Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Januar'25 -Südlicher Oberrhein
17 1 | 2025 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten MENSCHEN KOPF DES MONATS Fotos: Michael Bode V iele Unternehmerkollegen dürften sich noch erinnern: Wenn Karlhubert Di- schinger als IHK-Präsident in Freiburg seine Neujahrsansprache hielt, dann kamdarin stets eine Geschichte vor. Etwa von der Löwin und der Gazelle, die, um zu überleben, beide schneller sein müssen als die andere. Oder von zwei Schuhverkäufern, die in Afrika, wo alle barfuß liefen, entweder einen riesigen oder gar keinen Markt sahen. Dischingers Botschaft während seiner zehnjährigen IHK- Präsidentschaft von 2001 bis 2011 war stets: Wer mit Optimismus und Mut ans Werk geht, kann vieles möglich machen. Optimismus und Mut hat der heute 74-Jährige auch selbst öfter gebraucht. Denn bereits als 25-Jähriger übernahm er 1975 in vierter Generation die 1879 gegründete Spedition in Ehrenkirchen. Aufgrund der langen schweren Krankheit des Vaters unterstützte der junge Karlhubert bereits früh seine Mutter bei den Geschäften. „Schon als Schüler hatte ich meinen Lkw-Führerschein“, erinnert er sich, „um sonntags den Milchwagen zu fahren“. Die Milchwagen fahren indes noch heute: Seit 1933 gehört Schwarzwaldmilch zu Di- schingers ältesten und treuesten Kunden. Die Nachfolge ist geregelt Es folgten 41 Jahre, in denen Karlhubert Dischinger das Unternehmen zum erfolgrei- chen Logistiker mit heute mehr als 100 Lkw und 200.000 Quadratmetern Lagerfläche ausbaute. Etwa 1.000 Mitarbeiter verteilen sich auf rund 16 Standorte in Europa, im Schwerpunkt aber in Deutschland und Öster- reich. Umsatzzahlen gibt das Unternehmen offiziell keine heraus. Vor kurzem wurde in Ehrenkirchen „100 Jahre Lkw“ gefeiert, mit zahlreichen Kunden und einer Grußbotschaft des ehemaligen baden- württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger. Denn 1924 ergänzte ein erster Lkw, ein Benz Gaggenau, die damali- gen Pferdegespanne. Vor nunmehr acht Jahren hat Karlhubert Di- schinger das Familienunternehmen an seinen Sohn Karlkristian übergeben – und ist doch immer noch täglich dabei. Mit dem Fahrrad kommt er ins Büro, kümmert sich um Flotten- erneuerung, Immobilien und einiges mehr. „Allerdings alles ohne Verantwortung“, wie der Seniorchef betont, der nicht gern so ge- nannt wird. „Ich mache lediglich Vorschläge, die Entscheidungen trifft mein Sohn.“ Denn eines habe er während seiner Jahre als IHK-Präsident gelernt: „Wie man die Überga- be eines Familienunternehmens nicht regeln sollte.“ Zu viele unglückliche oder geschei- terte Generationenwechsel habe er erlebt, dass ihm klar wurde: „Das wollte ich besser machen.“ Und so hatte er, als klar war, dass Karlkristian, das jüngste seiner drei Kinder, ins Unternehmen einsteigen würde, fünf Jah- re lang gemeinsam mit ihm geübt, bevor er die Verantwortung per Handschlag auf einer Bergtour abgab. Volles Vertrauen Gleich danach sei er vom großen Chefbüro in das kleinere im ersten Stock gezogen – wo er heute noch sitzt – und habe den Stift in Dischinger-Grün, mit dem traditionell nur der Chef unterzeichnet, übergeben. „Seither war ich auch auf keiner Geschäftsführungs- oder Strategiesitzung mehr.“ Dass ihm dies nicht ganz leicht gefallen ist, daraus macht er kei- nen Hehl. Auch nicht daraus, dass die beiden keineswegs immer einer Meinung sind. „Wir sind eben eine ganz normale Familie.“ Doch: „Nur einer trägt die Verantwortung“, und er habe „volles Vertrauen“. Vertrauen ist offenbar auch etwas, das Karlhubert Dischinger draußen genießt, ob es um Rat oder die Übernahme von Ver- antwortung geht. So ist er auch zu seinen zahlreichen Ehrenämtern gekommen, von de- nen er nun eines nach dem anderen wieder abgibt. Als junger Mann hat er die Kreisju- gendfeuerwehr Breisgau-Hochschwarzwald
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