Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Januar'25 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

38 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 1| 2025 UNTERNEHMEN Die Koehler-Gruppe investiert in die eigene Zukunft. In Oberkirch entsteht dafür die Gretel-Furler-Kita (oben), Bio- masse ersetzt das Steinkohlekraftwerk und in Willstätt entsteht ein neuer Standort – mit einem Ausbildungszent- rum für 73 Millionen Euro. wenigen Frauen in Deutschland war, die in einem Aufsichtsrat eines Unternehmens vertreten war – und das 17 Jahre lang und sehr erfolgreich. Koehler steht auch dank ihr seit Jahrzehnten für Innovationen. Man hat das Selbstdurchschreibepapier (reacto) in Oberkirch zwar nicht erfunden, aber seine Herstellung perfektioniert. Gleiches galt Jah- re später für Thermopapier (in Kehl), womit Koehler zu einem Global Player wurde: mit 2.500 Mitarbeitern und 1,1 Milliarden Euro Umsatz 2023. Das Thermopapier ist nach wie vor ein Best- seller. Parkautomaten, Supermarktkassen – einfach überall. Im E-Commerce braucht man das Thermopapier beim Labeln, aber Koehler wäre nicht Koehler, wenn man es dabei beließe. 300 Millionen für Kehl Also hat man erst den Weltmarktführer für Bierfilze aus einer Insolvenz heraus über- nommen (Katz im Murgtal) und setzt jetzt auf versiegelbares, fett- und aromadichtes Verpackungspapier. 300 Millionen Euro hat man dafür 2019 in die Erweiterung der Kehler Papierfabrik investiert. „Das ist die Zukunft“, sagt Kai Furler dazu. „Aber aller Anfang ist schwer und ich glaube nicht, dass sich ein börsennotiertes Unternehmen diesen Schritt zugetraut hätte.“ Denn so gut es ist, Plas- tikverpackungen wo immer möglich durch Papier zu ersetzen: Große Markenartikler wollen bei der Verpackung von Gummibär- chen, Schokoriegeln oder Mini-Salamis nichts riskieren. Also wird genau beobach- tet, welche Erfahrungen Start-ups mit den Nex-Flex-Papieren von Koehler sammeln… „Schwierigste Phase meiner Karriere“ Für Kai Furler ist der Kampf gegen Plastik auch etwas Persönliches. Der Mann ist Jäger und Heger, spielt Golf, wandert gern und fin- det seinen Ausgleich in der Natur. Wer ihn in sein Revier begleitet, muss manchmal abrupt stehenbleiben – denn der Vorstand bückt sich, wenn am Wegrand ein weggeworfener To-go-Becher liegt. „So ein Stück Plastik stört mich gar nicht so sehr“, sagt er. „Denn das kann man aufheben. Aber was an Plas- tik in den Ozeanen schwimmt, ist ein echtes Problem!“ Die Welt ein bisschen besser machen – die- sen Anspruch nimmt man bei Koehler sehr ernst. „Ich habe einen Generationenauftrag“, sagt Furler dazu, der 2007 Vater und Onkel im Vorstand beerbte. Elf Enkel umfasst die neun- te Generation, aus dieser Perspektive sieht es schon mal gut aus für die 250-Jahr-Feier im Jahr 2057. „Ich will nicht die letzte Seite im Koehler-Buch sein, auf keinen Fall“, sagt der Chef dazu und wird ernst. „Wir bewegen viel und das macht großen Spaß – aber politisch und von den Rahmenbedingungen her ist es aktuell die mit Abstand schwierigste Phase meiner Karriere.“ Deutschland habe sich zu einem echten Standortnachteil entwickelt – während Asien weltweit eh schon nachfra- geschwache Märkte überflutet.

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