Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Dezember'24 - Hochrhein-Bodensee
41 12 | 2024 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten verkraften – eine Reaktion der USA auf Ex- portsubventionen der EU für Airbus. In den Staaten unterhält Wiha einen Ver- triebsstandort samt Lager mit 80 Mitarbei- tern für Logistik, Vertrieb und Marketing. Auch deshalb hat man sich in Schonach schon weit vor der Wahl zusammengesetzt, um Szenarien zu entwickeln, verrät er: „Je- der Prozentpunkt mehr bei den Einfuhrzöllen wirkt sich auf unser Ergebnis aus. Das hat mittelfristig auch Einfluss auf Investitions- entscheidungen.“ Anderen Unternehmen gehe es da nicht anders, ist er sich sicher: Deshalb sind Protektionismus und Subven- tionen aus Sicht von Wilhelm Hahn generell nicht das richtige Mittel für eine gute Wirt- schaftspolitik. Unter der Maxime „local for local“ produziert die Duravit AG ihre Produkte wo es geht in der jeweiligen Region oder direkt im Land. In den USA ist der Sanitärkeramikhersteller aus Hornberg mit einem Lager in Duluth so- wie einer Vertriebs- und Marketingeinheit in Atlanta vertreten - und baut sein Engagement in Nordamerika weiter aus. Aktuell baut Duravit in Kanada ein Werk, das klimaneutral betrieben sein wird, sagt CEO Stephan Tahy: „Zum Einsatz kommen Elektro- öfen, die durch Windkraft gespeist werden.“ Für Duravit ändere die Wahl Trumps nichts. „Wir sehen weiterhin großes Potenzial in den USA, wo wir mit unserer Markenstrategie und den Schwerpunkten Design, Excellence, Wellbeing und Responsibility eine führende Rolle anstreben.“ Hoffen auf Beständigkeit Potenzial in den USA sieht auch der Vor- standsvorsitzende der Sick AG aus Wald- kirch, Mats Gökstorp. Er setzt darauf, dass die guten Handelsbeziehungen Bestand ha- ben: „Für Sick ist Nordamerika ein wichtiger Wachstumsmarkt, wo wir mit eigenen Pro- duktions- und Entwicklungszentren an meh- reren Standorten vertreten sind.“ Einer davon ist im US-Bundesstaat Minnesota, dazu gibt es mehrere Vertriebsbüros. „Wir hoffen, dass die verlässlichen, partnerschaftlichen Bezie- hungen zwischen Deutschland und den USA auch nach der US-Wahl fortgeführt werden.“ „Im schlimmsten Fall gibt es eine Beule“ Auch Hannes Gerriets befürchtet für sein Un- ternehmen durch die Wahl von Donald Trump keine allzu großen Probleme. Dafür ist das Portfolio des Experten für Bühnentechnik und -bedarf in einigen Bereich zu exklusiv – etwa wenn es um große Vorhänge oder Leinwände geht. Für das Abnehmen oder Konfektionieren von überdimensionierten Textilien brauche es spezielle Maschinen, „die heute nicht mehr hergestellt werden, und damit in gewisser Weise einzigartig sind“. Bei der Gerriets GmbH aus Umkirch bei Freiburg sind sie noch im Einsatz – auch für den Gerriets-Standort in den USA. 1980 wurde in Allentown (New Jersey) die erste Tochtergesellschaft des Familienunterneh- mens gegründet. „Wir besetzen eine Nische, an der viele Theater oder Veranstaltungshäu- ser nicht vorbeikommen“, ist Hannes Ger- riets überzeugt. Höhere Zölle würden also in erster Linie dazu führen, dass Opernhäuser, Theater oder Bühnen tiefer in die Tasche grei- fen müssen, wenn sie ihren Schnürboden, den Vorhang oder andere Bühnentechnik erneuern wollen. Anders könnte es im Be- reich Büroausstattung sein. Da ist Gerriets mit lärmdämmenden Stoffen und Systemen aktiv. „Im schlimmsten Fall gibt es eine Beule im Geschäft, aber mehr auch nicht.“ Eine eigene Antwort finden Der Architekt und Projektentwickler Jürgen Grossmann, geschäftsführender Gesell- schafter der Grossmann Group aus Kehl, ver- bindet mit der Wahl Donald Trumps dagegen eine Aufforderung. Denn so sehr man sich über dessen Stil auch echauffieren möge: „Er gibt seinen Wählern das Gefühl, dass sich mit ihm etwas bewegt – und er schafft Auf- bruchstimmung.“ Daher war dessen Wahlsieg auch keine Überraschung für den Unterneh- mer. Und eine Aufbruchstimmung, ähnlich wie sie der Republikaner initiiert, wünscht sich Grossmann auch hierzulande: „Ich hätte nichts dagegen, wenn wir auf ‚Make Ameri- ca Great Again‘ eine Antwort finden würden nach dem Motto: Mach Deutschland wieder stark, zuversichtlich und optimistisch!“ Patrick Merck UNTERNEHMEN
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ2MDE5