Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Februar'25 -Südlicher Oberrhein

49 2 | 2025 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten Jessica Schilling und ihre Cucaps Frank Pilz (l.) und Steffen Waltenberger Die Basis für die spätere Gründung ihres Unternehmens war eine Herausforderung in der eigenen Küche: Jessica Schilling wollte gefüllte Cupcakes, also Tassenküchlein, her- stellen – und zwar ohne nach dem Backen Teig herausschneiden zu müssen. Denn das ist aufwändig und es bleibt viel Teig unge- nutzt übrig. Und so machte sich die Wirt- schaftsingenieurin aus der Medizintechnik ans Erfinden… Am Ende entstand ein auf den ersten Blick einfaches Produkt. Ein Platzhalter, der mittig in das Produkt gedrückt und mitgebacken wird. Auf diese Weise entsteht eine kreisrun- de Ausbuchtung, die beliebig gefüllt werden kann. Jessica Schilling experimentiert mit verschie- denen Materialien und entscheidet sich am Ende für hochwertiges Silikon, wie es auch in der Lebensmittelbranche eingesetzt wird. Lockdown, Insolvenzen, Lieferengpässe: Die Corona-Pandemie haben die wenigsten Fir- men im Südwesten in guter Erinnerung. Für Frank Pilz und Steffen Waltenberger hat sich der Mut ausgezahlt, gerade in dieser schwie- rigen Zeit ein Unternehmen zu gründen. Mit Giltec haben sie eine Lücke geschlossen, die der Rückzug eines großen Vertragshändlers für Gabelstapler in Singen und Umgebung hinterlassen hatte. Als dessen Angestellte hatten sie viel Know-how und einige Kunden- kontakte erworben – und damit ein überaus hilfreiches Startkapital. Am 8. Januar 2021 trug das Duo seinen Entschluss ins Handels- register ein – und den Firmennamen bilden seither die Anfangsbuchstaben von Gabel- stapler, Industrie und Lager. „Wir haben bei Null angefangen“, sagt Pilz, der seit 15 Jahren am westlichen Bodensee zu Hause ist. Der gemeinsame Schritt in die Cucap in Mühlheim Der Stöpsel für die Füllung Giltec in Singen Ehrliche Hochstapler Auf den ersten Blick ist der Cucap ein simples Produkt – doch der Effekt rund um den Tassenkuchen ist groß. Lagertechnik und Flurförderzeuge sind das Spezialgebiet von Frank Pilz und Steffen Waltenberger. 2020 meldet sie ihr Förmchen zum Patent an. Ihr eigentliches Vorhaben: das Produkt an einen Hersteller verkaufen. „Es war nie geplant, dass ich selbst Unternehmerin wer- de“, sagt die Mühlheimerin. Doch weil das Interesse an dem Cupcake-Plug, daher der Name Cucap, groß ist, entschließt sie sich zur Selbstvermarktung, Cucap entsteht. 2020 eröffnet sie ihren Online-Shop. „2022 lag der Umsatz bei 50.000 Euro“, verrät sie, mehr aber nicht. 2023 zeigt sie sich und ihr Produkt erfolgreich in der „Höhle der Lö- wen“. Mittlerweile hat sich rund um den Cucap eine kleine Welt aus Kochbüchern, Sets und Events gebildet, die Jessica Schilling weiter ausbauen möchte. Noch macht sie das al- lein. Das wird sich ändern, ist sie überzeugt und fügt bedeutungsvoll hinzu: „2025 wird ein spannendes Jahr.“ Patrick Merck Selbstständigkeit entpuppte sich als gold- richtig: Den Jahresumsatz steigerte Giltec von 700.000 Euro im ersten Jahr auf rund zwei Millionen Euro 2024, die Zahl der Kun- den von zehn auf 400. Aus der Zwei-Mann-Show wurde eine Firma mit zehn Beschäftigten. Die Hälfte des Ge- schäfts erwirtschaftet Giltec mit Services rund um Gabelstapler und Regalsysteme, gut ein Drittel mit dem Handel neuer und gebrauchter Geräte. Hinzu kommt eine drit- te Säule mit Aus- und Weiterbildungen, die die im Ortsteil Friedingen ansässige Firma im Singener Industriegebiet durchführt. „Die Zeit spielt für uns“, sagt Pilz. In der Branche seien viele Firmenchefs sehr viel älter als Waltenberger und er. Seinem jungen Unter- nehmen biete dies viel Potenzial zu wachsen – mit „Geduld und Durchhaltevermögen“, un- terstreicht Pilz. Benedikt Brüne Bild: Benedikt Brüne

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