Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe März'25 -Südlicher Oberrhein
Werner jüngst in einem Interview mit den Badischen Neuesten Nachrichten erklärt. Pläne von Karl Lauterbach könnten diesen Überlegungen in die Karten spielen. In sei- ner Funktion als Bundesgesundheitsminis- ter wollte er mit einer Apothekenreform gegen den Rückgang der Apotheken vor- gehen. Unter anderem sollen Apotheken nicht mehr ausschließlich von Apothekern geleitet werden dürfen, sondern auch von Pharmazeutisch-Technischen-Assistenten. Das sollte gegen den Personalmangel hel- fen. Denn es fehlt an Fachkräften wie an Nachwuchs. Die Reform sollte au- ßerdem Filialgrün- dungen erleichtern. Bislang dürfen Apo- theker nicht mehr als drei Filialen be- treiben. Nach Kritik von Apothekerseite und dem Ampel-Aus liegen die umstrittenen Pläne derzeit aller- dings auf Eis. Wer übernimmt den Notdienst? Von vielen Seiten lastet also Druck auf den Apotheken. Fragt man bei der Landesapo- thekerkammer (LAK) Baden-Württemberg nach, spricht die wenig überraschend von einem „besorgniserregenden Trend“, der besonders in ländlichen Regionen die Die regulatorischen Rahmenbedingungen könnten sich daher bald ändern, glaubt man bei dm. „Wenn es zu einer gesetzlichen Neu- regelung in Deutschland kommt (…), wird es sicher unternehmerische Initiativen geben, die diese dringend erforderlichen Verände- rungen mit konstruktiven Lösungen nutzen“, so Bayer. „Sie sind dann, wie wir, Teil einer Lösung, wenn es um eine erschwingliche, verlässliche und vor allem flächendeckende Versorgung mit Gesundheitsprodukten in Deutschland geht.“ Wie das aussehen könnte, da hat man bei dm offenbar schon recht genaue Vorstellun- gen. Drogerien mit integrierter Apotheke, wie es sie in den USA gibt, könnten ein Vor- bild sein, hat dm-Geschäftsführer Christoph wohnortnahe Versorgung mit Arzneimitteln gefährde. Dabei wird schnell klar: Apotheken haben eine schwierige Doppelrolle: Einerseits müssen sie betriebswirtschaftlich arbeiten, andererseits haben sie einen staatlichen Auftrag, die Bevölkerung mit Arzneimitteln zu versorgen, was auch den Notdienst an Sonn- und Feiertagen beinhaltet, erklärt LAK-Präsident Martin Braun. Und wer soll das übernehmen, wenn es immer weniger Apotheken gibt? Wie weit sollen die Men- schen fahren, wenn sie nachts wegen Durchfall oder Er- kältung ein Medi- kament brauchen? Was tut, wer nicht mobil ist? Über- haupt, der direkte, persönliche Kontakt zum Kunden, den die Apotheken bie- ten, Beratung, Hilfe bei nicht lieferbaren Medikamenten oder auch nur ein paar nette Worte, wenn es dem Gegenüber schlecht geht - „Das kann kein Call-Center-Agent irgendwo auf der Welt, kein Automat, keine KI“, glaubt Braun. Und so entlaste man auch die Hausarztpraxen. Der LAK-Präsident fordert ein Sofortpro- gramm für Apotheken, das ihre finanzielle Basis stärken soll. Durch einen Sockelbe- LAK-Präsident Martin Braun Bild: LAK; Redcare Pharmacy „Die persönliche Interaktion zwischen dem, der Hilfe sucht, und dem, der hilft - das kann keine KI“ 10 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 3 | 2025
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