Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe März'25 - Hochrhein-Bodensee
20 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 3 | 2025 REGIO REPORT IHK Hochrhein-Bodensee 19 Gastbeitrag Julian Nida-Rümelin über Voraus- setzungen einer erfolgreichen Ökonomie 22 Konjunkturbericht Zukunft ist von Unsicherheiten geprägt 24 Social-Media-Marketing IHK-Workshop mit Frank Neuhaus am 31. März 26 EMAS-Zertifikat Deponie Lachengraben zum sieb- ten Mal ausgezeichnet 28 Ausbildung Bei Hieber blickt man über die Grenze hinweg 30 Klimaserie Martin Pfränger über die Plattform für Abwärme (PfA) 32 Energieeffizienz Wie Megu Metallguss die Kraft der Sonne nutzt 34 Termine Lehrgänge und Seminare INHALT staatliche Repression und Restriktionen. Das ist die Reaktion. Das heißt: Wenn wir die Freiheit einer Demokratie, die sich als freiheitliche Demokratie versteht, und einer Wirtschaftsordnung, die eine freiheitliche Wirtschaftsordnung ist, selbstverantwortlich aufrechterhalten wollen, geht das nicht ohne moralische Prinzipien in beiden Bereichen. Wenn diese moralischen Prinzipien auf breiter Front nicht eingehalten werden, dann sehe ich in der Tat schwarz – sowohl für die Demokratie, den Staat und die Gesellschaft als auch für eine am Menschen orientierte, humane und dynamische Ökonomie. Wo bleibt das Positive? Ich glaube, wir haben gerade in Deutschland grundsätzlich gute Voraussetzungen. Deutschland ist ein Land, das in der Vergangenheit viel Unheil über die Welt gebracht hat, aber auch eine bemerkenswerte Fähigkeit besitzt, sich aus den absoluten Tiefpunkten der Geschichte wieder herauszuarbeiten. Wir haben trotz aller Kritik ein Bildungssystem, das weltweit selten zu finden ist – zum Beispiel eine hochqualifizierte Facharbeiterschaft, die es in den USA in dieser Form nicht gibt. Wir haben Fehler gemacht. Ich habe in meinem Buch den ‚Akade- misierungswahn‘ beschrieben, der beinahe unser gutes System kaputt gemacht hätte. Viele mittelständische Unternehmen, die handwerklich-technisch orientiert sind, leiden bis heute darunter. Es ist aber noch nicht zu spät. Wir haben gute Voraussetzungen. Wir haben ein noch weithin in- taktes Arbeitsethos. Wir haben technisch-handwerkliche Kompe- tenzen, um die uns viele auf der Welt beneiden. Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn wir nicht eine Phase erreichen, die ich mir erhoffe: Verantwortungswahrnehmung für das Ganze – sowohl in der Politik als auch in der Wirtschaft – und Freisetzung von Individualität, Kreativität und Erfindungsreichtum durch eine Rücknahme staat- licher Regulierungen. Dann können wir eine gute Zukunft haben. Das wünsche ich uns. Das wünsche ich Ihnen. Sie tragen eine wich- tige Verantwortung.“ Julian Nida-Rümelin Julian Nida-Rümelin
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