Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe März'25 - Hochrhein-Bodensee
32 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 3 | 2025 REGIO REPORT IHK Hochrhein-Bodensee www. BOLLENHUTKLINGEL .de ANZEIGEN K lar: Während der Wintermonate liefert eine Photovoltaikanlage nur wenig Ener- gie. Doch im Sommer reicht die Anlage auf dem Dach der Megu für den Betrieb des Schopfheimer Gussunternehmens komplett aus und speist zudem Strom ins Netz. Die Anlage ist eine von vielen Maßnahmen, die Michael Obermeier in seinem Unternehmen umgesetzt hat. Und das zu einer Zeit, als Klimaschutz und Nachhaltigkeit noch kein so großes Thema waren. Dazu gebracht hat ihn sein Vater Rolf, der in Schopfheim damals ebenfalls einen Modell- und Formenbau mit angeschlossener Gießerei betrieben hat. 1998 erfüllt sich der damals 28-Jährige sei- nen beruflichen Traum: Im Schopfheimer Industriegebiet Lus baut Michael Obermeier mit Unterstützung seines Vaters ein eigenes Unternehmen für Aluminiumguss auf. „Ich habe von ihm gelernt, nicht nur sparsam zu agieren, sondern auch eigene Lösungen zu finden“, erläutert er knapp 27 Jahre später. Die Preise für Energie mögen damals gerin- ger gewesen sein, dennoch „ist das auch Geld“, formuliert er den Ansatz. Auf gut 400 Quadratmetern Dachfläche werden daher PV-Module installiert, dazu lässt er sich einen Elektroschmelzofen anfertigen, der von diesen gespeist werden kann. Bei der PV-Anlage entscheidet er sich für einen deutschen Hersteller, obwohl die Paneele aus China „deutlich billiger waren“. „Viele haben mir damals abgeraten. ‚Das kann nicht funktionieren‘, wurde mir gesagt“, erinnert er sich – und lächelt verschmitzt, denn es hat funktioniert. Und ausgezahlt hat sich sein Einsatz auch. Wobei Michael Ober- meier sehr langfristig geplant hat. „Bei der Installation der PV-Anlage und dem Elektro- Schmelzofen bin ich von einer Amortisation von 19 Jahren ausgegangen.“ Doch die Rech- nung ging deutlich besser auf: Bereits nach gut acht Jahren war der ROI erreicht. Und die Anlage funktioniert weiterhin. „Nur eines der PV-Paneele musste in den vergangenen 27 Jahren ersetzt werden“, berichtet Obermeier. Auch diese Investition habe sich ausgezahlt. Zwar muss die Megu – gerade im Winter – Energie in Form von Strom und Heizöl ein- kaufen. Das Heizöl benötigt Obermeier, um zwei weitere Öfen, die im Notfall als Backup dienen oder noch seltener bei Legierungs- wechsel und Wartungsarbeiten gebraucht werden, zu betreiben. Das ändert nichts an der positiven Berechnung: Die Gesamtein- sparung beziffert er auf 75 Prozent. Erreicht wird dieser Wert unter anderem, weil der Ingenieur für Gießereitechnik den Produktionsablauf so weit wie möglich auf die Energiegewinnung durch Sonnenstrah- lung ausgerichtet hat. Der erste Guss ist dann nicht morgens um 7 Uhr, sondern erst gegen 9 oder 10. Auf 700 bis 760 Grad muss der E-Ofen dafür aufgeheizt sein. „Im Sommer reicht die Energie vom Dach völlig aus und wir müssen nichts zuschießen.“ Dazu hat er eine Wärmerückgewinnung im Schmelzbetrieb sowie am Ölkühler der Kompressor-Anlage installiert, die Wärme wird ins Heizsystem einspeist und zur Warm- wasseraufbereitung genutzt. Auch die Um- stellung der Beleuchtung auf LED trägt zum Gesamtergebnis bei. „Das größte Einspar- potential hat man, wenn man von Anfang an nachhaltig mit Materialien und Energie umgeht“, sagt der 54-Jährige. Das Engagement wird wahrgenommen: Die Megu Metallguss ist seit Herbst 2024 als erste Gießerei Baden-Württembergs „Part of Greentech BW“. 2023 wurde sie als „Gipfel- stürmer“ von der Kompetenzstelle für Ener- gieeffizienz (KEFF) in Stuttgart ausgezeichnet und seit 2022 ist sie in der Liste „100 Betriebe Ressourceneffizienz“ in Baden-Württemberg aufgeführt. Dass dieses Vorgehen über diese lange Zeit erfolgreich ist, liege aber auch am Team, sagt Michael Obermeier: „Sie ziehen nicht nur mit, sondern bringen auch Ideen ein, damit wir sinnvoller mit unseren Res- sourcen umgehen können“, lobt er: „Ohne die würde es nicht funktionieren!“ mrk https://www.megu-gmbh.de Bei Megu Metallguss in Schopfheim dreht sich alles um Aluminiumguss in Sand. Das Unternehmen, 1998 von Michael Obermeier gegründet, setzt schon seit vielen Jahren auf Energieeffizienz und sinnvolle Energiegewinnung. Schon 2010 wurde eine PV-Anlage auf dem Dach installiert und im folgenden Jahr auf gut 400 Quadratmeter mit 91 kWp erweitert. Energie sinnvoll nutzen Mit der Sonne zu flüssigem Aluminium Michael Obermeier
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