Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe März'25 - Hochrhein-Bodensee

28 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 3 | 2025 A usbildungsberaterin Katharina Prom- mersberger-Messner im Geschäftsfeld Aus- und Weiterbildung der IHK freut sich sehr über die beiden französischen Azubis. Nicht nur sie würde sich wünschen, dass diese Zahl nach oben geht. Auch die Ver- antwortlichen bei Hieber in Weil würden das begrüßen. Zumal die Bedingungen dafür gegeben sind, wissen Marktleiter Dimitri Eckermann und Ausbilderin Birgit Hinz. Das Unternehmen Hieber, das 16 Edeka-Märkte zwischen Bad Krozingen und Lörrach führt, präsentiert sich jedes Jahr auf der Berufs- infomesse in Saint-Louis und arbeitet eng mit dem dortigen Lycée Jean Mermoz zu- sammen. Es ist das größte berufsbildende Gymnasium im Elsass. Zwischen dem Lycée und der IHK Hochrhein-Bodensee besteht seit 2013 eine Kooperation. Von institutioneller Seite wird sowohl in Frankreich als auch Deutschland viel getan, um das Interesse an einer Ausbildung in der Bundesrepublik zu wecken. „Neben der Berufsmesse gibt es jährlich Besuche von Schulklassen des Lycées in unseren Märkten, wo die Schüler hinter die Kulissen schauen dürfen und mit unseren Auszubildenden sprechen können“, erläutert Karsten Pabst, geschäftsführender Gesellschafter von Hie- ber. Das Thema der grenzüberschreitenden Ausbildung wird auch von der Geschäftslei- tung intensiv verfolgt und unterstützt. „Wir suchen immer Auszubildende in allen Berei- chen“, sagt Pabst. Über Partner wurden und werden etwa potenzielle Azubis in Vietnam, Indien und Spanien angesprochen. Das En- gagement in Frankreich begann vor mehr als zehn Jahren: 2013 kam der erste elsässische Azubi zu Hieber. Auch Behar Fazliu nutzte die Berufsinfo- messe in seiner Heimatstadt, um Kontakt mit dem deutschen Lebensmittelhändler auf- zunehmen. Angeregt dazu hatte ihn seine ältere Schwester, die Hieber bereits kannte. Das Gespräch mit Dimitri Eckermann und die Rahmenbedingungen der Ausbildung wie Ur- laubstage, Arbeitszeiten und Flexibilität seien ausschlaggebend für seine Entscheidung ge- wesen, sagt er. Und dann fügt der Franzose, der dieses Frühjahr seinen 18. Geburtstag feiert, hinzu: „Außerdem war die berufliche Perspektive bei uns nicht so gut.“ Das sagt auch die Statistik: „Die Jugendarbeitslosig- keit im Elsass ist deutlich höher als auf der anderen Seite des Rheins“, berichtet Katha- rina Prommersberger-Messner. Sprache ist der Schlüssel Im Verkauf spielt die Beratung eine zentrale Rolle. Sprachliche Fertigkeiten jenseits des normalen Schuldeutschs sind daher notwen- dig. Schon in der Schule werde das thema- tisiert, weiß Birgit Hinz, „und bewusst ange- gangen“. Wichtig auf Ausbilderseite sei es dann, die Auszubildenden aufzufangen und sich Zeit für sie zu nehmen. „Die Betreuung ist etwas intensiver und oft persönlicher“, be- richtet sie. Und stößt damit auf den Rückhalt von Karsten Pabst: „Ich bin überzeugt, dass so ein Vorhaben nur mit Leidenschaft und Engagement funktioniert.“ Der vermeintlich höhere Betreuungsaufwand ist jedoch nur eine Seite der Medaille. Denn im Gegenzug punkten die Auszubildenden aus Frankreich mit anderen Werten, zählt Dimitri Eckermann auf: „Disziplin, Zuverlässigkeit und Verant- wortungsbewusstsein genießen in der fran- zösischen Schulbildung einen viel höheren Stellenwert. Das spüren wir im täglichen Miteinander sehr positiv.“ Die Zweisprachigkeit der französischen Azu- bis habe weitere Vorteile: „Wir haben durch die Grenznähe viele Kunden aus dem Elsass. Da hilft es uns natürlich, wenn sie einen Ansprechpartner haben, der ihre Sprache Bilder: Patrick Merck » Den Rhein als Grenze aus dem Kopf bekommen « Seit anderthalb Jahren ist Behar Fazliu Auszubildender im Hieber-Markt in Weil am Rhein. Der junge Mann ist einer von aktuell zwei Franzosen im Kammerbezirk der IHK Hochrhein-Bodensee, die eine grenzüberschreitende Ausbildung absolvieren. Und es sollen mehr werden. Ausbildung weitergedacht Behar Fazliu pendelt für sei- ne Ausbildung von Saint-Lou- is nach Weil am Rhein. „Die Perspektiven in Deutschland waren besser“, sagt der jun- ge Elsässer, der im zweiten Lehrjahr zum Verkäufer ist.

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