Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Januar'25 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

29 1 | 2025 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten Ausbildung bei Storz Verkehrswegebau Baustellen sind heute komplett digital hinterlegt D icker Stahlpanzer, mächtige Ketten, starke Motoren: Nicht zu- fällig erinnert ein Bagger an Dinosaurier. Ein Bagger von heute ist aber mehr als ein Kraftpaket mit Schaufel, und heutige Bagger sterben auch nicht aus – sie wandeln sich zu digitalen Hightech- Geräten. Solche Gefährte haben es Lukas Jäkle angetan: Er ist Land- und Baumaschinen-Mechatroniker bei der Firma J.Friedrich Storz Verkehrswegebau in Tuttlingen. Sein Job gehört zwar nicht zu den Top Ten der Berufswünsche, wenn junge Menschen eine hand- feste Ausbildung anstreben – aber Lukas hat seine Wahl nie bereut. Genau wie Ravinder Singh Kundu aus Indien. Er erlernt ganz klas- sisch den Beruf des Straßenbauers; nebenbei belegt er jeden Freitag Deutschkurse, zu denen er eigens nach Schorndorf fahren muss. Seine momentane Baustelle liegt in Krauchenwies; die für ihn zu- ständige Storz-Niederlassung ist Sigmaringen. Wie Lukas Jäkle ist auch er glücklich in seinem Job, an dem er jeden Abend sehen kann, was er und seine Kollegen geschafft haben. Aus Indien ins kalte Deutschland – war das, rein wettermäßig, ein schwieriger Wechsel? Nein, lacht er, auch in seiner Heimatstadt Aisar, 170 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Delhi, kann es im Winter kühl werden – und regnen tut’s in Indien durchaus kräftiger als in Europa. Alles gut so weit. Und mit seinen Kollegen kommt er gut aus – nein, einen Kulturschock hat er nicht erlitten. Das hört auch Storz-Ausbildungsleiter Herbert Aggeler gern, mit dem seine Familie in dritter Generation bei der Tuttlinger Unter- nehmensgruppe (die ebenfalls in dritter Generation geführt wird) vertreten ist. Die Palette der Ausbildungsberufe beim Familienun- ternehmen ist ausnehmend breit – zwölf Berufsbilder werden ange- boten, vom klassischen Bürojob Industriekaufmann bis zu speziellen Ausbildungsberufen in der Baubranche. Dazu gehört eben auch der Beruf des Straßenbauers, wie Ravinder Singh Kundu ihn erlernt, oder der des Baugeräteführers, der Bagger und anderes Gerät bedient – und davon gibt es bei Storz genug: Rund 5.000 kleine und große Baumaschinen finden sich im Bestand, dazu viele Dienst-Pkw. Klar, dass es da auch Bedarf an Wartung und Instandsetzung gibt – das ist dann der KfZ-Mechatroniker Nutzfahr- zeugtechnik oder der Land- und Baumaschinen-Mechatroniker, als der es Lukas Jäkle mittlerweile zum Gesellen gebracht hat. Andere Richtungen, in die bei Storz die Ausbildung führen kann, sind etwa der Baustoffprüfer oder, hoch speziell, der Aufbereitungsmechaniker Naturstein. Und im Dualen Studium kann hier ein Ausbildungsgang auch zum Bauingenieur führen. Es hat gleich gematcht Für Lukas Jäkle war die Wahl schnell klar. Das Gymnasium hat er nach der zehnten Klasse verlassen, als er merkte, dass Sprachen nicht so sein Ding sind. Bei J.Friedrich Storz passte es auf Anhieb – und Erfahrung brachte er schon mit: Er stammt aus der Land- wirtschaft, seine Eltern betreiben einen Hof, auf dem man früh den Umgang mit Maschinen lernt. Und seine Ausbilder, Werkstattleiter Lothar Schlatter und Ausbildungsleiter Herbert Aggeler, halten gro- ße Stücke auf ihn, haben ihn gefördert – mit Erfolg: Lukas ist in diesem Jahr Kammersieger bei der Handwerkskammer Konstanz geworden. Als Geselle ist er jetzt Teil des Teams, das die vielen Baustellen der Unternehmensgruppe buchstäblich am Laufen hält. Sein Arbeitsplatz ist nicht nur die Werkstatt; er fährt auch zu den Geräten, die er vor Ort reparieren muss. Junge Leute wie Lukas Jäkle oder Ravinder Singh Kundu müssen heute viel mehr mitbringen als die „Schubkarrenfahrer“ früherer Bauunternehmen. Heutige Baustellen sind komplett digital hinter- legt, ohne zumindest grundlegende IT-Kenntnisse geht nichts. Wer einen Bagger starten will, fährt noch vorher den PC hoch. Mit sei- nem Team sucht Ausbildungsleiter Herbert Aggeler unermüdlich Nachwuchs, ob auf Social Media oder auf Ausbildungsmessen. Und muss nach wie vor gegen ein veraltetes, zu unterkomplexes Image der Branche – Dreck! Schlamm! Staub! - ankämpfen. Immerhin hat das Unternehmen dieses Jahr zehn Azubis freisprechen können. Insgesamt arbeiten bei Storz 53 Auszubildende, „zu wenige“, beklagt Georg Graf Kesselstatt, der gemeinsam mit seiner Frau Susanne als geschäftsführende Gesellschafter das Unternehmen leitet. Auch und gerade in herausfordernden Zeiten bringt es Herbert Aggeler mit wenigen Worten auf den Punkt: „Wir brauchen Lehrlinge mit Hirnschmalz!“ DK Lukas Jäkle ist Land- und Baumaschinen-Mechatroniker. Ravinder Singh Kundu erlernt den Beruf des Straßenbauers.

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