Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Januar'25 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

46 UNTERNEHMEN GRÜNDER W er an der Grenze zur Schweiz lebt, kennt die Unterschiede im Preisniveau zum Nachbarland aus dem Alltag. Dass für Ju- lius Komp, vor fünf Jahren noch Angestellter bei einem Autohändler in der Schweiz, daraus einmal ein Geschäftsmodell erwachsen wür- de, ahnte er indes lange nicht. Dennoch rief er gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Pascal von Briel einen Online-Shop ins Leben, um diese Marktdifferenzen – zunächst für den Produktversand im Bereich Unterhal- tungselektronik – zu nutzen. Es gab zwei Aha-Effekte. Erstens: Auch mit nur wenigen Bestellungen am Tag lässt sich schon eine kleine Marge erzielen. Zweitens: Die Abwicklung über eine Grenze hinweg ist so aufwändig, dass Komp und von Briel einen automatisierten, digitalisierten Prozess für den grenzüberschreitenden Warenverkehr entwickelten. „Das Potenzial dafür war so groß und die Anfragen an uns so zahlreich, dass wir 2020 die Exporto GmbH gegründet und unsere Technologie für andere E-Com- merce-Unternehmen im Online-Handel ge- öffnet haben“, erinnert sich der 28-Jährige. Komps Start-up explodierte förmlich. Aus drei Millionen Euro Umsatz 2021 wurden bis 2024 27 Millionen Euro. 2025 will Exporto 46 Mil- lionen Euro umsetzen und ist mittlerweile im Konstanzer Bücklepark ansässig. Gut 120 Mitarbeiter sind an sechs Standorten beschäftigt. Für mehr als 200 E-Commerce- Kunden inklusive börsennotierter Konzerne schafft Exporto ein „Einkaufserlebnis mit Prozessen, die so reibungslos funktionieren, als gäbe es innerhalb Europas keine Gren- zen“, erklärt Komp. Kein manuelles Dokumentenhandling, keine aufwändigen Versandvorbereitungen, viel- fältige Retourenmöglichkeiten: Das Wissen, worauf es ankommt, ist bei Exporto durch die Erfahrungen der Anfangszeit tief verwur- Exporto in Konstanz Der Grenzöffner Für ihre Kunden vereinfacht Exporto aus Konstanz den grenzüberschreitenden Warenverkehr – und legt vier Jahre nach der Gründung ein steiles Wachstum an den Tag. zelt. Heute wickelt das Unternehmen täglich 20.000 bis 30.000 Pakete mit grenzüber- schreitendem Versandweg ab – und rollt sein Logistiknetzwerk europaweit aus: Nach der Schweiz, Norwegen, Finnland, Schweden, Dänemark und Großbritannien sind 2025 die Benelux-Länder und Österreich an der Reihe. „Wir arbeiten uns geografisch aus Sicht von Deutschland entgegen dem Uhrzeigersinn vor“, sagt Komp. Hintergrund: Auf den großen Märkten wie Frankreich liegt im Wettbewerb schon viel Aufmerksamkeit. Heute sei es ein- facher, ein Paket von Berlin nach Paris zu ver- schicken als etwa nach Kopenhagen oder gar in ein Nicht-EU-Land. „Die Chance, Frank- reich logistisch aufzuschalten, ist mit einer größeren Marktmacht viel aussichtsreicher als ohne die Erfahrung, die dicken Brocken bereits erfolgreich bearbeitet zu haben.“ Ju- lius Komp, der in der Freizeit im Fußballtor steht oder mit seinem Camper gern Richtung Vorarlberg aufbricht, sucht neue Mitarbeiter, um das Wachstum zu stemmen. Hierfür soll die Arbeitgebermarke gestärkt werden, etwa über Aktivitäten im Sponsoring. Notwendig sind zudem größere Logistikflächen. Weil das hohe Lkw-Aufkommen in Konstanz nur zum Teil bewältigt werden kann, hat Exporto ei- nen Standort in Singen eröffnet. Komp: „Das ist keine Abkehr von Konstanz, sondern eine Erweiterung aufgrund von kurzfristig fehlen- den Flächen.“ Benedikt Brüne Vom Autohandel zum Online- Grenzöffner: Julius Komp EXPORTO Gründer: Julius Komp/Pascal von Briel Ort: Konstanz | Gründung: 2020 Branche: Online-Handel Website: exporto.de Bild: Benedikt Brüne

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