Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Februar'25 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

62 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 2 | 2025 SERVICE RECHT D ie USA sind Deutschlands wichtigster Handels- partner: In keinem anderen Land werden mehr deutsche Produkte verkauft. Umgekehrt sind deutsche Unternehmen für etwa zwölf Prozent aller ausländi- schen Direktinvestitionen in den USA verantwortlich. Beide Länder sind also wirtschaftlich stark verflochten. In dieser Situation hat die zweite Amtszeit von Donald Trump als 47. Präsident der Vereinigten Staaten in der deutschen Wirtschaft einige Besorgnis ausgelöst. Die Sorgen sind begründet; gleichzeitig bieten die Ent- wicklungen neue Chancen für deutsche Unternehmen. Handelshemmnisse und Zollpolitik Ein zentrales Thema ist die Ankündigung Trumps, als eine der ersten Amtshandlungen hohe Importzölle zum Schutz der amerikanischen Wirtschaft einzuführen. Diese sollen sich insbesondere gegen Importe aus Chi- na, Kanada und Mexiko richten, beträfen aber auch deutsche Unternehmen. Denn zahlreiche in die USA im- portierte Produkte enthalten Komponenten aus China oder werden aufgrund der bislang bestehenden Zoll- freiheit in Mexiko produziert. Beide Geschäftsmodelle sind gefährdet. Gleichzeitig lockt Trump mit niedrigen Steuern und Energiekosten sowie geringer Regulierung. Es spricht deshalb einiges dafür, Produktionskapazitä- ten in den USA auf- oder auszubauen. Als Einstieg in den US-Markt bieten sich Partnerschaften mit lokalen Unternehmen an, sei es in Form einer losen Kooperati- on oder durch Beteiligungen und Übernahmen. Die Bedeutung von Reformen in Europa Während Trump Industrieansiedlungen in den USA fördern will, sind Unternehmen hierzulande einem unguten Gemisch aus hohen Arbeits-, Energie-, Re- gulierungskosten und Steuerbelastungen ausgesetzt. Dennoch hat Deutschland alle Zutaten, um als Standort attraktiv zu bleiben: eine gute mittelständische Indust- riebasis, hervorragende Bildungs- und Forschungsein- richtungen, privates und institutionelles Kapital, Stabili- tät. Die Innovationsagenda 2030 des Bundesverbands Deutsche Startups enthält etliche gute Vorschläge, wie Deutschland wieder in Schwung gebracht und wettbewerbsfähig gemacht werden kann. Zudem hat auch die EU erkannt, dass Schlüsseltechnologien in Europa wichtig sind; dementsprechend wurden För- derprogramme für heimische Investitionen aufgelegt. Chancen in einem schwierigen Umfeld Vor diesem Hintergrund sind schnelle Investments in den USA sorgfältig zu prüfen. Bei Unternehmenskäufen werden sehr hohe Preise aufgerufen. Zudem ist das Risiko zu scheitern hoch: Die Unternehmenskulturen unterscheiden sich deutlich und die Entfernungen sind zu groß, um als deutscher Mittelständler ohne Weite- res eine US-Tochter zu führen und zu integrieren. US- amerikanische Unternehmen klagen im industriellen Bereich auch schon heute über Fachkräftemangel, was den Aufbau von zusätzlichen Produktionskapazitäten in den USA erschwert. Dass Deutschland als Standort trotz aller Probleme nicht ganz schlecht ist, beweisen die jüngsten Inves- titionen von Pharmakonzernen: Das US-Unternehmen Eli Lilly investiert 2,3 Milliarden Euro in den Bau einer hochmodernen Fabrik in Rheinland-Pfalz, das japa- nische Unternehmen Daiichi-Sankyo eine Milliarde Euro in eine Produktionsstätte für neue Krebsmittel im oberbayerischen Pfaffenhofen. Pfizer und Sanofi haben ebenfalls Millioneninvestitionen angekündigt. Auch im Bereich erneuerbare Energien, Energieeffizi- enz und -speicherung bieten sich gute Geschäftsmög- lichkeiten für deutsche Unternehmen. Für sie bleiben (auch) die USA ein interessanter Markt. Blick nach vorne Deutsche Unternehmen sind gut beraten, auf Schnell- schüsse zu verzichten und stattdessen die weiteren Entwicklungen zu beobachten. Wenn die neue Bundes- regierung es schafft, mit gezielten Maßnahmen (auch auf europäischer Ebene) die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen zu stärken, darf den kom- menden Herausforderungen optimistisch entgegen- geschaut werden. Trumps Wirtschaftspolitik Die USA bleiben ein interessanter Markt Die zweite Amtszeit von Donald Trump in den USA besorgt die deutsche Wirtschaft. Auch unsere Fachautorin meint: Sein Hang zum Protektionismus birgt Risiken. Gleichzeitig sieht sie aber durchaus neue Chancen für deutsche Unternehmen. Unsere Autorin Barbara Mayer ist Fachanwältin für Handels- und Gesellschaftsrecht bei Advant Beiten in Freiburg

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