Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Januar'25 -Südlicher Oberrhein
„Deutschland hat ein Mentalitäts- problem“ – findet Lars Feld, weil viele von der aktuellen Krise noch nicht direkt betroffen sind Südbaden Wir sind für Sie da, wenn Sie uns brauchen Wenn es um die Organisation von Geschäftsreisen mit individuellem Service geht, ist Lufthansa City Center Südbaden Ihr kompetenter Partner! Mit unseren umfassenden Leistungen, einschließlich 24h- und Visa-Service, Security Management, Online Booking und Reporting sorgen wir vor, während und nach Ihren Geschäftsreisen für einen reibungslosen Verlauf. Wann dürfen wir Sie beraten? 07631 500835 bt@lcc-suedbaden.de https://go.lcc.de/bt-suedbaden Wilhelmstraße 13 79379 Müllheim Ihr Business Travel Partner. ANZEIGE und es nicht gelingt, den Haushalt zu konso- lidieren. Vor diesem Hintergrund wird es für die EZB vielleicht interessanter, ein adäquates Zinsniveau für Deutschland zu schaffen. Deutschland stagniert seit fünf Jahren und in dieser Zeit hat sich die Art und Weise, wie wir arbeiten, sehr verändert. Gibt es einen wissenschaftlichen Zusammenhang zu Themen wie Vier-Tage-Woche, New Work oder Homeoffice? Es ist schwierig, negative Auswirkungen die- ser Trends auf das Wirtschaftswachstum zu identifizieren. Aber man stellt schon fest, dass sich unser gesellschaftliches Mindset verän- dert hat. Seit 2013 gibt es die Mentalität, dass alles eigentlich ganz gut läuft. Also hat man den Arbeitsmarkt re-reguliert, die Reformen der Regierung Schröder zurückgedreht und das Rentenpaket der Sozialdemokraten setzt den Nachhaltigkeitsfaktor außer Kraft. Nur die finanzpolitischen Reformen aus der Schröder- und der ersten Merkel-Ära sind noch in Kraft. Und genau da geht man jetzt dran. Man will die Schuldenbremse abschaffen und die Steuern erhöhen. Die nächste Forderung der Gewerk- schaft ist dann die 30-Stunden-Woche, am liebsten verknüpft mit einem bedingungslosen Grundeinkommen. Dann aber muss man sich nicht wundern, wenn man danach kein Geld mehr zum Leben hat. Von 2001 bis 2021 pendelte der Kran- kenstand in Deutschland relativ stabil zwischen drei und vier Prozent. Seit drei Jahren sind wir bei um die sechs Prozent – und damit so hoch wie nirgends sonst auf der Welt. Ist das eine Folge der demografi- schen Entwicklung, eines neuen Mindsets oder das Resultat falscher Politik? Das ist vor allem das Resultat falscher Poli- tik. Schauen Sie mal in die Schweiz, wo der Krankenstand viel niedriger ist. Die Schweizer ernähren sich aber nicht anders als wir, die Demografie ist vergleichbar, das Gesundheits- system ebenfalls. Aber es gibt in der Schweiz keine gesetzliche Lohnfortzahlung im Krank- heitsfall, man kann sich nur privat absichern. Das machen aber die wenigsten. Hat Deutschland ein Mentalitätsproblem? ImMoment ja. Das Reformbewusstsein steigt, aber da der größte Teil der Bevölkerung von der aktuellen Krise noch kaum betroffen ist, ist das Bewusstsein nicht ausreichend, um nennens- werte Reformen durchzuführen. Das heißt, die Krise muss erst noch schlim- mer werden. Vielleicht ist das so, ja. Ich hoffe jedoch, dass man es früher erkennt. Wenn Sie an den Standort Deutschland den- ken, was macht Ihnen Hoffnung? Mir macht Hoffnung, dass wir in den vergan- genen Jahrzehnten immer dann, wenn neue Weichenstellungen nötig und Reformen gefragt waren, in der Lage waren, das in unserem po- litischen System auch umzusetzen. Deutsch- land ist reformfähiger als beispielsweise Frank- reich oder Italien.
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