Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Januar'25 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

41 UNTERNEHMEN Genaue Prüfung: Damit Medizinprodukte eingesetzt werden können, müssen sie mit einer CE-Kennzeichnung versehen werden. Diese darf nur angebracht werden, wenn das Produkt bestimm- te Sicherheits- und Leis- tungsanforderungen erfüllt. W enn eine Schraube kürzer ist als der Papierstapel hoch, den es für ihren Verkauf braucht – dann stimmt was nicht. Dieser Meinung ist jedenfalls Gerhard Hipp. Vielleicht, weil der Geschäftsführer von Anton Hipp in diesem Bereich schon so viel erlebt hat. Wie so viele Verantwortliche in der Medizintechnik. Die besagten Schrauben werden in der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie verwendet. Bis zu 30 Stück für eine OP. Jede ist begleitet von einer Gebrauchsanweisung in 18 Sprachen. „Früher war die Bedienungsanleitung für die von uns hergestellten Instrumente und Im- plantate mal eine Seite lang, heute sind es sechs“, berichtet Hipp. Und fragt sich: „Was wird dadurch sicherer? Was wird dadurch besser? Ist das nachhaltig? Sicherer und besser sollte die Medizintech- nik werden, als das Europäische Parlament die Medical Device Regulation (MDR) über- arbeitete. Mit ein Auslöser dafür: Es gab Implantate zur Brustvergrößerung, die nicht mit medizinischem Silikon, sondern mit tech- nischem hergestellt waren. Der französische Hersteller Poly Implant Prothèse hatte bil- liges Industriesilikon für seine Implantate verwendet. „Das war kriminelle Energie“, resümiert Gerhard Hipp. Doch diese mit überbordenden Normen und Regulatorik eindämmen zu wollen, löst wohl nicht nur bei ihm Kopfschütteln aus. Am Puls der Branche An der Stelle könnte Julia Steckeler ni- cken. Als Geschäftsführerin von Medical Mountains in Tuttlingen leistet sie mit ihrer Organisation Lobbyarbeit für die Branche, vernetzt Akteure der Medizintechnik, unter- stützt mit Wissenstransfer und befindet sich im Dialog mit der Politik. Im Juli dieses Jahres publizierte man 31 Seiten „Änderungsvor- schläge für mehr Planungssicherheit, ange- messenen Aufwand und weniger Kosten bei der Umsetzung der MDR“. In Tuttlingen, wo mehr als 400 Medizintechnik-Unternehmen beheimatet sind, ist das elfköpfige Medical- Mountains-Team schließlich am Puls der Branche. Deshalb befürchtet Julia Steckeler auch: „Wenn die MDR so bleibt, wird es hier bald keine 400 Medizintechnik-Unternehmen mehr geben.“ Bild: stock.adobe.com/ Gorodenkoff

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