Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Februar'25 -Südlicher Oberrhein
38 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 2 | 2025 Braucht es andere gesetzliche Rahmen- bedingungen? Ich könnte mir vorstellen, dass Saisonbetriebe ein liberaleres Arbeitszeitgesetz befürworten und eher keine Anhebung des Mindestlohns. Es braucht vor allem einen massiven Abbau der Regulatorien, Verordnungen, Gesetze und Regulierungen. Es ist unfassbar, mit welchen Auflagen und Anforderungen tag- täglich in der Tourismus-Branche gekämpft werden muss. Das macht mich wirklich sprachlos. Dadurch werden Innovationen und Investitionen verhindert. Ich möchte Hoffnungsträger im Tourismus sehen und nicht ständig Bedenkenträger, die mit einer neuen Verordnung um die Ecke kommen und es Unternehmern schwermachen. Diese 100-prozentige Vollkaskomentalität kenne ich nur von Deutschland. in südeuropäischen Ländern und mit Som- mertemperaturen um 40 Grad urlauben wollen. Aber wenn Urlaub vor der Haustür deut- lich teurer ist als eine Flugreise – dann wird es vermutlich schwer, preissensible Kunden zu gewinnen, oder? Absolut, aber ich denke, der Urlaub im Schwarzwald darf niemals über den Preis verkauft werden. Wenn wir uns erstmal in den Wühltisch der Schnäppchen einordnen, haben wir schon verloren. Es wird immer und überall Angebote geben, die billiger sind als der Schwarzwald. Wir müssen mit Qualität und Dienstleistung überzeugen, daneben ha- ben wir auch noch eine Reihe von weiteren Faktoren, die für einen Schwarzwald-Urlaub sprechen. Seit 2019 sind in Baden-Württemberg 5.000 gastronomische Betriebe ver- schwunden – ein Siebtel der gesamten Branche. Ist das ein gesunder Struktur- wandel oder eine Entwicklung, die Ihnen Sorgen macht? Das ist alles andere als ein gesunder Struk- turwandel, zumal die Ursachen ja bekannt sind: Kostendruck, Energiepreise, Personal- mangel, Nachfolgeproblematik, mangelnde Wertschätzung für Dienstleistung und die Streichung der Mehrwertsteuer-Regelung. Diese Entwicklung macht uns Sorgen, weil der Schwarzwald die Genießerecke Deutsch- lands ist und bleiben soll. Aber auch hier bin ich ein unverbesserlicher Optimist. Es haben auch eine Reihe neuer Betriebe eröffnet und ich höre, dass die Personalproblematik nicht mehr so akut ist wie noch vor zwei Jahren. Hansjörg Mair (oben rechts) setzt auf die KI-genierte Schwarzwald-Marie als Botschafter, um den Schwarzwald für Urlauber noch attraktiver zu machen. Wichtige Themen für morgen: Weintourismus und Eco-Camping UNTERNEHMEN Fotos: © Felix Groteloh/Schwarzwald Tourismus ; Jigal Fichtner/Schwarzwald Tourismus
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