Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Januar'25 -Südlicher Oberrhein

13 1 | 2025 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten SCHWERPUNKT weiß, dass Aushandeln unabdingbarer Be- standteil von Demokratie ist – nicht nur im Landtag, sondern auch im Gemeinderat und Kreistag, deren Mitglied Frank Bonath seit Jahren ebenfalls ist. „In der Politik steht oft die Ideologie im Mit- telpunkt, von der man nicht abrückt, ganz egal, wie die Welt da draußen aussieht“, hat Frank Bonath gelernt und verweist auf das Ampel-Debakel. Keiner sei bereit, die eigene DNA hintenanzustellen. Zu groß die Gefahr, sonst nicht wiedergewählt zu werden. Un- denkbar für einen Unternehmer: „Wer dauer- haft erfolgreich sein will, muss sich anpassen und pragmatisch überlegen, wie er den Kun- den zurückgewinnt. Sonst riskiert er, seine Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.“ Bild: LTBW Im baden-württembergischen Landtag sitzen 154 Abgeordnete. In deren Reihen muss man gut suchen, um die 17 Unter- nehmer unter ihnen zu finden. Das Schweizer Modell Das weiß auch Wilhelm Hahn. Der geschäfts- führende Gesellschafter von Wiha Werkzeu- ge in Schonach sitzt seit der Kommunalwahl im Juni für die Freien Wähler im Kreistag des Schwarzwald-Baar-Kreises – und ihm fehlt realitätsbezogener Sachverstand „in den von Verwaltungs-, Politikwissenschaftlern und Ju- risten geprägten“ politischen Gremien. Manchmal schielt Hahn daher in die Schweiz rüber, wo Abgeordnete nicht in Vollzeit abhän- gig sein dürfen von ihrem politischen Mandat. Für Hahn ein gutes Modell. „Wenn ich meine Brötchen außerhalb der Politik verdiene, stehe ich immer mit einem Fuß im echten Leben.“ So wie die Kommunalpolitiker in Baden-Würt- temberg, deren Engagement ehrenamtlich ist. Das mache sich im Kreistag bemerkbar, dort erlebe er „ein erhebliches Maß an Realitäts- bezug“. Seinen eigenen Sachverstand als Unternehmer kann er vor allem dann einbrin- gen, wenn es um Finanzen geht. „Der Kreis- haushalt hat eine sehr ähnliche Struktur wie in einem Wirtschaftsbetrieb.“ Im Bereich der IHK Schwarzwald-Baar- Heuberg ist Wilhelm Hahn nicht der einzige Unternehmer, der sich kommunalpolitisch engagiert. „Insgesamt zählen wir 70 Unter- nehmerinnen und Unternehmer in Kreis- tagen, Gemeinde- oder Stadträten“, sagt Philipp Hilsenbek, Geschäftsbereichsleiter Standortpolitik. Nicht für die Ewigkeit Für Frank Bonath ist sein Job als Berufspoli- tiker „etwas auf Zeit“. „Ich werde bestimmt nicht in der Politik in Rente gehen“, stellt er fest. Schließlich gibt es da ja noch sein Unternehmen. „Ich schätze mich glücklich, mit meinem Geschäftspartner Markus Baier jemanden an der Seite zu haben- der mir berufliche Perspektiven offenhält. Dennoch liegt mein Fokus auf meiner politischen Ar- beit und dem Vertrauen der Wähler, das ich auch über 2026 hinaus gewinnen möchte.“ Einfach zurückzukehren – diese Möglichkeit hat nicht jeder Unternehmer, weswegen es kaum verwundert, dass man in politischen Gremien vergleichsweise wenige Firmenin- haber und Geschäftsführer findet. Philipp Hilsenbek ist froh über Ausnahmen von der Regel. „Das gibt Zuversicht und ist Vorbild.“ Etwa für Familienmitglieder, die aus inhaber- geführten Unternehmen stammen und sich statt einer Betriebsnachfolge für ein politi- sches Wirken im Sinne des Unternehmer- tums entscheiden. Hilsenbek findet es enorm wichtig, dass Unternehmer mit an den Ratstischen sitzen: „Die allermeisten Kommunen betreiben eine proaktive Standortpolitik. Sie wollen den Unternehmen vor Ort gute Rahmenbedin- gungen schaffen. In diesen Gremien können Unternehmer mit über Projekte entscheiden. Ansonsten würde nur über sie gesprochen werden.“ „Ich kann nicht nur zuschauen“ Und was motiviert Unternehmer, sich für ein politisches Mandat zu bewerben? Wilhelm Hahn übernimmt gern Verantwortung und gestaltet gern – ganz der Unternehmer eben. Außerdem findet er, dass es an der Zeit ist, die Stimme zu erheben gegen die immer of- fensichtlicheren Missstände in Deutschland und Europa: marode Infrastruktur, teures und ineffizientes Gesundheitswesen, Gene- rationenungerechtigkeit, ideologisch getrie- bene Nachhaltigkeitspolitik und der Verlust internationaler Wettbewerbsfähigkeit. „Mit meinem wirtschaftlichen und volkswirt- schaftlichen Sachverstand kann ich da kaum zuschauen.“ Als Vater von vier Kindern möch- te er sich nicht ausmalen, wo Deutschland in 20 Jahren stehen wird. „Auch wenn ich weiß, dass ich als Einzelner nicht viel errei- chen kann, will ich laut werden und tun, was in meiner Macht steht. Denn Schweigen ist Zustimmung.“ Ein bisschen die Welt verbessern? Die Welt ein Stück weit zum Positiven ver- ändern – das möchte auch Frank Bonath, „wie wahrscheinlich alle, die in der Politik

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ2MDE5