ausland investiert wird, kommen diese Arbeitsplätze in der Regel auch nicht mehr zurück nach Deutschland“, erklärte Wagner. Unzufrieden mit der Wirtschaftspolitik Dass die Lust auf Investitionen in neue Gebäu- de und Produktionslinien deutlich gedämpft ist, zeigt die Umfrage ebenfalls. Gerade einmal noch 18 Prozent der Unternehmen geben an, im Inland zur Kapazitätserweiterung zu inves- tieren. In den Jahren 2015 bis 2018 lag dieser Wert im Schnitt noch bei 34 Prozent. Die häu- figsten Motive sind aktuell Ersatzbedarf mit 75 Prozent, Digitalisierung mit 49 Prozent und Rationalisierung mit 37 Prozent. Welche Risiken sehen die Unternehmen als besonders groß an, wenn es um die Entwick- lung des eigenen Unternehmens geht? Die Energie- und Rohstoffpreise feiern ein un- erfreuliches Comeback. Kurz nach Beginn des russischen Angriffskriegs im Jahr 2022 sorgten sich 83 Prozent der hiesigen Unter- nehmen um deren Entwicklung. Trotz noch immer erhöhten Preisniveaus nahm der Anteil in den vergangenen Jahren jedoch kontinu- ierlich ab. Zum Jahresbeginn 2025 ist dieser Risikofaktor jedoch mit 56 Prozent wieder einer der zwei meistgenannten. Fast ebenso häufig genannt wurden mit 52 Prozent die Arbeitskosten. Bedeutsam ist weiterhin die Unzufriedenheit der Unternehmen mit der Wirtschaftspolitik. Waren es vor zwei Jahren noch lediglich 19 Prozent der Unternehmen, die hier ein Risiko sahen, hat sich dieser Anteil bis heute auf 43 Prozent mehr als verdoppelt. Wagner: „Das ist ein großes Alarmzeichen in Richtung Berlin und Stuttgart. Gut gemeinte Reformvorschlä- ge reichen nicht aus. Die neue Bundesregie- rung darf nicht zu viel Zeit verspielen, muss Impulse setzen und vor allem positive Signale senden, damit die Unternehmen wieder Ver- trauen in den Standort bekommen und auch wieder hier investieren.“ tas Tobias Symanski/IHK SO IHK-Präsident Eberhard Liebherr fordert unter anderem einen deutlichen Bürokratieabbau in Deutschland, um die Wirtschaft wieder in Fahrt zu bringen.
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